American Folk aus Mainz, wohnhaft in Fulda, kommt aus Marburg und hat die ganze Welt bereist. Das ist Tobi Rodriguez. Seine Musik ist geprägt von Reisen, auf den Spuren von Alex Supertramp. Einen Einblick davon bekommen wir im Interview.

Fauves: Hey Tobi, schön, dass wir es heute bei diesem fantastischen Wetter zum Interview in deinen vier Wänden gepackt haben. Zum Start widmen wir uns einer kleinen neuen Kategorie: lieberoder… Bist du bereit?!

Tobi Rodriguez: Na klar, leg los!

Fauves: Lieber Früchteboden oder Sahnetorte?

T: Ganz klar Sahnetorte, aber der Gürtel muss noch zugehen.

Fauves: Lieber Alaska oder die Alpen?

T: Zeigt seine Mütze vom Department of Fish and Game: Alaska, wegen der Ruhe und weil mir mein Kumpel aus Anchorage mal diese Cappy mitgebracht hat, die man nur als Angestellter bei dieser Behörde bekommen kann.

Fauves: Lieber Tarantino oder Tolkien?

T: Tolkien für die Bilder und Tarantino für die Musik.

Fauves: Lieber E-Scooter oder Scooter?

T: Scooter. Streich das E-!

Fauves: Tobi sag mal, wann war dein letztes Live-Konzert?

T: So jetzt, jetzt? Freitag vor einem Monat (11.06.) auf der Hochzeit meines Bruders. Das letzte richtige Konzert wohl im Sommer ’20.

Fauves: Wenn man Songs von dir finden möchte, dann nur unter deinem Künstlernamen Tobi Rodriguez. Wie kamst du zu diesem Namen?

T: Kennst du Searching for Sugarman? Ein Bauarbeiter und Hobbymusiker aus den USA wird ohne sein Wissen zum Superstar in Südafrika und erfährt erst spät in seinem Leben, dass er dort so bekannt ist. Daraufhin spielt er in gefüllten Stadien vor tausenden von Menschen eine Tournee in Südafrika. Er spielt unter dem Namen Rodriguez.


Fauves: Fallen dir neben Rodriguez spontan drei Künstler ein, ohne die du nie zur Gitarre gegriffen hättest und die dich nachträglich inspiriert haben?

T: Es begann alles mit etwas völlig anderem als das, was ich heute mache. Punkrock. Damals wollte ich einfach unbedingt das Riff von „Holiday“ (Green Day) drauf haben. Die Reise ging dann weiter über die verschiedensten Genres und Persönlichkeiten wie Jimmy Hendrix, Slash oder John Butler. Und eines Tages wachst du auf und musst dir eingestehen, dass „Country Roads“ kein schlechter Song ist.

Fauves: Wann kam die Mundharmonika dazu?

T: Das müsste 2015 gewesen sein. Damals habe ich ein 8er Mundharmonika-Set gekauft, welche sich alle als Schrott herausstellten. Ich sehe mich nicht unbedingt als begnadeten Sänger und die Mundharmonika hat sich nicht nur als gut verstaubares Instrument auf Reisen bewiesen, sondern auch als gute Ergänzung zu meinem Singer/Songwriter Repertoire.

Fauves: Ich habe schon mitbekommen, dass du viel auf Reisen warst und unter anderem auf den Spuren von Alex Supertramp, denen du bis zu “seinem” Bus nach Alaska gefolgt bist. Welche Erfahrungen auf Reisen haben dich und deine Musik am meisten geprägt?

T: Ich würde schon sagen, dass mich der “Into the wild” Spirit immer auf meinen Reisen begleitet hat und ich es mag, das Reisen für mich bedeutet, dass man immer wieder mit Situationen konfrontiert wird, die man symbolisch mit einem Sprung ins kalte Wasser vergleichen kann. Für mich geht es darum, mein Welt- und Menschenbild und damit meinen Horizont zu erweitern, um nicht nur die Welt, sondern vor allem auch sich selbst besser kennenzulernen. Für meine Musik hat das zur Folge, dass ich diese Erfahrungen verarbeite, indem ich einfach das zu Papier bringe, was mich im Positiven wie auch im Negativen beschäftigt. Gregory Alan Isakov hat mal in einem Interview gesagt hat: “We walk around, eat poetry and then puke out a song.” Das trifft es eigentlich auf den Punkt.


