Easy Easy – vielversprechende Indie Newcomer aus Köln

Tommi, ich glaub’ ich hab’ Heimweh
Ich will mal wieder am Rhein stehen
Einfach hineinsehen
Zuschauen wie Schiffe vorbeiziehen
Tommi, ich glaub ich hab’ Heimweh

Mit diesen Zeilen überraschten AnnenMayKantereit im Herbst 2019 ihre Fans auf einem Konzert in ihrer Heimatstadt. Es bedarf lediglich die ersten Akkorde des Songs „Tommi”, eine Liebeserklärung an Köln, um zu verstehen, worüber dieser handelt: Sehnsucht. Jetzt ist die im Frühjahr 2020 gegründete Band Easy Easy noch nicht 24/7 auf Tour, sitzt bei Klaas auf der Couch oder bei Dunya Hayali im Frühstücksfernsehen. Doch die vier Kölner haben trotzdem Sehnsucht:

Wir kommen mittlerweile (leider) alle in ein Alter in dem wir auf der einen Seite wissen, dass wir noch nicht zu 100% das, was man „erwachsen“ nennt, sind, auf der anderen Seite sind wir aber auch keine 17 Jährigen mehr. Ob wir’s wollen oder nicht, wir müssen immer mehr Verantwortung übernehmen und uns darüber klarwerden, was wir im und vom Leben wollen, plus die Kater nach ner langen Nacht werden auch langsam länger und unangenehmer. Naja muss man wohl durch, schätze ich.

Irgendwie kommt mir das gar nicht so unbekannt vor, und ich denke die meisten können damit wunderbar relaten. Zudem hat uns Corona nicht wirklich einen Kompass in die Hand gegeben, sondern steht eher mit einem Magneten allgegenwertig neben uns und lacht uns dumm ins Gesicht. Und so ist es umso erstaunlicher, wie es Easy Easy trotz der akuten Widrigkeiten geschafft haben, eine EP rauszubringen, die zwar diese Ungewissheit wunderbar widerspiegelt, zeitgleich jedoch eine extreme Hoffnung in sich birgt.

Kurzer Sprung zurück.

Als das Produzentenduo Leon Sieland und Leon Laguna de la Vera die Rohfassung von „all about you” das erste mal hörten, waren sie auf Anhieb begeistert. Kurzum wurden Carlo Lüdorf und Luis Seinsche ins Studio eingeladen, um an dem Song zu pfeilen. Nicht nur der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, sondern auch einer Freundschaft, entstand.

Die Jungs haben’s mega drauf und die Arbeit mit ihnen macht durchgehend Spaß, die meiste Zeit, die wir im Studio sind, lachen wir mit und übereinander, auch privat haben wir mittlerweile sehr viel Kontakt und sind sehr gute Freunde geworden, ich würde mit niemandem lieber im Studio sein wollen.

Und da die damalige Formation sowieso am auseinanderderbrechen war, dachten die Beteiligten gar nicht daran, an diesem Punkt aufzuhören, sondern stattdessen eine neue Band zu gründen. Gitarrist Merdi Mavuidi und Bassist Julien Schenk komplementierten Easy Easy dann im Laufe des Spätsommers.

Wir selber nennen das, was wir machen Indie/-Surfpop, aber ich fürchte, am Ende des Tages müssen andere Leute entscheiden, in welche Schublade das, was wir machen, passt – wobei Genre für uns nie eine große Rolle gespielt hat, glaube ich. Genau genommen machen wir Musik, die uns persönlich gefällt, da darf es auch mal schneller und rockiger, mal elektronischer oder entspannter sein, solange es am Ende nach uns klingt, bin ich persönlich happy.

Zur Orientierung: Spotify Radio spuckt jedenfalls Bands und Künstler wie Rikas, Giant Rooks, Edwin Rosen, Provinz und Panda Lux aus. Und in der Reihe fühlt sich Carlos auch ziemlich wohl.

Ich glaub die Frage ist doch eher, ob die Jungs das cool finden mit uns in einer Reihe aufzutauchen! 😉 Ohne dass ich Panda Lux oder Rikas richtig verfolgt hätte, kann ich auf jeden Fall schonmal sagen, dass ich den Rest der Künstler auf jeden Fall extrem feierbar finde, stilistisch kann man uns auch alle unter der Überschrift „deutsche Indie Leute“ zusammenfassen, also ingesamt würd ich sagen, bin ich zufrieden mit der Einordnung, auch wenn wir, was den Erfolg angeht, im Vergleich zum Rest noch mächtig nachlegen müssen haha.

Die größte Inspiration holen sich Easy Easy jedoch von Sticky Fingers und Real Estate, aber auch Künstler wie Car Seat Headrest oder Grateful Dead.

End of Namedropping.   

Ihre Songs greifen jedenfalls die alltäglichen Dinge im Leben auf. Während „all I need” und „all about you” die EP einleiten und dabei klassische Beziehungsprobleme verarbeiten, stellt „wake up at noon” die Fragen an die Zukunft. Wohin geht es, warum vermissen wir bereits jetzt unsere, irgendwo auf dem Weg verloren gegangene Jugend und warum schaff ich es schon wieder nicht vor 12 Uhr aus dem Bett?

Die Vorarbeit entsteht in den Schlafzimmern von Luis und Carlo, wo sich die beiden ein provisorisches Heimstudio eingerichtet haben -wobei die beiden nicht wie zwei klassische Bandleader agieren, denn der gesamte Schaffensprozess geht fließend ineinander über.

Wir verschließen uns auf jeden Fall nie davor, etwas Neues auszuprobieren und im Endeffekt wird jede „gute“ musikalische Idee weiterverfolgt – völlig egal von wem sie kommt. Aktuell sieht es so aus, dass die meisten Ideen von mir kommen und wir sie dann in kleinen Teams im Studio ausarbeiten, Luis oder ich schicken dann hin und wieder kleine Schnipsel in die WhatsApp Gruppe für neue Songs. Das kann dann auch alles sein, manchmal schon eine rohe vorproduzierte Demo oder auch nur eine Sprachmemo wie man was auf der Gitarre zockt, und wenn der Rest der Jungs die Idee cool findet, treffen wir uns mit den Leons und machen den Song fertig. Gemixt wird der Spaß dann im Anschluss meistens von Leon Sieland.

Aktuell sind die Jungs jedenfalls ziemlich produktiv und feuern einen Song nach dem anderen raus. So wagten sie sich bereits an ein Cover von Crucchi Gangs Italo-Pop Song „Solo Una Parola”, ein schöner leichter Sommersong, der wunderbar zu einem Aperol in der Hand funktioniert. Und bereits morgen erscheint ihre neue Single Hony Tawk”. An Material und Ideen fehlt es den Kölnern jedenfalls nicht, die in Zukunft mit ihrem Sound noch etwas experimentieren und neue Facetten zeigen wollen.

More from philippbommersheim
Norbert Schön: “Es ist einfach eine unsägliche Situation”
Diese Woche haben wir mit Norbert Schön vom Kulturclub schon...
Read More

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.