Michel Oehrlein: “Man fängt an, die kleinen Dinge im Leben bewusster zu schätzen und denkt um”

Michel Oehrlein hat nicht nur wie Andreas Bourani bereits an einer Castingshow teilgenommen, auch musikalisch haben die beiden vieles gemeinsam. Ein Zufall ist das aber nicht, zählt der Popmusiker zu seinen größten Einflüssen. Doch anders als der Echo Gewinner hat der gebürtige Mainzer keine Ghostwriter, er schreibt und komponiert all seine Songs selbst. Aber nicht nur das, wir haben es hier mit einem wahren Ausnahmetalent zu tun, denn die Liebe zur Musik entdeckte Michel bereits in frühester Kindheit und brachte sich das Klavierspielen selbst bei. Chapeau!

Von da an war dem Singer Songwriter wohl schon klar wohin die Reise hingehen soll: Über’s Schauspielstudium und Radio zum großen Ziel – Musiker. Heute kommt seine erste Single „Deine Zweifel“ raus und wir haben vorab mit Michel Oehrlein über sein neues Album, Träume und Idole gesprochen.

Gude Michel, long time no see, wir haben uns ja damals bei Rockland Radio kennengelernt, hast du gute Erinnerungen an diese Zeit?

M: Gude Philipp (Bommersheim), richtig, lang ist’s her. Absolut! Meine „Sprecher-Zeit“ beim Radio war eine prägende Zeit für mich und auch ein Stück weit ein Türöffner für weitere Projekte. Nach wie vor bin ich ab und an noch bei Funk und Fernsehen als Sprecher zu hören. Das macht mir einfach Spaß!

Ich weiß noch, du sagtest immer: “Philipp, du musst den Text schmecken” … 😉.

M (lacht): Richtig, sowohl beim Sprechen als auch in der Musik muss und sollte man den Text schmecken, damit er beim Zuhörer auch richtig ankommt.

Und davor hast du in Mainz Schauspiel studiert, auf der Bühne zu stehen ist für dich also wohl keine große Hemmschwelle mehr?

M: Genau, von 2011 bis 2014 studierte ich Schauspiel. Grüße gehen raus an meinen langjährigen besten Freund und ehemaligen Schauspielkollegen Hagen
Bähr. Ich denke, dass sind zwei Paar Schuhe, als Schauspieler geht man als eine bestimmte Figur, als Musiker gehe ich als Michel Oehrlein auf die Bühne. Natürlich bin ich die Bühne gewohnt, aufgeregt bin ich dennoch jedes Mal – aber das gehört auch dazu!

Michel, aber du musstest irgendwann einen Schritt kürzer treten, was war passiert?

M: 2014 war ich am Staatstheater Mainz engagiert und zog mir leider während dieser Zeit eine Herzmuskelentzündung zu, da ich mit falschem Stolz und einer
heftigen Grippe auf der Bühne stand. Das war eine sehr prägende Zeit für mich! Man fängt an, die kleinen Dinge im Leben bewusster zu schätzen und denkt um.

Dass du deine Nervosität gut im Griff hast, hattest du ja 2017 als Kandidat bei der 7. Staffel von The Voice of Germany unter Beweis gestellt. Warum hast du das Ding nicht gewonnen?

M (lacht): Ich glaube, es lag daran, dass Mark Forster als 1. FC Kaiserslautern-Fan nicht verkraften konnte, dass ein Mainzer besser singt als er selbst. Spaß beiseite – warum ich das Ding nicht gewonnen habe, kann ich Dir nicht beantworten. Aber ich bin froh drum, so kann ich mein ganz eigenes Ding machen!

Ok, Spaß bei Seite, du hast es aber ja über die erste Runde hinweg geschafft und warst im Team Mark, was hast du aus der Erfahrung mitnehmen
können?

M: Ich war lange Jahre ein Eigenbrötler in Sachen Musik. Durch meine Teilnahme bei The Voice of Germany, habe ich viel positives Feedback aus ganz
Deutschland bekommen. Dadurch habe ich mich endlich getraut, der Welt da draußen meine eigene Musik zu zeigen. Das ist der größte Gewinn für mich als
Musiker!

