Moritz Eisenach und seine Mainzer Konzertagentur Musikmaschine” haben es nicht leicht zurzeit. Das Schick & Schön, das Landesmuseum oder das Alte Postlager (vergangene Veranstaltungsorte) haben geschlossen. Wir haben Moritz zur aktuellen Lage befragt.

„Alles wird gut“ ist das Motto deiner Agentur. Wie geht es dir zurzeit? Wie ist die Lage während der Pandemie?

M: Der Slogan ist unser Agenturmotto bei „Musikmaschine“, weil wir damit Hoffnung verbreiten wollen. Schon vor der Pandemie sahen wir es als unsere Aufgabe an, schöne Momente zu gestalten und dadurch manches Schlechte gut werden zu lassen. Gleichzeitig sind wir auch selbstbewusst und wollen aussagen, dass alles gut wird, was wir machen. Die Corona-Pandemie hat uns sehr stark herausgefordert. Die Veranstaltungsbranche war die erste, die geschlossen wurde, und wird wohl auch die letzte sein, die wieder öffnen kann. Das nagt – am Gemüt und am Kontostand. Wir hatten anfangs viel Power und Kreativität, das führte zu unserer „Fenster zum Hof“-Reihe von Stream-Konzerten. Weil das so gut angenommen wurde, kamen wir in den Fokus des Landesmuseums und konnten das „Fenster zum Hof“ dort über den Sommer hinweg als Open-Air-Festival weiterführen. So hatten wir viel zu tun und konnten uns damit auch wirtschaftlich über Wasser halten. Der dann folgende zweite Lockdown ab November ist für uns viel anstrengender als der erste im Frühjahr. Es geht einfach mal rein gar nichts. Das Schlimmste daran ist, dass man das sogar gut finden muss. Also, die Maßnahme ist richtig und gut für uns alle – aber als Konzertveranstalter frustriert sowas trotzdem hart.

Hast du Staatshilfen erhalten? Wie kommst du zurzeit über die Runden?

M: Wir haben die erste Soforthilfe beim Bund beantragt und auch bekommen. Außerdem haben wir unser Büro abgegeben, so wurden die Kosten deutlich gesenkt. Es wird reichen.

Du leitest erfolgreich eine Künstler- und Konzertagentur („Musikmaschine“). In wie fern kannst du deine Künstler zurzeit unterstützen?

M: Leider können wir nur Konzerte vermitteln, wenn man Konzerte machen darf. Wir versuchen weiter, unsere Acts zu platzieren, wo es geht. Manchmal ist es eine Remote-Show, manchmal auch nur ein Interview, viel mehr geht leider momentan nicht. Aber jetzt kündigt sich ja der Frühling an und die Infektionszahlen entwickeln sich nicht mehr ganz so mies. Daraus schöpfen wir Hoffnung, dass es auch in diesem Jahr wieder Möglichkeiten gibt, Künstler auf Bühnen zu bringen – und Publikum davor.

Nach welchen Aspekten nimmst du Künstler in deiner Agentur auf?

M: Coverbands, Schlagerkapellen und Fastnachtskram interessiert uns nicht. Ansonsten dürfen sich alle bei uns melden. Wenn die Bewerber einen gewissen Grad an Professionalität haben und die Sachen uns gefallen, können wir ins Geschäft kommen.

Welche Bands, Musiker*Innen sind für dich zurzeit interessant? Wieso?

Wir hatten beim Fenster zum Hof-Open Air 2020 auch „Jeremias“ eingeladen und die finde ich sehr cool. Das sind blutjunge Typen, die lieb zueinander sind und gleichzeitig extrem fokussiert arbeiten und konzentriert performen. Allein das imponiert mir schon, weil ich in deren Alter nicht ansatzweise so genau wusste, was ich will oder soll oder muss ;). „Jeremias“ machen eigene Musik, die ein bisschen an den Disko-Pop der 1970er Jahre erinnert, bringen aber ganz klar Klangfarben und Spielstile rein, die nur aus der Jetztzeit stammen können. Dazu Texte, die nicht abgehoben, aber trotzdem poetisch sind. Bei ihrem Konzert in Mainz hat es genau einen Takt gedauert, bis ausnahmslos alle standen und getanzt haben. Natürlich mit Corona-Abstand. Das war ein magischer Moment.

Du hattest den ersten Lockdown mit dem Konzept „Fenster zum Hof“ überbrückt. Was hast du von diesem Projekt gelernt?

Naja, dass alles gut wird.

Nun sind wir in einem zweiten Lockdown. An welchen Ideen arbeitest du zurzeit?

Wir werden ab März wieder Stream-Konzerte machen, weil das Schick & Schön dafür eine Förderung bekommen hat. Falls man in unserem Planungszeitraum wieder Leute reinlassen darf, werden aus den Stream-Konzerten dann Hybrid-Konzerte. Außerdem bereiten wir das „Fenster zum Hof“-Open Air 2021 vor.

In welche Richtung wird sich die Mainzer Musikszene in Zukunft verändern?

Das ist schwer zu sagen. Man hat in dieser Krise viel gelernt und einige der hiesigen Akteure auch nochmal anders kennengelernt. Das war sicher wertvoll, denn hier hat sich schon ein wenig die Spreu vom Weizen getrennt. Wie viel Transformation es geben wird, kann ich nicht abschätzen. Einige werden die Situation sicher nicht überstehen, aber ich schätze die Staatshilfen insgesamt schon als wirkungsvoll und relativ üppig ein. Hier steckt der Teufel sicher im Detail. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass eine so frustrierende, beinahe klaustrophobische Situation auch viel Kreativität und künstlerische Kraft freisetzt.

Auf was freust du dich am meisten, falls es zu Lockerungen kommt?

Als Konzertveranstalter freue ich mich sehr auf ein richtig prall volles Konzert mit einer tanzbaren Band. Als Familienmensch freue ich mich darauf, endlich wieder beruhigt meine Verwandten besuchen und umarmen zu können. Aber für beides braucht es leider mehr als nur Lockerungen, es braucht eine durchgeimpfte Menschheit.

Danke Moritz, wir wünschen dir weiterhin Alles Gute!