Linda Bender (Lin) kehrt mit ihrem Song “Colours” zurück auf die Bühne

Foto: Victoria

Lin aka. Linda Bender (ehemals Bender & Schillinger) hat den Neuanfang gewagt und präsentiert uns heute ihre erste Elektro-Pop Single als Solo-Künstlerin: “Colours”. Im Interview am Rhein in Mainz haben wir erfahren, was uns erwartet.

Linda, lange nichts mehr von dir gehört. Arbeitest du etwa gerade an einem neuen Solo-Projekt?

Genau! Das Projekt nennt sich „Lin“ und genretechnisch geht das Richtung Elektro-Pop. Es wird auf jeden Fall tendentiell beatlastiger und ich singe dazu. Das bedeutet, dass ich dann ein bisschen technische Unterstützung brauche, dafür habe ich verschiedene Instrumente, wie Synthie und Drumpad, …und diese Instrumente gehen dann in einen Loop und so kann der Song live entstehen.

Für dich bedeutet dieses Projekt praktisch nach der Bandauflösung von Bender & Schillinger ein kompletter Neuanfang. Was wird in deiner Musik anders werden? Was bleibt gleich?

Anders als bei Bender & Schillinger, muss ich mein Projekt natürlich jetzt alleine stemmen und stehe als Solo-Künstlerin auf der Bühne. Das erfordert eine ganz andere Art von Songstruktur, gerade wenn man mit Loop arbeitet. Man muss die Songstruktur so anlegen, dass es Wiederholungssequenzen gibt und dass gleichzeitig eine musikalische Dynamik und Varianz möglich bleibt.

Bei Bender & Schillinger war die musikalische Wurzel sehr stark im Folk verankert, das ist jetzt in meiner Musik tendentiell weggefallen oder hat sich reduziert. Ich komme ursprünglich vom Schlagzeugspielen und vielleicht ist meine Liebe zum Beat so stark, dass die Musik sich dahin gehend verändert hat, dass sie tanzbarer geworden ist. Mehr Richtung R&B als Richtung Folk. Was gleich geblieben ist, ist natürlich die Stimme, die Art und Weise zu singen hat sich nicht verändert.

Was genau kommt denn bald? EP? Album?

Das Projekt habe ich im April gestartet und im Moment bin ich mit dem Produzenten Michael Geldreich im Studio. Wir arbeiten an ein paar Songs und ich denke, es wird auf eine EP hinauslaufen – dafür will ich mir aber erstmal Zeit lassen, bis ich damit zufrieden bin.

Am Sonntag (heute!) erscheint von mir ein Musikvideo vom Song „Colours“, das bei einer Live-Session im Studio in Bonn entstanden ist.

Welche Themen verarbeitest du in deiner Musik?

Es gibt immer noch viele Themen die mich bewegen. Meistens sind sie in irgendeiner Form politisch, wenn man den Begriff ein bisschen weiter fasst. Es geht viel um das Überschreiten von Normen und Grenzen in Bezug auf feministische oder Genderthemen sowie allgemein um politische Geschehnisse, die mich sehr beschäftigen. Es gibt auch ganz private Erfahrungen die ich in der Musik verarbeite, aber sobald ich sie öffentlich mache, werden in der Präsentation Haltungen deutlich, die ich zu Themen einnehme. Das Politische ist insofern schwer vom Privaten zu trennen.

Wie sehr hast du darauf geachtet, etwas anders zu machen oder anders machen zu wollen, gerade bei der Produktion deiner Musik?

Ich gehe da eigentlich sehr unvoreingenommen ran und sage mir nicht explizit, ich will etwas anders machen. Und ich denke, dass es in der letzten Zeit mit Bender & Schillinger schon musikalisch in eine elektronischere Richtung ging, z.B. bei „Lovelesson“, einem Lied mit vielen elektronischen Elementen. Ich glaube, dass ich es damals war, die diese Elemente reingebracht hat, weil ich Lust darauf hatte, etwas Neues auszuprobieren und das kann ich in meinem neuen Projekt jetzt weiter tun.

Ich habe mir diese Fragen gestellt, weil ich mir schon vorstellen kann, dass es bei einer Band, die so lange zusammenarbeitet, schon auch immer Dinge geben könnte, die in jedem Einzelnen ruhen und ausprobiert werden möchten.

Das ist witzig denn der erste Song, der am heute rauskommt, heißt „Colours“. Darin geht es darum, dass man sich bewusst werden sollte, wie viele verschiedene Farben die eigene und andere Persönlichkeit haben, und dass man, wenn man möchte, versuchen kann, sie zu zeigen. Der Song geht insofern auch um die Trennung von Bender & Schillinger. Je nachdem wie man es ausdeutet, schwingt bei dieser Trennung entweder ein Verlustgefühl mit, oder sie birgt das Potential, etwas Anderes ausprobieren zu können, was vorher in der Konstellation nicht so richtig möglich war.

Ich wusste, dass du alleine etwas ausprobieren wirst …

…ja? Ich nicht! Ich hatte mich erstmal für das Referendariat beworben … 😉

… aber ich war mir nicht sicher, ob du hier in Mainz bleiben wirst.

Erstmal bin ich privat hier in Mainz gebunden. Ich glaube, dass gerade weil sich viel bei mir verändert hat, es ganz gut ist, hier zu sein und ein Fundament und Netzwerk zu haben. Das ist ganz praktisch, denn ich kann jetzt schon Orte bespielen, die wir mit Bender & Schillinger erst nach ein paar Jahren bespielt haben. Einfach, weil ich die Leute kenne und dankenswerterweise das Vertrauen in mich als Musikerin schon da ist.

Ich denke, dass ich nicht für immer hierbleiben werde. Für den Anfang, ist es hier in Mainz sehr schön … aber nach einer Zeit werde ich dahin gehen, wo es Sinn macht.

Jetzt sagst du, dass sich bei dir privat viel verändert hat. Was hat sich in Mainz verändert?

In Mainz hat sich viel verändert. Es ist krass, wie viele neue Läden gerade aufmachen. Man läuft zwei Tage nicht durch die Stadt und schon hat wieder irgendwo ein neuer Laden aufgemacht. Das finde ich super, das gibt der Stadt Energie. Ich finde aber, dass es wichtig wäre, dass es auch mehr politische Räume gibt, viele Läden sind sehr stylisch und schön. Aber es gibt noch zu wenig Räume für alternative Kultur, wie z.B. im Cafe Klatsch in Wiesbaden.

Wann kann man dich wieder live sehen?

Am 10.8. spiele ich auf dem Straßenfest von der Sichtbar (Bar jeder Sicht) in Mainz. Einmal im Jahr haben sie die Straße gesperrt. Es geht bei diesem Fest um Sichtbarkeit. Danach spiele ich in Trier und alle anderen Termine findet man auf meiner Facebookseite oder bei Instagram.

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