FEASCO – "Your Song"

Foto: Paul Schmitz

Vom Strand in Spanien per Skype zugeschaltet, wurde der Schlagzeuger Flix von der damaligen Landauer Band ease. interviewt und für gut befunden. Seit einer Woche sind sie nun mit neuem Namen, FEASCO, auf allen Playlists mit ihrer Debutsingle “Your Song” zu hören. Fauves hat sie vorab interviewt.

Kommen wir zunächst auf eure Anfänge als Band zu sprechen. Seit wann gibt es euch und ab wann hat das Musikalische bei euch Form angenommen?

Flix: Es fing an mit der Band ease., die ich schon länger kannte und von der ich immer sehr angetan war. Ich habe sie ganz lange über Facebook verfolgt, hatte sie aber noch nie live spielen sehen. Irgendwann kam dann ein Facebookpost – sie suchten einen neuen Schlagzeuger und wollten damit auch eine neue Richtung einschlagen. Unter dem Facebookpost wurde ich von Freunden damals dreimal markiert und daraufhin habe ich direkt Kontakt zu der Band aufgenommen. Zu dieser Zeit war ich noch mit meinem VW-Bus unterwegs, saß in Spanien am Strand, als wir unser erstes Gespräch über Skype führten. Das war praktisch der Anfang unserer Band. Auch wenn sie nach unserem Gespräch noch andere Schlagzeuger vorspielen ließen, hat es zwischen uns irgendwie direkt gepasst.

Rico: Als wir mit Flixi gesprochen haben war klar, dass es menschlich sau gut passt. Wenn der jetzt auch noch Schlagzeug spielen kann, dachten wir, dann wird es wirklich richtig geil. Wir haben ihn zum “Casting” eingeladen und merkten, dass die Chemie stimmte.

Flix: Daraufhin haben wir angefangen, zu gucken, was ich, und was die anderen Bandmitglieder wollten. Ich habe dabei ziemlich schnell gemerkt, dass wir in dieselbe Richtung wollen. Wir haben angefangen, Konzepte auszuarbeiten und uns zu überlegen, was wir zusammen erreichen wollen bzw. was unser Plan ist – kurzfristig und langfristig. Zunächst haben wir uns dann dazu entschlossen, das Projekt ease. abzuschließen, um eine neue Band mit einem neuen Konzept zu gründen. Nach ein paar Wochen haben wir uns dann auf den Bandnamen FEASCO geeinigt. Uns war es wichtig, einen Namen zu finden, der beschreibt, was uns ausmacht.

Foto: Paul Schmitz

Was macht euch aus?

JJ: Wir stehen für Indie-Pop, gute Laune und eine positive, lebensbejahende Einstellung. Das haben wir auch versucht, im ersten Song “Your Song” rüberzubringen.

Zu eurer Debütsingle kommen wir gleich noch. Noch einmal zurück zum Indie-Pop. Beim ersten Anhören eurer Single habe ich sofort an die 2000er Jahre der Indiemusik gedacht. Denkt ihr, dass es zurzeit eine Renaissance der Indiemusik gibt?

Thommy: Ich glaube schon, dass in der Szene gerade noch einmal ‘was geht, weil sie einem viele Möglichkeiten gibt, Sachen auszuprobieren. Das sieht man zum Beispiel bei Von Wegen Lisbeth, die ihre Instrumente durcheinanderhauen oder auch bei Leoniden, die sich trauen, komplexe Punkelemente mit Jazz-Claven zu mixen. Wir leben heute in einer Zeit, in der solche Experimente von den Leuten sehr gut angenommen werden und man deswegen Freiräume bekommt, die Musik zu machen, auf die man Bock hat.

Wenn wir jetzt schon bei anderen Bands sind: Wo ordnet ihr euch zwischen lokalen und internationalen Musiker*Innen ein?

