Philophischer Trashhop mit Käpt’n Peng & Die Tentakel von Delphi im KUZ Mainz

Wenn der Berliner Robert Gwisdek keine Romane schreibt oder als Schauspieler arbeitet und dabei mehrere Auszeichnungen und Nominierungen einheimst, steht er als Rapper Käpt’n Peng auf der Bühne. So auch am Samstag, den 3. August im KUZ Mainz.

“Hip-Hop ist oft rhythmusgetrieben und man kann jemandem in einer Minute so viele Bilder, Vergleiche und Abstraktionen um die Ohren hauen, dass der Verstand kurzzeitig ausklinkt. Oft hören viele dann aber auch einfach nicht mehr zu,” sagt Peng in einem Interview der SZ.

Während seines Konzertes im Hinterhof Open des Kulturzentrums Mainz (KUZ) werden jedoch viele zuhören … und mitsingen. Zum Glück stehen zwei als Tentakeln verkleidete Menschen neben mir, die textsicher gefühlt jede Zeile mitsingen. Wenn eins mir von diesem Abend in Erinnerung bleiben wird, dann ist es zwar auch die labbrig-luftige Jogginghose des Sängers, das gemeinsam gesungene “WobWobWob” oder der wunderschön beleuchtete Hinterhof, in den viel Liebe gesteckt wurde, wie mir Anke vom Presseteam versichert. Vor allem denke ich aber an die ausgefeilten, manchmal witzigen, manchmal tiefsinnigen, manchmal traurigen Texte, die Käpt’n Peng mal aufsagt wie ein Hesse Naturgedicht, mal textet wie eine Synopsis und mal lauthals skandiert – am besten begleitet von seinem Bruder Johannes (aka. Shaban, Gesang), Boris (Kontrabass), Moritz (Gitarre) und Peter (Percussion) plus ein paar Koffern, Plastikbetonmischtrommeln aus dem Baumarkt und Töpfen, die gelegentlich von Peter aus verschiedenen Küchen entnommen werden.

“Wenn ihr dachtet, wir haben über Autos und Frauen geredet, lest euch die Texte durch, es ist garnicht so,” wird Käpt’n Peng am Ende seines ereignisreichen, vielseitigen und bunten Konzertes im Hinterhof Open Air Konzert des Kulturzentrums Mainz (KUZ) sagen. Man kann ihm nur zustimmen.

Da ist zum Beispiel sein Song “Spiegelkabinett”, der zum ersten mal Tanz- und Singlaune im Publikum hervorruft: “Er weiß nicht, wie ihm geschah / Es weckte ihn ein Traum / Er wurde darin eine Tür / Und ihn betrat ein Raum”, ein Refrain, der mehrmals wiederholt und in verschiedenen Tonlagen gesungen wird. Oder das wenig später folgende “Tango im Treibsand”: “Doch wir sind uns entglitten, uns’re Bänder sind zerrissen / Du hast dich von innen nach außen durch meinen Brustkorb gebissen / Doppel-K.O., das Ende vom Zweikampf / Du und Ich, das war Tango im Treibsand”, ein Lied, bei dem das Publikum demütig zuhört und mitschunkelt.

Käpt’n Peng’s Texte sind oft surreal, assoziativ, philsosophisch und handeln von Liebe (“Gelernt”), Tieren (“Tier”), Träumen, hinterfragen Wahrnehmung und Bewusstsein, begeben sich in die Tiefen der Psyche, oder, worauf sein Name schon hinweist, versuchen die Fragen des Universums und des Lebens zu ergründen (“Sockosophie”, “Neue Freunde”). Die Texte rangieren zwischen dem Finden von Sinn & Weißheit (vor allem beim Tip-Ex-Trinken) und der Akzeptanz von Absurdität, welches in dieser komplizierten Welt vielleicht die einfachere Lösung wäre, findet bestimmt auch Käpt’n Peng.

Written By
More from Fauves

Leave a Reply

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

  Subscribe  
Notify of