The Day

Foto: Lumi Lausas

Im Fauves Interview spricht das deutsch-niederländische Dream-Pop / Shoegaze Duo The Day über Island, Sehnsucht und das Langsamsein. Außerdem erzählen sie über ihre Anfänge als Band und geben einen kleinen Ausblick auf’s kommende neue Album. Am Dienstag, den 8. Januar sind sie live für Euch im schon schön zu sehen.

Wie kamt ihr zur Musik und wie habt ihr euch auf musikalischer und persönlicher Ebene gefunden?

Laura: Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Vater hat klassische Gitarre studiert und singt auch in einer Band – so wurde bei uns zuhause immer schon viel gesungen. Inzwischen geht das soweit – Socialmedia ist schuld – dass wir jedes Jahr zu Weihnachten einen Familienweihnachtssong aufnehmen und rumschicken lacht Tja, und anders als in anderen Familien waren meine Eltern dann gar nicht so geschockt, als ich sagte, ich würde gern Musik studieren und an der Musikhochschule in Arnheim (NL) habe ich dann Gregor kennengelernt.

Gregor: Bei mir in der Familie wurde nicht aktiv musiziert – trotzdem bin ich zum Gitarrenunterricht gegangen, so mit kleinem Fußbänkchen und so – seit ich 6 Jahre alt war. Mein Vater hat aber sehr viel unterschiedliche Musik gehört und mich schon sehr früh zu Konzerten mitgenommen, die mich natürlich nachdrücklich beeindruckt haben. Auf diese Weise konnte ich mir schon sehr früh meinen „eigenen Musikgeschmack“ ausbilden, habe 1997 die z.B. Lemonheads in Montpellier gesehen oder kurz danach dann Oasis zur „Be here now“-Zeit in Oberhausen – hab also mit 11 schon Musik gehört, die ich jetzt noch genauso gut finde. Ihr merkt: ich bin da heute noch stolz drauf.

Laura: Man könnte also sagen, dass Dein Geschmack im Alter von 11 stehen geblieben ist.

Gregor: lacht Haha, ja genau, in gewisser Weise stimmt das. An der Musikhochschule ist es dann ja auch so, dass man einander aufgrund „des Geschmacks“ findet. Vielleicht kann man sich von außen gar nicht recht vorstellen, was für unendlich viele unterschiedliche Typen von Musikern es gibt.

Laura: Und quasi der erste Song, den wir gemeinsam gespielt haben war „The Scientist“ von Coldplay nur mit Gesang, Loop-Station und Gregor hat E-Bass gespielt. Eine Stelle wurde geloopt und hinterher rückwärts abgespielt, weil wir fanden, dass es dann ein bißchen nach Sigur Rós klingt.

Gregor: Genau. Ein bißchen isländisch. Den Trick verwenden wir immer noch, zum Beispiel gleich beim ersten Song Island auf dem Album.

Wie würdet ihr persönlich euer Genre beschreiben?

Laura: Mit den Genres ist das so eine Sache. Vielleicht: Dream-Pop mit Shoegaze Einschlag.

Auf welchen Begebenheiten beruht der Text von eurer neusten Single „Where The Wild Things Are“? Was erzählt der Text, bzw. welche Geschichte steckt dahinter? Welche Verbindung gibt es zu dem gleichnamigen Film, zu deutsch „Wo die wilden Kerle wohnen“?

Laura: Genau diese tolle Geschichte ist der Ausgangspunkt. Das fing ja an mit dem Kinderbuch von Maurice Sendak. Also, ein Ich-Erzähler flüchtet aus der alltäglichen Welt – sehnt sich nach großen Abenteuern, merkt dort aber auch, dass er eigentlich wieder nach Hause müsste und kehrt dann wie Max am Ende wieder zurück, vielleicht geht es im Song aber auch anders aus. Das ist tatsächlich ein Thema, das sich durchs ganze Album zieht. Der gleichnamige Spike Jonze Film ist aber natürlich auch toll.

Wie viel Interpretationsspielraum soll es zwischen dem Song „Where The Wild Things Are“ und dessen Musikvideo geben? Wie können wir es interpretieren?

