JISKA – "Get Back to Your Business"

Foto: Hannes Rexer

Frische Musik aus Stuttgart: Nachdem sie bereits seit knapp zehn Jahren – meist in Bandformationen – in der Musikwelt unterwegs war, hat sich JISKA in diesem Jahr dazu entschieden, solo durchzustarten.

Hinter JISKA steckt die 21-jährige Bassistin und Songwriterin Jana aus Stuttgart. Ende Januar hat sie mit „Get Back To Your Business“ ihren wundervollen ersten Track veröffentlicht. In den hat sich unsere Autorin Olivia, die JISKA Anfang des Jahres bei einem Event des Pop Büros Stuttgart kennengelernt hatte, sofort verliebt. Knapp ein halbes Jahr später haben sich die beiden auf einen virtuellen Kaffee getroffen. Im Interview gibt JISKA Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess als junge, unabhängige Indie-Musikerin und spricht über die große Rolle von Vernetzung und Coaching-Angeboten, besonders für Nachwuchsmusiker*innen in der Musikbranche. 

Liebe JISKA, zu Beginn die Standartfrage: Was ist deine persönliche Musikerinnen-Geschichte?

– Ich komme aus einer ziemlich musikalischen Familie. Mein Opa kommt aus Österreich, die sind dort eher in der klassischen Musik zu Hause, wie bei den Wiener Philharmonikern und irgendwelchen Komponisten. Mein Opa hat dann aber eine Schlagzeugschule in Deutschland gegründet und hat schon seit ich denken kann immer Schlagzeugschüler dagehabt. Ich war sehr oft bei ihm und habe dann quasi auch das ganze Musikschul-Gedöns mitgemacht. Meine Mutter ist auch Sängerin und Berufsmusikerin, da war ich als Kind auch schon oft bei Konzerten oder im Studio dabei und fand das immer mega spannend und aufregend! Auch bei mir zu Hause wurde eigentlich immer Musik gemacht. Mein Papa macht auch schon immer Musik. Musik machen war bei uns immer ganz natürlich. Bei uns zu Hause stehen immer Gitarren und Verstärker. Es spielt eigentlich immer jemand und man setzt sich dann oft einfach dazu. Dadurch kam das dann auch bei mir.

Ich wollte dann erst Geige lernen, weil ich die klassische Musik, die ich von meinem Opa mitbekommen hatte, schön fand. Damit habe ich dann als Kind angefangen und wollte dann irgendwann mit der Geige in die Schulband, damals in der sechsten Klasse. Die haben mich damit aber nicht gelassen, weil sie meinten, das sei kein Rockinstrument für eine Band. Und dann habe ich mir überlegt, wie ich jetzt möglichst schnell in eine Band komme und habe deswegen dann angefangen Bass zu spielen [lacht]. Damit habe ich dann in meiner ersten Band gespielt, ich glaube mit 11 oder 12 Jahren.

Foto: Estrella Mares

Nicht schlecht, das ist ja eine ganze Weile [lacht]! Wo würdest du denn nun dein neues Solo-Projekt musikalisch verorten?

– Also, das Coole an diesem Solo-Projekt ist für mich, dass ich die Entscheidung treffen konnte, das erstmal ganz frei zu gestalten. Ich hatte, gerade in meiner letzten Band, immer das Gefühl, alles braucht einen gewissen Sound und da will man sich ja dann jedes Mal wieder reinfinden. Ich hatte daher voll Lust, einfach mal ‘drauf los zu schreiben und zu produzieren. Aber trotzdem lässt sich da eine Linie erkennen. Es geht in Richtung Indiepop, manche Sachen sind aber auch eher funky, manche eher elektronisch.

Hast du aktuell, wenn du Songs schreibst, musikalische Vorbilder oder bestimmte Musiker*innen, die dich sehr beeinflussen?

– Ja, voll! Ich höre auch gerade viel intensiver Musik, dadurch, dass ich jetzt ein bisschen mehr Zeit habe. Ich merke auch, wie das Gehörte direkt Einflüsse auf das hat, was ich schreibe. Tom Misch ist zum Beispiel gerade ein großer Einfluss für mich. Ich schaue mir auch gerne solche Masterclasses zum Thema Songentstehung von Künstlerinnen und Künstlern an, die ich cool finde. Zum Beispiel von Maggie Rogers, die produziert auch selber. Auch Sigrid höre ich gerade ganz viel. Ich mache immer für jeden Monat eine Playlist mit Songs, die mich gerade inspirieren oder bei denen mir Dinge auffallen, die ich cool finde. Zum Beispiel Bilder, die ich schön finde, oder irgendwelche Sounds. Die Playlist höre ich dann rauf und runter. Man kann dann im Nachhinein auch sehen, welcher meiner Songs in welchem Monat entstanden ist und kann da eine gewisse Parallele ziehen. 

Ich habe bei dir auf Instagram gesehen, dass du kürzlich im Studio warst. Erzähl doch mal, woran du gerade arbeitest!

– Voll gerne! Also, der Studiobesuch, von dem ich auf Instagram gepostet hatte, war von einem Projekt mit zwei befreundeten Produzenten, MAJORMINOR aus Stuttgart. Die haben gerade ein Projekt, bei dem sie Songs produzieren und sich dann Sänger mit ins Boot holen. Dafür habe ich einen Song eingesungen, das war sehr cool. Ansonst arbeite ich gerade an einzelnen Singles… Aber ich glaube, daraus wird am Ende auch eine EP [lacht]. Daran arbeite ich gerade noch mit einem anderen befreundeten Produzenten.

Gibt es für dich aktuell ein Thema, über das du besonders gerne oder besonders viel schreibst?

