ronja

Foto: Sabrina Raab

Vor kurzem hat die Singer-Songwriterin ronja ihre neue EP “Place For Quiet Dreamers” veröffentlicht. Im Interview mit Fauves redet sie über die Entstehung ihrer EP und deren Bezug zum Surrealismus, der Stimmung in Berlin und der Band Pixies. Außerdem erzählt sie uns von ihren engen Drähten nach Mainz und ihrer Freundschaft zu Franzi Aller. Am 14.1. ist sie zusammen mit Luca Aaron live im Schick & Schön zu sehen.

Dein Cover zum Song „Where is my mind“ ist vor ein paar Tagen von dir auf soundcloud hochgeladen worden. Was kannst du uns darüber erzählen?

Das Lied ist in Dänemark während eines dreimonatigen Singer-Songwriter Kurses an einer Højskole entstanden. Jede Woche haben wir unterschiedliche Aufgaben bekommen. Eine Woche hieß „cover week“. Die Aufgabe war einen Song, den es schon gibt, individuell und persönlich zu interpretieren und daraus eine eigene Version zu machen. Zu der Zeit habe ich ziemlich viel Pixies gehört. Natürlich bin ich auf „Where is my mind“, einer der bekanntesten Songs von Pixies, gestoßen und konnte mich mit der Headline „Where is my mind“ identifizieren. Innerhalb von zwei Tagen sollte ich dann das Cover schreiben.

Wieso gerade Pixies?

Bei Pixies mag ich die Kontraste. Der Text spricht mich sehr an. Besonders das Bild „Where is my mind / Way out in the water / See it swimmin’“ mag ich sehr und die Stimmung, die es vermittelt empfinde ich auch oft selbst.

In deinem Lied „Follow the river“ gibt es ja auch diesen Kontrast zwischen „lonely strangers“ and „noisy chatter“.

Der Song „Follow the river“ ist zur gleichen Phase wie mein „Where is my Mind“-Cover entstanden. Ich wollte in dem Song eine unabhängige und eine abhängige Melodie haben. Die eben genannte Strophe, „place of lonely strangers / place of noisy chatter“ hat eine unabhängige Melodie, d.h. ich spiele nur die Basstöne – sehr simpel- die Melodie bewegt sich praktisch frei darüber und bestimmt, was passiert. Im Chorus von „Follow the river“ bleibt die Melodie auf einem Ton und die Begleitung bestimmt, was harmonisch passiert. Das Lied untermalt Kontraste: Ich bleibe stehen, bin lost. In der dritten Strophe verändert sich die Aussage von dem Song, es ist nicht mehr so negativ, melancholisch: „place for quiet dreamers / place of true love“.

Was für ein Ort ist das?

Es ist eher so ein state of mind, eine Stimmungslage. Wenn man in einer Stadt wie Berlin lebt, die von Hektik geprägt ist, dann denke ich oft, dass da zwei Stimmungen parallel existieren: Zum einen das Farbenfrohe, Kreative, die Freiheit und gleichzeitig zum anderen etwas Graues, Selbstzweifel, in denen man stecken bleiben kann. So ähnlich will das auch der Song ausdrücken.

Welche Einflüsse stecken hinter deiner EP?

Da wäre vor allem die Musik von Joni Mitchell. Sie erzählt ihre Geschichten und das möchte ich mit meinen Liedern auch verkörpern. Eine weitere Inspiration war Jenny Hval, vor allem ihr neustes Album “Blood Bitch”. Es beinhaltet experimentelle, feine Sounds. Sie arbeitet außerdem mit Collagen, was auch auf meiner EP eine Rolle spielt.

Ich denke, dass deine EP viele Aspekte des Surrealismus’ aufgreift, wie z.B. das Verschwimmen von Realität und Traum. Außerdem hast du ja ein Lied „hey wake up“ gemacht, bei dem du sagst, dass es durch Michael Endes „Der Spiegel im Spiegel – Ein Labyrinth“ beeinflusst wurde. Wieviel Düsternis, Märchen und Surrealismus steckt in deiner EP?

Das Düstere und das Verschwimmen von Realität und Traum wird vor allem dadurch deutlich, dass die Akustikgitarre durch Effekte im Sound verändert wird. Luca unterstützt diese Stimmung, indem er mit seiner E-Gitarre und Ableton ein großes Sounduniversum schafft. Die oft nah klingenden Texte und Geschichten bilden Kontraste zu der „düsteren“ Farbe und bewegen sich mit ihr.

Du sagtest, du hättest bei einem Singer-Songwriter Seminar in Dänemark teilgenommen, was hast du dort gelernt?

Die Schule heißt Engelsholm Højsklole und ist eine sehr freie Schule mit vielen kreativen Studiengängen. Bei mir gab es einen Songwriting Kurs und andere Angebote zu elektronischer Musik, Malerei, Schmuckdesign, Visuals, Photograhie, Töpfern. In dem Songwriting Kurs habe ich mich u.a. mit Ableton auseinandergesetzt. Meine EP habe ich z.B. damit angenommen und produziert. Dort habe ich mit field recordings gearbeitet, die ich in meinen Liedern, z.B. in “Old Lady” auf meiner EP verarbeitet habe. Für „Old Lady“ habe ich z.B. den Klang einer Dose aufgenommen und gesampelt.

Foto: Sabrina Raab

Du wirst in Mainz mit dem Gitarristen Luca Aaron zusammen spielen. Wie ändert sich dadurch die Dynamik deiner Musik im Live-Setting, im Vergleich zu deinen Solo-Auftritten?

Die Dynamik ändert sich komplett. Ich genieße beide Settings. Wenn ich mit Leuten zusammenspiele, versuche ich allen Raum zu geben, so dass jeder machen kann, womit er oder sie sich wohlfühlt. Ich bin sehr dankbar mit Luca zusammen spielen zu können, weil ich das Gefühl habe, dass wir in dem Kontext „ronja“ einer ähnlichen musikalischen Ästhetik nachgehen.

Spielst du manchmal auch mit Franzi Aller zusammen? Wenn ja, was ist das für ein Erlebnis?

(lacht) Ja, ich spiele manchmal mit ihr zusammen, wenn es sich ergibt. Wir haben dann eigentlich immer Songs gespielt, die wir gerne haben, hauptsächlich Jazz Standards und Lieder von Molly Drake, der Mutter von Nick Drake. Die Lieder haben alle gemeinsam, dass sie sich um was Wohl und die Liebe drehen. Ich kenne Franzi seit 9 Jahren. Wenn ich Musik mache, ist mir das Menschliche sehr wichtig. Wenn ich mit Franzi spiele, merke ich, dass zwischen uns Vertrauen besteht – menschlich und musikalisch – und das macht alles einfacher. Musikmachen mit Franzi ist wie ein Spielplatz, wo ich mich ausprobieren kann. Ich denke Franzi denkt da ähnlich. Für sie ist es ja eine ganz neue Kombination (Kontrabass nur mit Stimme). Sie kann dadurch ganz andere Aufgaben übernehmen, im Vergleich zu einem größeren Setting in einer Band.

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