Charlotte Brandi

Foto: Helen Sobiralski

In einem kurzen Facebook-Statement zur Verschiebung der Konzerttermine Anfang 2016 sagt Charlotte Brandi: “I may talk but I may not sing. I may walk but I may not spring“. Kurz vor Beginn der „Love Is A Fridge“-Tour hatte sie sich den Fuß gebrochen; hinzu kam eine Kehlkopfentzündung. Auch viele Mainzer waren damals enttäuscht, dass sie sich noch einige Monate bis zum Live-Auftritt der Indie-Band „Me And My Drummer“ gedulden mussten. Dass die aus dem Ruhrgebiet stammende Sängerin die Zwangspause nutzte, um neues kreatives Potenzial zu schöpfen, können Fans nun auf dem Solo-Debütalbum „The Magician“ hören. Am 6. April 2019 wird sie zum ersten mal ohne ihren ehemaligen Band-Kollegen Matze Pröllochs im schon schön auf der Bühne stehen. In einem Interview mit Fauves erzählt sie von der Bandauflösung, ihrer neuen Solo-Platte “The Magician” und bereitet uns auf ihren Autritt vor.

Als du mit dem Songwriting für dein Solo-Projekt begonnen hast, war die Auflösung von „Me And My Drummer“ noch nicht geplant. Wann hast du gemerkt, dass du einen zusätzlichen Weg als Einzelkünstlerin gehen möchtest?

2015 hatte ich ein in vielerlei Hinsicht traumatisches Jahr. Ein komplizierter Fußbruch hat mich ans Bett gefesselt und ich brauchte eine Pause von dem pompösen, mich und meinen gesamten Körper sehr beanspruchenden Me And My Drummer-Sound. Auf der Couch meiner Mutter habe ich plötzlich Musik in meinem Kopf gehört, die mich als Sängerin und als Instrumentalistin zu mehr Genauigkeit und gleichzeitig mehr Demut in der Performance zwang. Me And My Drummer hat von mir andere Dinger verlangt, größere Gesten, mehr Ganzkörperaktivität, dafür weniger Kleinteiligkeit und weniger Detailverliebtheit.

Vor welche Herausforderungen hat dich dein Solo-Debüt gestellt, die du bisher als Teil einer Band noch nicht kanntest?

Mich hat es gereizt eine zeitlosere Musik zu machen, die von einer Band präsentiert wird. Das Spielen im größeren Ensemble hat auf mich einen großen Reiz ausgeübt und ist eine sehr befriedigende, wunderschöne Sache.

„The Magician“ heißt deine erste Solo-Platte. Was steckt hinter dem Titel? Was ist es, das dich immer wieder verzaubert?

Der Titel hat mehrere Ebenen, von denen ich ungerne jede preisgeben würde, aber soviel: Ich selbst wurde durch die Arbeit an dieser Platte ein Zauberer – und ich wähle hier extra die maskuline Form, da ich mich als Songwriter eher an eine Männer-Domäne habe anknüpfen sehen als an eine weibliche Linie – aber das ist nur mein inneres Bild, für die Zuhörerinnen und Zuhörer kann das ganz anders ankommen. Außerdem bin ich in besagtem Jahr einem Menschen begegnet, der auf eine faszinierende aber am Ende auch eher fatale Art Magie auf mich ausgeübt hat. Am Ende dieser Begegnung hat es sich fast so angefühlt wie der Zweikampf zweier Magier.

Das Platten-Cover zeigt dich mit roten Hörnern. Was hat es damit auf sich?

Mir gefielen die Hörner, weil sich meine Person nicht ohne das Schlückchen Essig, das bisschen Biss und die kleinen abgründigen Teufeleien denken lässt. Der Grad zwischen den tagebuchartigen Traumwelten des Albums und dem Alptraum (den ich hier nicht erzähle, der aber hinter den schwärmerischen Träumereien wartet) ist sehr schmal. Wenn man sich weit genug in die Romantik hineinlehnt, kommt man am Ende totsicher an einer ziemlich dämonischen Zone raus – das ist zumindest meine Überzeugung.

Leipzig und Erfurt sind deine ersten Stopps, für deinen dritten Tour-Tag fiel die Wahl auf Mainz. Was assoziierst du mit unserer Stadt?

Mit Mainz assoziiere ich einen denkwürdigen Me And My Drummer Auftritt auf der Planke Nord, dann das wunderschöne Rhein-Ufer und schließlich noch einen meiner Lieblingsclubs: das schon schoen. Vor einem Jahr hatte ich dort meinen ersten Solo-Auftritt mit meiner Cellistin Marie-Claire Schlameus und am Tag darauf hat Matze telefonisch die Band Me And My Drummer aufgelöst. Zwar nicht die angenehmste Erinnerung, aber dafür ein lebensverändernder Moment, den ich jetzt für immer mit Mainz verbinde.

In deinen Solo-Songs hast du weitestgehend Synthesizer gegen Streicher, Klavier und Holzbläser ausgetauscht. Was bedeutet das für deinen Live-Auftritt? 

In Marie-Claire Schlameus habe ich eine wundervolle Cellistin und Sängerin gefunden, die viele der Streicher-Arrangements live auf die Bühne bringen wird. Isabel Ment an Gitarre und Gesang ist eine der talentiertesten Musikerinnen überhaupt und Hanno Stick an den Drums und Alexander Binder am Bass spielen u.a. auch bei Moritz Krämer in der Band – ich freue mich total mit diesen Musikerinnen und Musikern die Konzerte zu spielen!

Alle deine Songs sind sehr intim und vermitteln unterschiedliche Gefühle. Gibt es auf „The Magician“ eine übergreifende Botschaft bzw. eine gewisse Grundstimmung, die du Hörern deiner Platte und Besuchern deiner Konzerte gerne mitgeben möchtest?

Es ist ein Album über das Verführtwerden, über das „Davor“, über die Stimmung der Pubertät, wenn man noch nicht wirklich leben kann, sondern sich das echte Leben erst einmal vorstellt, ausmalt und erträumt. Schlafwandlerisch und traumhaft bewegen sich die Botschaften zwischen Innenschau, Trostspenden, Resümieren aber auch Frust und Ärger. Die Botschaft wäre vielleicht, dass wir alle Magier sind, sobald wir uns etwas wünschen. Auch die größte aller Veränderungen beginnt mit einem Wunsch.

Wer deinen Blog verfolgt, wird erkennen, dass dir Umweltschutz sehr am Herzen liegt. In einem Interview hast du mal erzählt, dass das Thema nicht immer präsent für dich war, aber nun nicht mehr verleugnet werden kann. Inwiefern hat das Einfluss auf deinen Touralltag? Welche Abläufe deiner bisherigen Tourgewohnheiten hast du bewusst geändert?

Ich bin gegen Fleischkonsum und Flugzeug fliegen. Das mit dem Elektroauto können wir uns als Act zu diesem Zeitpunkt als Tourbus noch nicht leisten. Aber beim ganzen Rest versuche ich schon auf Nachhaltigkeit zu achten.

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