Waxahatchee – "Saint Cloud"

Nicht nur persönlich, sondern auch musikalisch hat Katie Crutchfield aka Waxahatchee eine lange und intensive Reise hinter sich. An deren vorläufigem Ende steht das am 27. März 2020 erschienene Album Saint Cloud: Ihr bisher bestes und vielleicht auch persönlichstes Album.

Was sich bereits mit ihrer 2018er EP Great Thunder angekündigt hat, manifestiert sich auf Saint Cloud deutlich: Der Sound von Waxahatchee hat sich im Vergleich mit ihren früheren Releases deutlich verändert. Er klingt reduzierter und klarer: Saint Cloud bewegt stilistisch viel mehr in Richtung Americana mit einer kräftigen Portion Twang in Katie Crutchfields Stimme. Besonders im Vergleich zum Vogänger-Album „Out In The Storm“ aus dem Jahr 2017 wird Waxahatchees musikalischer Richtungswechsel mehr als deutlich.

Wie aber kommt solch eine Kehrtwende zustande? Im Fall von Waxahatchee kann man relativ sicher sagen, dass musikalische mit persönlichen Veränderungen Hand in Hand gegangen sind. Vor zwei Jahren entschloss sich Katie Crutchfield von New York zurück in ihren knapp anderthalbtausend Kilometer entfernten Heimatstaat Alabama zu ziehen. Die Floskel „back to the roots“ kann man hier getrost mal in den Ring werfen: Zum einen ist das musikalische Projekt nämlich nach dem Waxahatchee Creek nahe ihrer Heimatstadt benannt. Zum anderen kann dieser Umzug wohl schon als Vorahnung auf den auf Saint Cloud präsenten, in den amerikanischen Südstaaten tief verwurzeltem Country-Sound gelesen werden.

Mit dem Wechsel des Wohnortes kam eine weitere grundlegende Veränderung: Katie Crutchfield beschließt dem Alkohol abzuschwören. Zwar hatte sie, wie sie in verschiedenen Interviews sagt, keinen absoluten Absturz erlebt, trotzdem aber erkannt, dass sie ein Alkoholproblem hat. Es folgen ein weiterer Umzug nach Kansas City wie auch eine Zeit intensiver Selbstreflektion und Heilung, in der sie unter anderem ihre Musik als Ventil nutzt. Zwei Jahre lang nimmt sie sich Zeit, um in Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Musiker Brad Cook an einem neuen Album zu arbeiten. Und wie man so schön sagt: And the rest is history. Oder besser gesagt: Saint Cloud ist ein fantastisches und sehr persönliches Album geworden.

Liest man tiefgründiger von Katie Crutchfield, so klingt es, als hätte sie viel durchlebt und auch mit vielem abgeschlossen. Was sie als Person aber besonders bewundernswert macht, ist, dass sie den Eindruck vermittelt, ihre Vergangenheit eben nicht abhaken und von sich wegschieben zu wollen. Stattdessen räumt sie allen Erlebnissen und Emotionen ihre Berechtigung ein und nimmt sie als Teil ihrer Reise wahr, die genau hierhergeführt hat: Zu einem verdammt guten fünften Waxahatchee-Album.

Exemplarisch dafür ist “Fire” – ein Song, den Katie Crutchfield in einem persönlichen Statement als eine Hymne der Selbstakzeptanz beschreibt:

„It’s meant to be a bit of a personal pep talk. If I can love myself unconditionally, then I can move through the world a little easier. If I can accept that I only have a partial view of the universe, and that I can’t know everything or control much of anything, then I can breathe a little easier, take better care of myself, and be closer to my own truth”

https://www.stereogum.com/2070714/waxahatchee-fire/video

Auch mit den anderen Songs auf Saint Cloud richtet Katie Crutchfield den Blick nach innen: An einen Ort, an dem bereits vieles geheilt ist, vieles aber auch noch aufzuarbeiten gilt, wie sie in einem Interview mit Vice iD sagt: „I can look inward all day long and point out a million things about myself that aren’t great, but I need to work on.“ Und weiter zum Album: “I felt I was in the right headspace to share in that way“. Alles, was uns als Hörer*innen dazu sagen bleibt ist wohl: Thanks for sharing ♥.

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