Kannst du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern wie es da hinter den Kulissen abgeht, oder sind dir da vertraglich die Hände gebunden?

M: Hinter den Kulissen ist die Atmosphäre sehr professionell, aber auch gechillt und lustig. Insgesamt trifft man dort auf sehr angenehme Menschen. Mit Yvonne
Catterfeld habe ich am liebsten gequatscht, eine angenehme Person und sehr auf dem Boden geblieben.

Von da an war dann für dich klar, ich kann als Musiker durchstarten?

M: Nein, von da an war für mich klar, meine Musik mit den Menschen zu teilen. Ob ich damit dann durchstarte entscheide nicht ich, sondern das Schicksal oder
besser gesagt die Zuhörer – und das ist auch gut so.

An deinem neuen Material hast du ja nicht allein gearbeitet, seit 2018 unterstützt dich Nik Heimfarth (Pop-Akademie Mannheim). Wo habt ihr euch kennengelernt und wie sieht eure Zusammenarbeit aus?

M: Ich habe ihn durch eine gemeinsame Freundin von uns kennengelernt, welche u.a. unter dem Pseudonym MIKOKI Musik macht. Dominik (Nik Heimfarth)
und ich haben uns erstmals Ende 2017 im Café Blumen auf ein Bierchen getroffen. Ein paar Tage später, am zweiten Weihnachtsfeiertag saßen wir dann schonnbeide im Studio und haben angefangen, den ersten Song aufzunehmen. Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr symbiotisch. Ich schreibe die Songs und er streut, mit seinen Produzenten-Händen, den nötigen Puderzucker drüber. Ein genialer Musiker und Produzent, aber vor allem, ein inzwischen sehr guter Freund von mir.

Wann genau kommt dein Album raus und wie sieht der weitere Plan bis dahin aus?

M: Es wird ein Track by Track Release geben, heißt, alle 4 Wochen wird ein neuer Song veröffentlicht und im Oktober kommt dann das Album. Da freue ich mich
riesig drauf! Drei Jahre haben wir an dieser Platte geschraubt und jetzt endlich ist es soweit – die Songs wollen gehört werden!

Hatte Corona beim Schaffensprozess irgendeinen positiven Nebeneffekt?

M: Eigentlich nicht. Das hat uns keinen Vor- oder Nachteil gebracht.

Deine musikalischen Einflüsse sind Bands wie Coldplay, The 1975, Daft Punk und Andreas Bourani. Ein ziemlich wilder Mix, muss ich zugeben. Was kommt
da am Ende bei raus?

M: Das stimmt. Ich würde sagen, von allem ein bisschen, wie bei einem guten Essen. Ich mach mir darüber ehrlich gesagt wenig Gedanken, aber es mag sein,
dass die Songs oder besser gesagt der Sound meiner Songs, Einflüsse meiner musikalischen Vorbilder hat.

Du singst ja ausschließlich auf Deutsch, wieso hast du Dich dafür entschieden, der einfachere Weg wären wohl englische Texte gewesen?

M: Mit 15 hab’ ich angefangen, meine ersten Songs zuschreiben, die waren alle auf Englisch. Ich glaube erst mit Anfang 20 hab’ ich dann meine ersten Songs auf Deutsch geschrieben und es fühlte sich irgendwie besser, ehrlicher, richtiger an – ich fühle mich dort mehr Zuhause. Ich denke es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man in seiner Muttersprache singt oder eben nicht, ersteres kommt meiner Meinung nach aus tiefstem Inneren.

Es ist wohl ziemlich deprimierend, dass du dein neues Material auf nicht absehbare Zeit live spielen kannst, hast du dir da was Anderes einfallen lassen?

M: Was Du nicht sagst! Dennoch glaube ich daran und hoffe, dass das öffentliche Leben und das Miteinander wieder etwas mehr Normalität erfährt. Es gibt
immer Möglichkeiten live zu spielen. Vielleicht haben wir ja schon was geplant, lasst Euch überraschen!

Michel, ich wünsch dir alles Gute, Danke für das Interview!

M: Das wünsche ich Dir auch Philipp, ich hab zu danken!

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