Flix: Wir haben viele verschiedene musikalischen Einflüsse. Es gibt aber eigentlich zwei Bands, die uns alle zusammenhält: Die Red Hot Chilli Peppers und eben Leoniden. Die Red Hot Chili Peppers sind immer schon meine Lieblingsband gewesen, Seit zwei, drei Jahren hat jedoch die Band Leoniden diesen Platz übernommen. Als ich mich damals mit den Jungs unterhalten habe, wollten sie wissen, was für Musik ich höre. Ich meinte: „Leoniden,” und sie so: „geil!”. Lokal gesehen ist Leoniden die Band, die uns am meisten inspiriert. Auf internationaler Ebene sind es auf jeden Fall immer noch die Red Hot Chili Peppers, auch wenn es eigentlich gar nicht das ist, was wir machen wollen. Komischerweise ist es allerdings so, dass viele Leute, wenn sie uns proben hören, einen Vergleich zu den Red Hot Chilli Peppers ziehen.

Woran machen die Leute das fest?

Flix: Ich glaube, sie machen das am Gesang, an der Gesangsmelodie und auch an der Stimmlage fest.

Thommy: Ich denke, dass -gerade wenn du sagst, dass die Red Hot Chilli Peppers deine Nonplusultra Band war- man vieles von den Beats vielleicht auch unterbewusst übernimmt. Ich glaube schon, dass man das zum Beispiel an deinen Drumbeats hört. Das ist dann auch wieder etwas, was bei uns allen so ist. Ich glaube, dass zum Beispiel Rico und Jerome Soul / Funk / Blues in ihrer Art, Musik zu machen, vereinen. Ich persönlich habe eher diese Verankerung im Classic Rock, aber löse mich auch davon. Im Grunde genommen lösen wir uns alle davon irgendwie. Und das macht uns eben aus, dass wir alle Musikrichtungen kombinieren und dadurch etwas Neues erschaffen.

JJ: Wichtig zu nennen ist, dass wir uns, während wir Songs schreiben, weniger an bereits vorhandener Musik orientieren, sondern mehr aus dem groove beziehungsweise aus einer Stimmung heraus Songs schreiben, die man dann im Nachhinein vielleicht irgendwo zuordnen kann. Klar versuchen wir, unsere Richtung einzuschlagen.

Foto: Paul Schmitz

Einen Einblick in euren Sound bekommen wir morgen, Freitag den 26. Juni, mit eurer ersten Single “Your Song”. Ist die Single Teil einer zukünftigen EP, oder plant ihr zunächst, vereinzelte Singles herauszubringen?

Flix: Bis jetzt ist unser Plan, zunächst einmal im kommenden Jahr Singles zu releasen und zu gucken, wie das funktioniert und wo uns der Weg hinführt.

Wie was funktioniert?

JJ: Durch die Streaming-Dienste ist die Musikszene sehr kurzlebig und schnell geworden. Deswegen ist es für uns in unserer derzeitigen Situation schwierig abzuschätzen, wie die Stimmung und der Musikgeschmack der Hörer ist. Aus diesem Grund wollen wir uns erstmal eher von Single zu Single hangeln und uns ganz klar überlegen, welche Single in unserem Repertoire denn gerade so zur aktuellen Stimmung und zu unserem vibe passt. Wir sind sehr präsent im Social Media Bereich und versuchen, zum einen aktuelle Stimmungen einzufangen, zum anderen mit Profis zu kooperieren, die uns mit ihrer Arbeit bereichern.

Eine Zeile aus eurer Single “Your Song” ist mir besoners aufgefallen: “to rescure me out / these boredom feathers”. Eure Lyrics scheinen ja auch eine ganz bestimmte Stimmung einzufangen. Welche ist das?

Flix: Das muss JJ beantworten (lacht).

JJ: Die Stimmung des Songs ist sehr lebensbejahend und im Endeffekt geht es um eine Person, die eine positive Veränderung herbeiführen soll, so dass diese “langweiligen Federn abgestülpt werden” und man aus alten Mustern herausbricht, indem man positiv, bunt, neu und experimentell ist – und dieser Gedanke wirkt sich dann auch auf den Sound aus.

Wie sieht ein normaler Schreibprozess bei euch aus?