Gregor: Wenn Du uns fragst, soll es immer möglichst viel Interpretationsspielraum zwischen dem Song und dem Video geben – und natürlich auch zwischen Song und Buch. Denn das Tolle an Musik ist ja, dass sie auf sprachlicher Ebene in erster Linie erstmal gar nichts zu bedeuten hat, sondern uns Hörer von vornherein ganz anders angeht und ein ganz eigenes Kommunikationsmedium ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass sie völlig beliebig ist, sondern vielmehr dass man sich über ihre Bedeutung nur sehr schwer unterhalten kann. Beim Thema „Video“ ist das genauso. Die Regisseurin Lumi Lausas, die das Video gedreht hat, hat aber in einem Interview mal eine Interpretation angeboten, die sich fast wie Poesie liest. So funktioniert das also doch irgendwie. „The music by The Day always brings me in a certain state of nostalgia. Unlike listening to an old playlist, it does not throw me back to any particular period of my life. Instead, it triggers a longing without an object, the sensorial memory of a past mood taken out of context. This relates to an illusion of a future that never materialised, comparable to the colours of a vivid dream fading away with time. The video for ‘Where The Wild Things Are’ is a visual translation of this feeling. Its faceless figures are frozen in enigmatic landscapes, searching in vain for a key to open forgotten paradises.“

In den neuen Liedern, in euren Bildern und Videos verwebt ihr anmutig und dezent Kontraste und Gegensätze. Mir fällt auf, dass eure Musik der letzten Singles objektiv einen scharfen Sound hat, klar durchdringend und stark. Deine Stimme Laura und die Lyrics sind hingegen sanfter. Verträumt und sehnsüchtig, würde ich sagen. Genau anders herum macht ihr es mit euren Videos: roughe, karge und triste Orte, mit einem blumigen Schleier überdeckt. Für mich verbinden sich Einsamkeit/Entrücktsein und Sehnsucht – es gibt eurer Arbeit viel Tiefe. Wie seht ihr das?

Laura: Danke, Hannah. Das freut uns, dass Du das sagst, denn natürlich versuchen wir in unserer Kunst möglichst schnell alle „Äußerlichkeiten“ hinter uns zu lassen und zu irgendeiner „Tiefe“ vorzudringen, weil dort die spannenden Sachen passieren. Um dort hin zu kommen benutzen wir dann Kontraste und Brüche und können letztendlich nur hoffen, dass es gelingt. Wir haben dann auch nur unser eigenes Gefühl als Maßstab. Aber die Melancholie, die Du beschreibst, ohne es jetzt genauer sagen zu können, ist auf jeden Fall ein Ort an dem wir unsere Musik auch verorten würden.

Wie ist die Arbeit an eurem ersten Album für euch bzw. wie war sie und wie beeinflusst es eure bisherige Arbeit und euer Leben?

Laura: Oh, sie beeinflusst unser Leben natürlich immens, schlichtweg weil wir der Arbeit am Album viel Raum gegeben und im Grunde über drei Jahre daran gearbeitet haben. Vielleicht aber auch, weil wir langsam sind lacht

Gregor: Ja, die Songs haben dann einige verschiedene Phasen durchlaufen, in denen wir dann ja auch jeder für sich alleine an den Songs arbeiten. Das startete dann bei fast allen Songs mit kleinen Miniaturen, die Laura auf der Gitarre geschrieben hat, Melodie und Text, aber schon weit fortgeschritten. Diese arbeite ich dann weiter aus und wir spielen sie gemeinsam mit unserem Drummer live. Und als letzten Schritt produzieren wir sie dann aus und nehmen sie in meinem Home-Studio auf (zunächst in Dortmund, inzwischen in Hamburg). Das ist dann also voll „DIY“ – bis wir es zum Mastern an Alex Kloss nach Köln geschickt haben.

Was erwartet die Zuhörer in eurem Debüt Album „Midnight Parade“ und was steckt hinter dem Titel?

Laura: Ja, wir haben versucht, das Album zu machen, das wir selbst gern hören möchten. Sehr zeitgeistig gesprochen: eine Playlist, die in einem durchläuft, vorbei an fernen Traumwelten, harten Tatsachen, wilden Instrumentalpassagen, sogar ein Herzschmerz-Song ist dabei. Mehr wird nicht verraten.

Gregor: Über den Titel sind wir in einem Gedichtband von Billy Corgan gestolpert und wussten sofort: das ist der Albumtitel. Einfach weil er in Kombination mit unserem Bandnamen so einen feierlichen Kontrast bildet und wir wahrscheinlich geahnt haben: wenn das Album mal endlich fertig ist, wird uns nach feiern zumute sein.

In welchen Ländern plant ihr aufzutreten und wo seid ihr bereits aufgetreten?

Laura: Wir treten bisher natürlich vor allem in Deutschland und Holland auf. Aber im Dezember 2018 haben wir unsere erste kurze Italientour gespielt und das war grandios. Wir hätten also nicht schlecht Lust auch noch weiter rum zu kommen mit unserer Musik. Drück uns die Daumen, Hannah.

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