BLEND-Festival am 01.02. in Mainz – Uli Zeller (Gründer des BLEND-Festivals) im Interview

Er steht nicht gerne im Rampenlicht. Doch mit Leidenschaft und Hingabe, hat es Uli Zeller geschafft, sein eigenes Musikuniversum aufzubauen. Als Betreiber eines Tonstudios sowie des Hip-Hop Labels Oiyo arbeitet er mit Musikern zusammen und verhilft ihnen, Musik zu releasen. Vor allem ist Uli aber Kopf des BLEND-Festivals: ein Festival, das die verschiedenen Disziplinen Hip-Hop, Streetart und Asphaltsport zusammenführt. Wir haben ihn eine Woche vor dem BLEND-Festival im Alten Postlager in Mainz (Samstag, den 01.02.2020, Mitveranstalter sind die Jungs vom Label Sichtexot) interviewt.

Was ist die Idee und das Konzept hinter dem BLEND-Festival? 

Das BLEND Festival ist ein Festival für Hip-Hop, Streetart und Asphaltsport. Wir wollten einen Ort schaffen, wo man als Besucher die urbane Szene erlebt und mitgestalten kann. Gleichermaßen war es uns wichtig, eine Plattform zu kreieren, auf der sich Künstler aus verschiedenen Bereichen verwirklichen und austauschen können. 

Seit wann gibt es das BLEND-Festival und wie kam es dazu? 

Ich habe 2015 ein Label namens Oiyo gegründet, unter dem wir bis heute Musik releasen. Alles startete mit einem kleinen Producer-Kollektiv, welches Kollaborationen auch außerhalb der Musikbranche versierte – z.B. mit Streetart & Graffiti Artist, Streetwear Brands und Skateboarding Crews. Das war quasi das Fundament, auf dem später BLEND gebaut wurde. 

Nach der Gründung haben wir kleinere Label-Events in Frankfurt organisiert – oftmals schon mit integrierten Skate-Areas oder Streetart-Ausstellungen. 2017 fingen wir an, Locations zu suchen, die mehr Raum boten für größere Projekte und mehr Besucher. Die Idee des BLEND Festivals war hier schon geboren: ein mehrtägiges Event in FFM mit Skatepark, Graffiti-Walls, einem Beat-Floor für Producer und einer großen Bühne für Headliner. 

2018 hat sich dann die Chance ergeben. Der Ost-Stern in FFM – das war das ehemalige Mercedes Benz Gelände mitten in der Stadt – konnte ein Jahr lang für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, bevor es 2019 abgerissen wurde. Ähnlich wie das Alte Postlager waren das riesige Industriehallen. 

Wir haben nicht lange gezögert und das Gelände für die Premiere des BLEND Festivals gemietet. Graffitikünstler aus ganz Deutschland und Europa sind angereist, um an die Mauern der ehemaligen Industriehalle zu sprühen. Wir haben unser Netzwerk an Producer und Rapper eingeladen, auf den zwei Bühnen zu performen. Zusätzlich buchten wir einige Headliner dazu. Mit unserer befreundeten Skatecrew bauten wir wir einen DIY Skatepark auf das Gelände. 

Ein Wochenende lang haben wir dort unser erstes Festival veranstaltet. Das Feedback der Leute war durchweg sehr positiv, so dass wir uns dafür entschieden, 2019 in einer anderen Location die zweite Auflage zu starten. Die ist ebenfalls richtig gut gelaufen! Die Veranstaltungen war vier Wochen vor Start bereits ausverkauft (2500 Besucher). Das war ein riesen Erfolg für uns. 

Beim BLEND 2019 haben wir bereits mit dem Label Sichtexot zusammengearbeitet und eine der Aftershow-Parties gemeinsam organisiert. Das kam bei beiden Seiten gut an, so dass Sichtexot dann im August auf mich zukam und gefragt hat, ob wir im Alten Postlager nicht ein gemeinsames BLEND starten wollen. Die Location kannte ich, daher habe ich keine Sekunde gezögert. Die Dreier-Konstellation aus BLEND, Sichtexot & Altes Postlager war perfekt, um die Idee eines eintägiges BLEND Festival-Specials in Mainz umzusetzen. 

Wie kam die Wahl auf das Postlager in Mainz? 

Man muss sich hier einfach nur mal umschauen (lacht).

Naja, beschreib doch mal für jene Besucher, die das Postlager noch nicht kennen, wie es dort aussieht. 

Das Alte Postlager ist eine riesige Industriehalle mit bereits vorhandener Event- Infrastruktur, Main Stage, Beatfloor, Foodcourt, eigener Indoor Mini-Ramp und Skate-Area, Graffiti all over the place – die Location schreit gerade zu nach einem alternativen Hip Hop-Festivalkonzept wie dem BLEND! Nicht verwunderlich, dass wir später bei den Jungs, die das hier betreiben, offene Türen eingerannt haben. Die hatten richtig Bock, dass in Sachen Hiphop hier mehr passiert und waren bereits BLEND Fans. Die Location bietet einem genügenden Platz, man kann hier ungestört feiern. Im Außenbereich gibt es eine riesige Außenwand, auf der gesprüht werden kann. 

Du erwähntest, dass das BLEND Festival so eine Art Austausch verschiedener Musiker, aber auch Kunstdarstellungsmöglichkeiten ist. In wie fern können Besucher und Künstler voneinander profitieren? 

