BEST NEW TRACKS: Februar/März

Foto: Rea Von Der Liszt

St. Vincent, Parker Millsap, Sharktank, Provinz und Leoniden haben in den letzten Wochen Singles rausgebracht, die mich überzeugen. Viele von ihnen kombinieren ganz bewusst verschiedene Genres miteinander und sorgen so für eine gewisse Abwechslung in der manchmal recht eintönigen Musiklandschaft von heute.

Parker Millsap – “Vulnerable”

Meine persönliche Neuentdeckung: Parker Millsap aus Oklahoma, USA. Millsap ist schwer in eine Kategorie zu stecken: Country, Rock n’ Roll, Pop, Folk – es ist alles dabei. Über seine neue Single sagt Millsap: “Over the past few years, I have become more aware of how important it is to be vulnerable”. Die Schwere der Thematik ist im Song selbst kaum zu merken. “Vulnerable” erinnert durch den leichten, poppigen Synthesizer Sound ein wenig an Future Islands, die Gitarrenklänge sind melodisch-jazzig. Das nächste Album, das von John Agnello (Kurt Vile, Sonic Youth, Waxahatchee) mitproduziert wurde, erscheint am 9. April. Bis dahin schlägt er zumindest in Amerika schon einmal hohe Wellen.

St. Vincent – “Pay Your Way in Pain”

Ein Video aus dem Jahre 2021? Niemals! Dem Geschmack von St. Vincent und Filmemacher Bill Benz folgend, werden die Uhren in “Pay Your Way In Pain” auf “back to basics”, zurück ins New York der 1970er Jahre gedreht. St. Vincent, von der Sunday Times als “The female Bowie of the digital age” bezeichnet (Bowie = 1970er Jahre = gestorben in NYC), bereitet hier schon einmal mit warmen Sounds, einer selbstbewussten Performanz und viel Glamour auf ihr kommendes Album “Daddy’s Home” vor. Das Album sei inspiriert von der 70er Plattensammlung ihres Vaters und erzählt Geschichten vom Unterwegssein in NYC und dem pre-disco vibe der damaligen Zeit. Wer hätte das gedacht.

Sharktank – “For Myself”

Verträumter aber klarer Sound mit Old-School Rap-Einlagen. Was will man mehr? Hinter der österreichischen Band Sharktank verstecken sich keine geringeren als Marco Kleebauer (Leyya, Oehl, Bilderbuch), MC Mile (Danke für die Rap-Einlage), und Katrin Paucz. Ihr Track handelt davon, in einer Beziehung sich selbst treu zu bleiben und seine eigene Freiheiten zu bewahren: “I do it for myself and for nobody else”. Auch wenn man so einen Satz in der Musik öfters hört, ist ihr Indie-Rap-Mashup irgendwie sehr erfrischend und hebt sich vom Mainstream ab.

Provinz – “Hymne gegen euch”

Rau, direkt und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, singen Provinz eine “Hymne gegen euch”. Mit “euch” seien Leute gemeint, “die wir nicht so wirklich kennen, die über uns, unsere Generation, entscheiden”, siehe DIFFUS Interview. Der Song ist aber auch eine Antwort an all die Leute, die meinen, die Jugend sei nicht politisch genug: “Sie sagen, ‘Die Jugend ist deprimiert’ / Sie sei an Politik nicht interessiert / Sie meinen weiter, jeder kämpft alleine / Aber wieso sind wir dann so viele?” Die Band nutzt ihre große Reichweite, um ihre politischen Statements mit der Welt zu teilen, wollen dabei aber keine Parolen liefern, sondern Anlass zum Nachdenken geben. Das gelingt.

Leoniden – “Disappointing Life”

Die Genregrenzen auflösen, das war schon immer Leonidens Ziel. Doch inbesondere für Grunge-Fans ist das neuste Meisterwerk der Kieler am Anfang schon ein echter Leckerbissen. Der Song beginnt mit einem Nirvana-like Intro und wird mit einem nach Red Hot Chili Peppers klingendem Gitarrenrhythmus weitergeführt. “I am stuck in a dead end” und “I’m stumbling” heißt es in “Disappointing life”. Im Video ist die Band in traurig dreinschauenden Hundekostümen zu sehen. Die Welpen, die sie auf dem Schoß haben, schauen bemitleidenswert in die Kamera. Ähnlich wie Nirvanas “Nevermind” machen Leoniden die Depression zu ihrem Hauptthema auf dem am 20. August erscheinenden Doppelalbums “Complex Happenings Reduced To A Simple Design”. Die Single “Disappointing life”, eine Liebesaffäre zwischen Pop und Punk, ist bestimmt von einem langsamen, depressivem Tempo und gleichzeitigem explosiv-wutigem und wuchtigem Gesang. Das macht Lust auf mehr.

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