Flix: Normalerweise jammen wir und daraus entsteht dann etwas. Es gibt aber auch eine Variante, die ich besonders interessant finde: JJ kommt manchmal in die Probe und meint: “Ey yo, ich habe eine Songidee. Thommy spiel’ mal de de de de de de!”. Wirklich so. Das sagt er. Dann spielt Thommy de de de de de auf der Gitarre. Dann sagt er noch: “Ja Flix, spiel mal das und das und das,” und dann spiel ich das und das und das. “Und jetzt spielt nochmal eine Bassline dazu,” sagt er und dann überlegen Thommy und Rico zusammen, was sie für eine Bassline spielen … und so geht es eine Weile bis wir alles zusammen spielen und er den Text dazu singt – und dann ist das meistens schon ein runder Song. Die Stimmung kommt oft aus diesem einen Kopf und das finde ich sehr interessant.

JJ: Meine Songideen bilden sich in meinem Kopf meistens nicht als Töne, sondern mehr als Farbmuster ab. Das ist zwar manchmal recht cool, hindert mich aber auch oft daran, meine Ideen und Vorstellungen umzusetzen. Selbst wenn ich manchmal einen Ton höre, den ich mir vorstelle, ist es oftmals nicht genau das, was ich will.

Foto: Paul Schmitz

Fauves: Anderes Thema. Wo seid ihr bislang aufgetreten?

Rico: Bislang sind wir in dieser Konstellation noch nicht zusammen aufgetreten. Wir wären dieses Jahr bei Fête de la Musique, beim Landauer Sommer und beim Campus Festival in Aachen dabei gewesen. Es ist super ärgerlich, dass alles wegen Corona ausfällt.

Vielleicht könntet ihr kurz für alle Nicht-Landauer erklären, was Fete de la Musique ist?

Rico: Das Konzept kommt glaube ich aus Straßburg und es ist so gestaltet, dass überall in der Stadt Musik stattfindet, überall Musiker*Innen auftreten. An diesem Tag ist die Stadt voller Menschen und Live-Bands. Es ist eine geniale Atmosphäre.

JJ: Generell versuchen wir überregional aufzutreten, hauptsächlich in Clubs, Partys, auf Festivals und Campusveranstaltungen, da es dort viele Studenten gibt, die sich mit der Indie Szene identifizieren.

Foto: Paul Schmitz

Gibt es in Landau eine Musikszene?

Flix: Wenn ich an die Musikszene in Landau denke, muss ich direkt, an ClockClock denken. Eigentlich ist das eine Mannheimer Band. Sie definieren sich jedenfalls als Mannheimer Band, aber zwei von drei Bandmitglieder haben in Landau studiert und viele ihrer Songs sind in Landau entstanden. Inzwischen sind sie allerdings, auch durch die Popakademie, welche maßgeblich als Türöffner in die weite Musikszene diente und einen großen Teil zur Entwicklung von ClockClock beitrug, viel in Mannheim und Berlin am Produzieren. Ansonsten gibt’s da noch ein paar wenige Bands, die eigene Musik machen. Außerdem ist der AStA ein großer Antrieb für die Landauer Musikszene. In Formaten wie “Grauflächenkultivierung” (beispielsweise) bringt die Vertretung der Studierenden immer wieder sehr individuelle und sehr interessante Künstlerinnen und Künstler nach Landau. Außerdem hat Landau eine recht ausgeprägte Szene im Elektro-Musikalischen Bereich. Es gibt sehr viele Techno-Events (open air und in Clubs) und einige sehr gute DJs wie zum Beispiel ChrisToPhorus.

Thommy: Z.B. gibt es da auch “Lluvia” eine progressive Singer-Songwriter Band. Dann gibt’s Modeste, die auch in die Indie Richtung gegangen sind, aber auch teilweise progressivere, alternative Sachen machen. Die Stühle, das ist deutscher Punkrock mit interessanten Texten – coole Jungs.