– Puh, das ist schwierig in Worte zu fassen… Was gerade immer wieder in Songs auftaucht, ist das in der Schwebe sein, noch nicht so richtig angekommen sein. Nicht so richtig zu wissen, wo man hingehört und wo man zu Hause ist. Aber auch, dass das total schön ist, in so einer Findungsphase zu sein und noch nicht richtig zu wissen, wo es hingeht. Das beschäftigt mich aktuell.

Hast du das Gefühl, dass es besser flowt, wenn du über solche persönlichen Themen schreibst?

– Ja! Ich habe das Gefühl, wenn da ein Thema ist, das mich schon ewig beschäftigt, läuft es viel besser. Es gibt aber auch manchmal Themen, die ich einfach interessant finde, über die ich mir Gedanken machen will. Oder manchmal passiert es auch, dass ich schon Textfetzen im Kopf habe, während ich [die Musik, Anm. d. Red.] schreibe. Das fügt sich dann zusammen. Aber gerade bei einem meiner Songs, bei dem es um dieses „Dazwischen“ geht, hat es ziemlich schnell geflowt. Da hatte ich das Gefühl, dass ich das jetzt einfach aufschreiben muss [lacht].

Du hattest ja für März und April ein paar kleine Konzerte geplant. Konnten von denen noch welche stattfinden?

– Nein, leider nicht. Ich wäre eigentlich im Duo auf eine Wohnzimmer-Tour gegangen. Das wären ein paar Konzerte gewesen, auf die ich mich echt gefreut habe. Dann hätte auch noch mein Debut-Konzert stattgefunden, auf das ich echt lange hingearbeitet habe und mir Leute gesucht habe, die mit mir zusammenspielen. Das konnte aber leider alles nicht stattfinden.

Gibt es schon neue Pläne? Oder wartest du erstmal ab?

– Gerade ist es irgendwie schwierig, Pläne zu machen [lacht]. Viele Termine wurden jetzt erstmal auf das gleiche Datum nächstes Jahr geschoben. Die Wohnzimmer-Tour wird einfach stattfinden, sobald es wieder möglich ist. Es ist gerade halt voll schwierig abzuschätzen, ab wann das wieder cool ist.

Ja, total. Und bis dahin geht’s dann einfach digital mit ein paar Song-Videos weiter?

– Ja, genau. Ich habe auch beschlossen, dass es einfach aktuell auch cool ist, viel zu schreiben und sich dafür mal Zeit zu nehmen. Davor hatte ich auch das Gefühl „krass, jetzt kommen schon die ersten Konzerte und ich bin noch voll am Anfang von diesem Solo-Projekt“. Das war schon auch stressig. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich viel mehr Zeit habe, um das alles richtig vorzubereiten. Und auch um nochmal an den Songs zu arbeiten, die ich überarbeiten möchte.

Wir haben uns ja auf einem Event vom Pop Büro in Stuttgart kennengelernt. Und wenn ich mich recht erinnere, hast du mir ja damals erzählt, dass du schon öfter Veranstaltungen dieser Art besucht hast. Welche Rolle spielen solche Treffen für dich, auch in Bezug auf Vernetzung innerhalb der Musikbranche?

– Eine mega große Rolle! Das ist ein riesiger Bereich vom Musik machen. Dass man Leute kennt. Dass man weiß, an wen man sich wenden kann. Dass es Leute gibt, die einen sehen und hören wollen. Da ist das Pop Büro auch sehr cool. Auch mit meiner Band damals haben wir über darüber echt viele Anfragen bekommen. Die supporten einen da echt sehr! Und natürlich finde ich mega wichtig, sich auszutauschen. Gerade bei den Treffen [des Pop Büros Stuttgart, Anm. d. Red.] aus der Reihe „Girl Put Your Records On“, bei denen es eher um Frauen im Musik Business geht. Das fand ich richtig krass. Sonst war es ja immer schon das Krasseste, wenn man auf einem Festival mal noch eine andere Frau gesehen hat, die da auch Musik macht – das gibt es halt echt wenig. Das [Netzwerktreffen, Anm. d. Red.] ist auch deshalb so cool, weil man sich direkt verstanden fühlt und vieles teilen kann. Allein das ist schon cool, um motiviert zu sein. Vieles [in der Musikbranche, Anm. d Red.] ist ja auch mega komplex. Zum Beispiel, wie man seine Musik veröffentlicht oder wie man an Konzerte kommt. Da kann man sich dann gut gegenseitig Tipps geben. Oder Erfahrungen teilen, die man mit Labels hatte. Solche Dinge sind mega hilfreich.

Also hilft das einem auf emotionaler und auf praktischer Ebene zugleich?

– Ja, voll!

Gibt es Formate, die du dir in der Zukunft noch wünschen würdest? Oder Bereiche, in denen du gerne noch mehr Angebote hättest?

– Schwierig… es passiert ja schon richtig viel! Vielleicht Angebote, bei denen man sich länger trifft. Ich war beispielsweise mal auf einem Bandcamp von Emergenza. Sowas ist cool, weil man dort dann über einen längeren Zeitraum Workshops besuchen und intensiv gecoacht werden kann. Wobei, ich glaube, sowas gibt es aber jetzt auch schon. Ich habe das nur aus der Ferne mitbekommen, aber das Pop Büro bietet jetzt so ein Coaching-Format für Frauen in der Musik an. Aber sowas wäre cool, wenn es das öfter geben würde. Solche intensiveren Coaching Angebote, bei denen man richtig was mitnehmen kann. Oder Workshops. Das fände ich cool.

Vielen Dank und alles Liebe für das neue Solo-Projekt ❤️

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