Monophonics – “It’s only us”

Das Record Label Colemine Records verwöhnt uns derzeit mit erstklassigem Soul. Das weiß auch unser geschätzer Autor und Schallplattenexperte Philipp Bommersheim, der uns in den nächsten Tagen gleich zwei so genannte “breakthrough bands” aus Amerika vorstellen wird.

Bei der Amtseinführung von U.S. Präsident Joe Biden und Vize Kamala Harris gaben die Black Pumas während des TV Specials “Celebrating America” einen Live-Auftritt, und zählten damit zu den Erlesenen, die Donald Trump besser nicht hätte verpassen sollen.

Doch damit nicht genug der Ehre. Die Band erhielt zudem gleich drei Nominierungen für die Grammys 2021: Album of the Year für “Black Pumas (Deluxe Edition)”, Record of the Year sowie Best American Roots Performance für “Colors”.

Und das nur ein Jahr nachdem sich das Duo in der Kategorie Beste Single gegen Billie Eillish geschlagen geben musste – da war das Emo-Kid mit vier Preisen aber auch der unangefochtene Star des Abends.

Ein ausführliches Review über das selbstbetitelte Debutalbum schlummert auf der Festplatte und muss nur noch von der Redaktionsleitung abgenommen werden. An dieser Stelle also nur ein Appetizer.

Foto: blackwingpictures.com

Diese Erfolgsstory dient nämlich nur als Einstieg für eine andere großartige Soul-Band unserer Tage, die den großen Sprung ins Spotlight noch nicht geschafft hat: Monophonics. Eine Band, bei der du beim Anhören des ersten Songs sofort denkst: “Well, let’s have a look” und von der du im Anschluss direkt den gesamten Musikkatalog an nur einem Abend durchhören willst.

„Der Bandname stammt noch von dem Vorgängerprojekt Monophonic Orchestra. Und ehrlich gesagt, wir haben den einfach verkürzt und behalten, weil es irgendwie cool geklungen hat. Zugleich spielt der Name auch mit unserem etwas altmodischen Zugang zur Musik und unserem Sound. Obwohl wir keine rückwärtsgerichtete Band sind.“ – Kelly Finnigran (deutschlandfunk)

So viel dazu.

Soundtechnisch erinnern Monophonics an die besten Jahre der legendärsten Soul Plattenfirmen. Motown & Stax hätten die Band damals blind gesigned und direkt mit den frühen Commodores auf Tour geschickt – eventuell hätte Lionel sogar seine Solokarriere auf hold gesetzt, um sich vorher noch einem anderen Projekt zu widmen.

Ihr aktuelles Album “It’s only us” wurde im letzten Jahr veröffentlicht und gibt mit der Leadsingle “I Know You Got Soul” ganz klar zu verstehen: jetzt ist’s Zeit für ’ne Sportzigarette, Rotwein und gedämpftes Licht.

Eine sakrale Harmonie des Gospel-Gesangs in den Background-Chören, intelligente Texte mit zwischenmenschlichen Themen, ein angenehmer Umgang mit dem Bass und etliches mehr verschmelzen zu einem Diamanten. Jedes Intro geschliffen, droppen die Monophonics erst ein markiges Riff um dann soft in ihre Songs zu sliden. Sänger Kelly Finnigran beweist fortwährend die Klasse seiner Stimme, wehmütig, schlaftrunken und bisweilen androgyn.

„Wir benutzen eine Menge alter Gitarren, Bässe, Verstärker, Keyboards, Schlagzeugsets, Vibrafone. Und auch unsere ganze Technik ist aus den 1960er- und 70er-Jahren. Und ja, wir nehmen noch auf Magnetband auf. Wir haben zwar auch neue Technik und der gegenüber keine Vorurteile, wir sind aber definitiv Fans alter Ausrüstung.“ – Kelly Finnigran (deutschlandfunk)

Technisch gesehen sind hier nur acht Band-Spuren im Spiel. Zur Einordnung: Aktuelle Popkünstler benutzen allein für die Backgroundstimmen mehr als 30 Spuren. Pathetic.

“It’s only us” klingt hierbei aber niemals glanzlos, eher so wie eine geliebte Vinyl aus der Plattenkiste deiner Eltern. Verdammt warm, stets fabulöse Bilder erzeugend.  

An manchen Stellen erhalten die Tracks mit einer Hawaiigitarre exotische, gar sexy anmutende Ecken und Kanten. Allgemein passiert so einiges im dichten Dschungel des gefühlvollen Arrangements. Hier und da geht gewollt etwas unter, taucht dafür an anderer Stelle signifikanter wieder auf –  der Longplayer wird dadurch jedoch umso interessanter, da du selbst beim wiederholten Hören stets auf neue Details stößt. Selbst die Texte werden ab und an vom üppigen Einsatz der Beats und der Instrumente verschlungen, allerdings ganz im Sinne des Soul Grundgedanken.

Wir sind alles weiße Musiker. Obwohl es kein Geheimnis ist, dass wir alle mit Rhythm & Soul, Blues, Gospel und Rock’n’Roll aufgewachsen sind. Und wie die Schwarzen Musik machen, das hat uns eben seinen Stempel aufgedrückt. Wir hatten nun auch einige Zeit, um uns als Menschen weiterzuentwickeln und unsere Seele, den Soul zu entdecken. Kelly Finnigran (deutschlandfunk)

Wie auch bei den Black Pumas schwirrt auf “It’s only us” ein leicht revolutionärer Geist der frühen 70er herum und verleiht der Platte teilweise sogar einen rockigen Touch.

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