JJ: Außerdem gibt es das Hip-Hop Duo KnT. Ich muss aber sagen, dass hier in Landau die Bands untereinander nicht so gut vernetzt sind. Man kennt sich zwar und supported sich auch teilweise, aber man arbeitet wenig zusammen, was Konzerte, Organisation und so etwas angeht, weil vielleicht auch einfach die Genre sehr unterschiedlich sind. Es gibt nicht die Popszene oder die Hip-Hop-Szene oder die Indie-Szene, sondern es gibt so von jedem ein bisschen was ungebündelt.

Fotos: Paul Schmitz

Was für Bands kennt ihr aus Mainz?

Thommy: Auf dem Campus Festival in Mainz, sind wir als damalige Band ease., der Mainzer Band Lilli Rubin begegnet. Von denen waren wir von Anfang an begeistert, die machen brutal gute Musik und sind alle sehr coole Menschen. Mit der Band sind wir immer noch ganz gut vernetzt. Generell lässt sich über Mainz sagen, dass die Stadt so jung, entspannend und auch sehr dynamisch wirkt. Das ist geil. Ich denke, dass wir auf jeden Fall bald mit den Mainzern zusammen Spaß haben möchten.

Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen?

Flix: Wir wollen mit möglichst vielen Produzent*Innen zusammenarbeiten, um alles mitzunehmen, was geht. In zwei Wochen sind wir dann in Frankreich im Studio bei einem ehemaligen Sänger aus einer alten Band von mir, der inzwischen ein professionelles Tonstudio hat, wo auch diverse Produzenten arbeiten. Da dürfen wir dann jetzt in zwei Wochen ‘ran und unsere nächste Single aufnehmen.

Wir möchten außerdem in Zukunft verschiedene Künste miteinander verknüpfen und auch anderen Künstler*Innen, nicht nur eine Plattform bieten, sondern auch die Möglichkeit geben, mit unserem Projekt zu wachsen. Ein Beispiel ist Paul, unser “fünftes” Bandmitglied. Er macht super krasse analoge Fotos, das passt einfach voll zu unserem Stil und zu der Zielgruppe, die wir ansprechen wollen. Wir haben auch schon oft die Idee gehabt, bildende Künstlerinnen und Künstlern ein Artwork zu unserer Musik gestalten zu lassen. Die Idee dahinter ist, dass wir uns nicht nur auf die Musik reduzieren wollen, sondern unsere Ideen auf einen kompletten Lifestyle auszuweiten.

Kommen wir zum Schluss noch zu eurem Musikvideo zur Single. Was gibt es da für eine Geschichte zu?

Flix: Unser eigentlicher Plan war es, ganz viele befreundete Leute zu fragen, ob sie während Corona Homevideos von sich drehen, die wir dann zusammenschneiden und in unser Video integrieren. Relativ schnell haben wir aber gemerkt, dass unsere Videos, die wir zuhause gedreht haben, ziemlich schlecht im Vergleich zu den anderen Videos waren. Theoretisch waren wir deswegen total unterrepräsentiert im Video. Unser Plan B bestand darin, mit dem Bus in die Weinberge zu fahren. Als wir ankamen, bin ich auf den Bus gestiegen und wollte gucken, wo wir drehen. Jerome meinte dann: “Ja bau dein Schlagzeug dort auf dem Bus auf.” Das war eigentlich ein Witz, aber wir haben es dann so gemacht.

Rico: Das Krasse war einfach, dass es so gar kein Skript für das Video gab. Wir sind einfach mit ein paar Autos mal rausgefahren, …”okay, gut, lass mal hier halten”, und dann ist da irgendwie so etwas Geiles ‘draus entstanden, was genau den vibe versprüht, den wir auch mit unserer Musik ausdrücken wollen. Es war einfach ein richtig schöner Nachmittag und wir hatten sehr Spaß. Paul war dabei, Bianca und Mäggi waren dabei und diese schönen Momente wurden perfekt eingefangen. Es war total authentisch und das sind wir, das ist unsere Musik.

4.5 4 votes
Article Rating
Written By
More from Fauves
Subscribe
Notify of
guest

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments