Auletta – “Winter in Berlin”

Nachdem Auletta im letzten Jahr erfolgreich mit ihrer Crowdfunding Aktion ihr anstehendes Album Auletta finanzieren konnten, hat die Band nun endlich mit Winter in Berlin ihre erste Single rausgebracht. Unschwer zu erkennen, die gebürtigen Mainzer besingen jetzt nicht mehr, wie in den beiden Vorgänger Alben Pöbelei & Poesie und Make Love Work, die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, sondern die Bundeshauptstadt.

Und das kommt auch nicht von ungefähr, denn drei der vier Musiker haben mittlerweile eine neue Wahlheimat gefunden. So auch Drummer Johannes Juschzak, mit dem wir über die neue Single gesprochen haben.

Gude Johannes, oder soll ich besser „Tach och“ sagen?

Hi, da sind wir flexibel – Ein “Moin” geht ebenso gut. Wir sind alle ziemlich Dialekt-affin, insofern gefällt uns jegliche Art der höflichen Begrüßungsfloskel. 😉 

Ihr seid ja im Prinzip die erfolgreichste Mainzer Indie-Rock-Band und bisher habt ihr mit dem Lokalpatriotismus auch immer gerne gespielt. Jetzt heißt eure erste Single ausgerechnet Winter in Berlin, wollt ihr da bewusst mit irgendetwas brechen?

Auch wenn die gerade erschienene Single den “Winter in Berlin” besingt, fühlen wir uns trotzdem unserer Heimat verbunden. In Mainz begann alles, nahm seinen Lauf und wir hatten eine unvergessliche Zeit. Doch das Leben geht weiter und man sucht sich neue Ziele. Ohne den Abstand zu allem wäre das neue Album bestimmt nicht so entstanden. Da das Video zu dem Song ja aber in Mainz gedreht wurde, zeigt es, dass unsere Wurzeln noch immer präsent sind. In Bezug zu unserer Heimatverbundenheit brechen wir also keinesfalls. Aber nicht nur der Text zur neuen Single spielt mit Brüchen, sondern die Texte vieler Songs unseres neuen Albums sind von Gegensätzlichkeiten, Widersprüchen oder kontroversen Bildern gekennzeichnet. Dabei geht es uns nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger auf gewisse Dinge zu verweisen oder immer auf alles eine Antwort zu haben. Vielmehr stellen wir (uns) Fragen, auf die es oftmals kein richtig oder falsch, schwarz oder weiß, links oder rechts gibt. 

Ganz klassische Frage: Worum geht’s im Song?

Alex und Martin wohnen beide schon länger in Berlin und ich war letztes Jahr im März auf Wohnungssuche in der damals eisigen Hauptstadt. Wir haben am eigenen Leib spüren müssen, wie brutal kalt es hier werden kann. Hinzu kommt diese gefühlt immerwährende graue Wolkendecke, die jegliche Sonnenstrahlen fernhält und einen irgendwann auf ätzende Gedanken bringen kann. Im Song geht es also darum, wie man diesem Gefühl entkommen und es sich unter der Berliner Winterdecke erträglich machen kann.

Ihr spielt wie gewöhnlich mit vielen Vergleichen, welcher ist am gelungensten?

Wir sind tatsächlich sehr, sehr glücklich mit den neuen Texten und da gibt es einige Vergleiche, die uns gut gefallen. Vor allem immer dann, wenn sich schöne, positive, emotionale Assoziationen mit negativen, fragwürdigen und kritischen Bildern vermischen. Ohne dem Album zu viel vorwegzunehmen oder zu verraten, sind in Winter in Berlin schon zwei, drei für uns gelungene Vergleiche drin. Also am besten schnell mal reinhören und selbst entscheiden. Das Album kommt am 12. April, dann kann man auch die restlichen Lieder mit in Betracht ziehen. 😉

Das kommende Album Auletta ist wie man so schön sagt self-titled. Soll das so eine Art Neustart symbolisieren?

Ich denke, Neustart trifft es nur bedingt. Einerseits sind wir mega happy und dankbar für die vielen Erfahrungen und Erlebnisse der letzten 10 Jahre, andererseits brauchten wir einfach auch alle mal etwas Zeit für uns. Da ist es natürlich schnell daher gesagt, von einem Neuanfang oder ähnlichem zu sprechen, wenn wir für viele so plötzlich wieder mit einem neuen Album daherkommen. Dabei waren wir immer untereinander in Kontakt, sind nach wie vor sehr gute Freunde und können mit all dieser Erfahrung der letzten Jahre wesentlich besser ausdrücken, wer wir sind, was wir sind und was wir wollen. In diesem Zusammenhang ist das Album für uns kein Neustart, sondern vielmehr verkörpert es uns besser denn je. Wir können uns sowohl musikalisch als auch textlich wesentlich stärker in allem wiederfinden. Insofern ist es einfach konsequent, dass das Album so heißt wie wir.

Wird sich Auletta stark von den beiden Vorgänger Platten unterscheiden?

Es unterscheidet sich allein schon deswegen, da wir alles selbst diskutieren, entscheiden und machen. Wir haben uns ganz bewusst von den heutzutage gängigen Mechanismen der Musikbranche und -industrie freigemacht und haben die Zügel selbst in der Hand. Wir haben ein Team kreativer Köpfe zusammengestellt und so nicht nur die Musik, sondern auch das Artwork und die Bandfotos gemacht oder aber anderweitige strategische Maßnahmen getroffen, wie zum Beispiel welches Lied eine Single wird, wie viele CDs und Vinyls wir pressen lassen oder wie wir wieder auf uns aufmerksam machen können. Dabei kamen wir auf die Idee, ein Crowdfunding zu starten, um das Album finanzieren zu können. Wir waren wirklich überrascht, wie erfolgreich das ausging und sind von den vielen anhaltenden positiven Rückmeldungen immer noch total geflasht. Und durch das Crowdfunding waren die Unterstützer schon viel früher in den Entstehungsprozess des Albums involviert und konnten wesentlich zu dessen Gelingen beitragen. Insofern ist es nicht nur für uns eine ganz andere, noch spannendere Herangehensweise.

Auch wenn es mehr Zeit, Kraft und Energie kostet – das neue Album ist genau das, wohin unser Schweiß in den letzten zwei Jahren geflossen ist. Und jeder kleinste Tropfen war und ist es wert. 

Du sprichst es an, ihr seid vorher bei der Plattenfirma EMI unter Vertrag gewesen, jetzt macht ihr von der Produktion bis zur Veröffentlichung alles in Eigenregie, überwiegen immer noch die künstlerischen Freiheiten?   

Natürlich spielen eben genau diese eine entscheidende Rolle. Künstlerische Freiheit ist heutzutage vor allem in der (kommerziell erfolgreichen) Musik keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso schöner ist es für uns, dass wir alles selbst angehen können. Auch wenn es mehr Zeit, Kraft und Energie kostet – das neue Album ist genau das, wohin unser Schweiß in den letzten zwei Jahren geflossen ist. Und jeder kleinste Tropfen war und ist es wert. 

Johannes, ich bedanke mich!

Ebenfalls danke!

Das neue Album von Auletta mit dem selbstbetitelten Namen Auletta erscheint am 12. April.

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