Erobique: „Urlaub, Urlaub in Italien…!“

Carsten Erobique Meyer spielt im Jahr nicht viele Konzerte, wenn es hoch kommt an die 20. Umso schöner ist es also für die Fans, dass er Anfang 2019 ins neue KUZ kommt.

„Was erwartet mich da heute Abend?“ Fragt mich mein Freund Christian.

Tja, im Kern basiert das alles auf elektronischer Musik, ganz stark inspiriert vom Disco Sound der 70er. Doch damit würde man es sich viel zu einfach machen, das wäre so jedenfalls keine befriedigende Antwort.

Denn Erobique ist ein Tausendsassa und das spiegelt sich dann auch in seinen Auftritten wieder. Er selbst sagt, dass er die ersten zehn, zwölf Jahre seines Schaffens selbst nicht richtig verpacken konnte. Das war so eine Art Schwebezustand, der nicht ganz analysierbar gewesen sei. Mittlerweile fällt es ihm jedoch immer leichter die Balance zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit zu halten: „Diese Sweetness ist ja nicht komplett aufgesetzt.“

Hinzu kommt, dass Carsten Meyer unter anderem auch noch für die Filmmusik unserer Lieblingsserie „Der Tatortreiniger“ verantwortlich ist. Und sind wir ganz ehrlich, ohne diese wäre die NDR Produktion doch nie ein so großer Erfolg geworden. Heiko „Schotty“ Schottes absurden Episoden untermalt er übertrieben kitschig, da steckt eine Art 90er-Ironie dahinter, zu viele Geigen und Harfen, mit diesen Klischees wird jede Situation erhöht. Vom Gefühl her zurück in die alte, eingestaubte BRD. Nostalgie pur.

Und nebenbei steht Carsten Meyer auch noch am Theater auf der Bühne. Ein Multitalent.

Also was soll ich Christian jetzt sagen?! „Heute Abend kann einfach alles passieren, also wart’s ab und lass dich überraschen!“ Damit muss er sich begnügen.

Mit einer halben Stunde Verspätung betritt er dann endlich die Bühne. Ein kurzer freundlicher Plausch mit dem DJ-Team, das bis dahin die Leute auf Stimmung bringt und dann geht er an sein Pult, ausgestattet mit allerlei Technik und einer Batterie an Tasteninstrumenten.

Erobique beginnt und macht das, was er am besten kann, die Leute in seinen Bann ziehen. Mit vielen warmen Worten begrüßt er das johlende Publikum. Der Discosound animiert von Beginn an alle zum Tanzen, einzelne Tracks werden bewusst in die Ewigkeit verlängert, dazu improvisiert er am Synthesizer. Nicht nur musikalisch ist das eine Zeitreise in die 70er, auch Carsten Meyer, mit seinem Porno-Balken auf der Oberlippe, sieht aus, als wäre er dieser Zeit entsprungen. Immer wieder singt er eingängig mit, mal auf Englisch, mal auf Deutsch. Dabei trifft er gewiss nicht jeden Ton – aber das ist der Zauber an der ganzen Sache. Irgendwo ist er ja auch immer noch Punk! 

Eines steht fest: Der Künstler da vorne macht einfach das, auf was er Lust hat, was er liebt. Es ist so authentisch und ehrlich, jeder wird unbewusst davon beeinflusst. Neben Klassikern wie „Off the Wal“l von Michael Jackson spielt er natürlich auch seine eigenen Hits wie Easy. Der Text, so einfach wie genial – jeder singt lauthals mit. Irgendwie liegt ein ganz besonderer Vibe in der Luft, dem kann sich keiner entziehen.

Zu einer ruhigeren Nummer entzünden sich etliche Feuerzeuge und Carsten Meyer nimmt das Schauspiel zum Anlass, sich genüsslich eine Zigarette anzumachen und sich über die Generation Smartphone auszulassen. Wir alle sollen wieder anfangen den Moment zu genießen, die Handys in der Tasche lassen, in 10 Jahren schaut sich eh keiner mehr die Bilder an. Wir sollen wieder im hier und jetzt leben. Das klingt irgendwie nach Kalendersprüchen – doch hier ist es kein bisschen kitschig. Und weil er recht hat, funktioniert das Ganze.

Alles scheint bis hierhin fast perfekt, denn bisher fehlte noch sein größter Hit. Urlaub in Italien. Bereits 2016 entstanden, ist er erst im letzten Sommer zum Hit avanciert. Und weil es an Dramaturgie für diesen Abend noch nicht genug ist, müssen wir bis zur Zugabe warten.

Nach einer kurzen Pause betritt der Disco Messias dann also wieder die Bühne und haucht unter tosendem Applaus ein paar Wörter ins Mikrofon.

Irgendwas mit BMW, 1986, Sommer, Urlaub und Italien. Doch das reicht vollkommen aus. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Mit den ersten Akkorden, die erklingen, singt die Menge einstimmig mit. Und Erobique gibt allen das, worauf sie so lange gewartet haben. 15 Minuten Sonnenschein. 15 Minuten pure Leidenschaft. 15 Minuten Urlaub in Italien.

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