Fauves: Arbeitest du gerade an neuen Songs oder hast du ein Album in Planung?

T: Seit Corona hält sich der Schreibfluss in Grenzen. Es fehlen einfach Erfahrungen außerhalb der eigenen Wohnung gepaart mit zu hohen Erwartungen und dem alltäglichen Berufsstress, sodass ich kaum neue Songs geschrieben habe bzw. sie zu schnell verworfen habe. Ich sehe den anstehenden Sommer als Chance wieder neue Inspirationen zu sammeln und ein paar Lieder zu schreiben, aber ich habe auch keinen Druck als Hobbymusiker auf Teufel komm raus einen Song zu schreiben.

Fauves: Du hast dein WG-Zimmer schon wie ein Tonstudio angelegt. Würdest du fertige Songs noch in ein Tonstudio geben oder reicht dir inzwischen dein Heimsetup?

T: Mein Ziel ist es weitestgehend meine beziehungsweise unsere Musik eigenständig auf die Beine zu stellen und es macht mir riesig Spaß auch die technischen Aspekte kennenzulernen. Ich könnte mir allerdings vorstellen zum Mixen ein fertiges Lied in ein professionelles Tonstudio zu geben, um einmal hören zu können, was ein Profi noch aus meinem Sound herausholen kann.

Fauves: Bei YouTube findet man ein Cover von dir von Brian Fallons “My name is the night”. Würdest du den Frontmann von The Gaslight Anthem als Inspiration für deine Musik sehen und magst du einfach den Song?


T: Brian Fallon ist auf jeden Fall ein wahnsinnig sympathischer Musiker, den ich vor allem für seine ehrlichen Texte sehr schätze. Er wäre der erste der mir einfallen würde, mit dem ich gerne mal ein Bier am Tresen trinken und über Musik sprechen würde.

Fauves: Auf deiner Internetseite tauchst du nicht nur als Solokünstler, sondern auch als Bandmitglied bei The Brick Lane Pastry auf. Erzähl uns mal von diesem Projekt.

T: TBLP ist auf jeden Fall das coolste Projekt, das mir hätte passieren können. Ich sehe unsere Konstellation als grandiosen Einzelfall einer Zusammenkunft von vier Freunden, die sich nicht nur menschlich, sondern auch musikalisch bestens verstehen und ergänzen. Jeder einzelne hat ein Gespür für sein Instrument und wir teilen dieselbe Vorfreude bei anstehenden Konzerten.

Fauves: Kommen wir noch einmal zurück zu dir. Dein Song „Memories“ beschreibt einen idyllischen Sonnenuntergang in einer Stadt an einem Fluss. Ich muss dabei direkt an Mainz denken! Welche Erfahrungen haben dich zu dem Song bewogen und um welche Stadt dreht er sich?


T: Memories dreht sich auch bei mir um Mainz und verarbeitet Erinnerungen an die Vergangenheit während meiner Studienzeit in Mainz. Das Video zu dem Song ist schon in Fulda entstanden während meiner Anfangszeit in meiner WG hier. Bei gefühlten Minusgraden sind wir aufgebrochen, um das Video aufzunehmen und wir haben es insgesamt nur zu zweieinhalb Versuchen geschafft, weil ich danach kaum noch eine Seite anspielen konnte. Der Song selbst ist ein gutes Beispiel für das von Isakov beschriebene Verarbeiten von Erfahrungen. Der Song ist in etwa in 90 Minuten entstanden und das Video zwei Tage später.

Fauves: Das Video findet man schon seit knapp über Jahr bei YouTube. Hattest du seitdem schon Auftritte in Fulda und wie sieht die Planung im Sommer aus?

T: In Fulda bin ich bis jetzt im Backstage und als Straßenmusiker aufgetreten. Kleine Konzerte, wie zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte, sind mir fast lieber als auf einer großen Bühne zu stehen, da ich eine vertrauliche Umgebung und den Kontakt zu meinen Zuhörern sehr schätze. Ich hoffe, dass so etwas bald wieder noch mehr möglich sein wird.

Fauves: Das klingt fantastisch, ich werde da sein, sobald etwas stattfindet! Vielen Dank für das Interview!