Pink Lint – “Don’t Pull The Rug From Under Your Horse” review

Foto: Benjamin Sickel

Tod, Selbstzweifel, Nihilismus – Pink Lints neues Solo-Album “Don’t Pull The Rug From Under Your Horse” stellt sich dem manchmal unkontrollierbarem Schicksal, dem wir alle schon einmal gegenüber gestanden haben – Veränderungen – Bandauflösung, Trennung, Umzug. Das postmoderne Album des ehemaligen Mainzers ist minimalistisch-experimentell, besticht durch seine wirren, assoziativen Geschichten und verspricht Licht am Ende des Tunnels.

Über seine Texte sagt der Sänger, dass er sie lange schon in ähnlicher Form mit sich rumgeschleppt hätte: “Ich habe eigentlich immer ein Notizbuch dabei und schreibe da permanent hinein, das meiste davon ist ziemlich peinlicher Schrott. Wenn aber etwas Brauchbares hängen bleibt, geht es von da aus auf lose Blätter. Dort bleibt es dann für ein paar Fassungen. Dieser Teil findet meistens in Ruhe, zu Hause und nachts statt”.

“Don’t Pull The Rug From Under Your Horse” klingt vielleicht deswegen auch düster, atmosphärisch, ruhig. Das Album beinhaltet 10 weiche, vor sich hin schwebende Lieder mit harten, komplexen und tiefgründigen Texten – Mac Demarco trifft Marilyn Manson. “Ursprünglich war der Plan, ein Album zu machen, das nur aus Gitarren und Gesang besteht und trotzdem ein orchestrales, schwebendes Feeling hat. Das mit den Gitarren hat irgendwie nur bedingt geklappt … Ich wollte reduzieren und noch mehr Fokus auf den eigentlichen Inhalt legen”.

Der Inhalt ist das eigentliche Juwel des Albums. Der sich selbst als Dylan-Fan bezeichnende Sänger hinterlässt Texte über lustlose, aufblasbare Puppen und größenwahnsinige Nihilisten. Oli erzählt, dass er es mag, “wenn mehrere Bilder nebeneinander liegen und in Kombination verschiedene Assoziationen aufwerfen – bei „Loom“ trifft die gottesnahe Kirsche auf der Torte auf einen vermummten Nihilisten mit größenwahnsinnigen Zügen. Für mich tut sich was in der Mitte der zwei Bilder und ich hoffe, dass man die Verdichtung auf unterschiedlichste Art und Weise entpacken kann”.

Olis merkwürdig-interessante Lyrics scheinen aus den Tiefen seines Unterbewusstseins zu kommen und haben ein Thema ganz besonders im Fokus: Selbstzweifel. Nach der Auflösung der Band dient das Album als Mittel zur Neuorientierung und Selbstfindung. Es begann ein langjähriger Prozess des Schreibens und Aufnehmens, “ohne Band und dem Wissen darum, dass es in irgendeiner Form alleine weiter geht”.

Mit David Hoffmann wurde das Album dann schließlich in Wiesbaden aufgenommen und produziert. Dort entstand auch der klanglich experimentelle Touch des Albums: “Wir waren in einer Art Blase und haben einfach gemacht, was sich gut angefühlt hat. Wir wollten möglichst wenig zurecht schneiden und haben uns teilweise auf glückliche Zufälle eingelassen und mit ihnen experimentiert – David hat es „Prozess ohne Stress“ genannt, war angenehm”.

Vor kurzem war Pink Lint mit A Tale of Golden Keys auf Tour. Oli erinnert sich an eine sehr lange Debatte über einen Mann, “der eine ‘Liebes-Beziehung’ mit einem Delphin hatte mit der Frage, ob das Sinn macht für den Delphin oder nicht.” Man darf also gespannt sein auf das nächste Album. Für Februar/ März 2019 ist eine Wohnzimmer/Clubtour geplant, am 15.2. sind sie im Wakker in Wiesbaden zu sehen.

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