Die Besucher können live miterleben, wie z.B. eine große Graffiti Concept Wall entsteht. Das ist zum einen unterhaltsam und nicht alltäglich für viele Besucher, und zum anderen bietet es den Artists die Chance ihre Skills und Kunst einem großen, allgemein interessiertem Publikum zu präsentieren. Die Zielgruppenüberschneidung im Hip Hop-, Graffiti- und Skate/BMX-Bereich ist sehr groß. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man sich wenigstens auch ein bisschen für die jeweils anderen Disziplinen interessiert oder begeistern lässt. 

Künstler können sich untereinander vernetzen, ihre Zielgruppe oder Fanbase erweitern und sich von anderen Gästen und Künstlern inspirieren lassen. Die verschiedenen Bereiche, die das BLEND repräsentiert, verstehen sich gut miteinander und respektieren sich im Allgemeinen sehr. 

Außerdem bieten wir immer interaktive Aktionen für die Gäste an. Dieses Jahr gibt es Graffiti- und Siebdruckworkshop, wo Teilnehmer selbst aktiv werden können. Außerdem kann jeder Besucher auf der Mini Ramp rollen oder am Skate-Contest teilnehmen und Preise abräumen. Es findet obendrein ein Live Producer Battle auf der Main Stage statt. Producer können hier im Vorfeld Beats einreichen und sich mit etwas Glück für das Live Battle auf dem BLEND qualifizieren und ihre Beats einem Festivalpublikum präsentieren. 

Welche Werte sollen außer Respekt für die Kunst durch dieses Festival kommuniziert werden? 

Vor allem soll urbane Kunst und Kultur im Rhein Main Gebiet erhalten und gefördert werden und eine Plattform hierfür geschaffen werden. Wir sehen uns als ein alternatives Festival Konzept. Neben Rap Konzerten und einem gut kurierten Booking, bieten wir den Gästen ein abwechslungsreiches (Tages)programm rund um das Thema urbane Subkultur. Jeder Hip Hop Head, Graffiti- oder Skate-Begeisterte sollte bei uns eine gute Zeit haben können. Wir hatten während der zwei letzten Festivals keinen einzigen Konflikt unter Gästen, was auch daran liegt, dass wir einen Community-Gedanken vorleben, den wir versuchen, in dieser Szene zu stärken, indem wir gemeinsam Kunst machen und feiern. Das spüren die Gäste. Es herrscht immer eine sehr familiäre Grundstimmung auf unseren Veranstaltungen. 

Wie bist du zum Musikveranstalten gekommen? 

So richtig 2015 nach der Gründung unseres Independent Labels bzw. Künstlerkollektivs Oiyo – z.B. auf dem Yachtklub oder verschiedenen Off-Locations in Frankfurt. Man hat hier für die Künstler, mit denen man im Studio arbeitete, Live Shows arrangiert und auch probiert, eine Fanbase fernab von Social Media zu bilden, die gerne auf unsere Partys kommt. Zu diesen Veranstaltungen gehörten oftmals auch damals schon Skate-Areas und Streetart-Ausstellungen und der damit verbundene Austausch der verschiedenen Disziplinen. Das waren teilweise BLEND Festivals Im Kleinformat. 

In welchen Situationen macht dir die Arbeit Spaß … und an welchem Punkt denkst du, dass es stressig wird? 

Das schöne an der Position, in der ich mich gerade befinde, ist, dass es sehr abwechslungsreich ist. Wenn das BLEND-Festival gerade nicht stattfindet, sitze ich viel im Tonstudio und arbeite mit Artists an deren Musik. Während der Festivalvorbereitung habe ich viel im Management-Bereich zu tun, führe die Gespräche mit der Location, den Partnern & Sponsoren und kümmere mich um das Marketing und die Kommunikation und verteile die Aufgaben im Team. Stress versuche ich zu vermeiden. Zu den nicht so schönen Aufgaben am Festival machen, gehört definitiv der Abbau! 

Das BLEND-Team also. Wer gehört alles dazu und wem möchtest du danken? 

Für die Geduld und investierte Zeit möchte ich vor allem meinem ganzen Team danken, was im inneren Kern aus 12-15 Leuten besteht. Das sind die Menschen, die die Organisation im Vorfeld mit mir übernehmen und vor Ort für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Da kommt dann noch der Teil des Teams dazu, welches vor Ort beim Auf-und Abbau unterstützt und während der Veranstaltung an den Bars und am Einlass sitzt. Man muss hier betonen, dass das BLEND Team fast ausschließlich aus Volunteers besteht, die kein Geld für ihre Arbeit am und auf dem BLEND verlangen. Die haben Bock darauf, ein dopes Festival zu starten, auf dem Sie und andere eine gute Zeit verbringen können und ihre Lieblings Live Acts sehen können. Ohne diese freiwillige Unterstützung, könnte man das BLEND Konzept so gar nicht umsetzen. 

In diesem Zuge bedanke ich mich auch bei Victor vom Alten Postlager und Anton von Sichtexot. Die Arbeit mit den beiden als Kooperationspartner hat sehr viel Spaß gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass man die Kooperation in Zukunft noch vertieft. Generell wurden wir hier im Alten Postlager in Mainz sehr herzlich empfangen, daher auch ein dickes Dankeschön an alle Mitwirkenden hier vor Ort wie z.B. das LetterBox Kollektiv und der Fuchsbau.

Tickets zum BLEND-Festival gibt es hier.

Bilder: Arun Herzog & Raphael Wujanz

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