Eduardo Sabella

Eduardo Sabella ist ein wichtiger Akteur in der Mainzer Musik/Jazzszene. Er spielt nicht nur bei Jan Felix May, Idioma, J’Used und IMA KYO E- und Kontrabass, sondern veranstaltet auch die Montags-Jazzreihe “Ganz schön Jazz” im schon schön. Sonntag morgens hat FAUVES ihn in seinem (noch)-Proberaum in Mombach besucht und ihn über seine Musik, die Szene in Mainz und zu Jazz im Allgemeinen befragt. Als kleinen Bonus hat uns Edu eine Playliste mit einigen seiner go-to tracks aus dem modernen Jazzbereich hinterlassen.

Fangen wir an mit deinen Jazz Einflüssen. Wer sind deine Jazzidole?

Edu: Charles Mingus, Flea (Red hot chili peppers), Bill Evans (Pianist), Joshua Redman, Brad Mehldau, Dennis Irwin, John Patitucci. Es sind nicht alle aus dem Jazz, aber das spielt finde ich keine Rolle, weil man sich sonst einschränken würde.

Was für eine Inspiration steckt hinter der Playliste? Haben die Songs etwas gemeinsam?

Edu: Ich glaube meine Inspiration war es zu zeigen was ich gerade so höre, das ändert sich natürlich von Zeit zu Zeit. Wenn ich ein Merkmal benennen müsste, wäre es eine Melancholie oder auch Rastlosigkeit, die alle Songs auf unterschiedliche Weise in sich tragen. Außerdem erlebe ich oft, dass viele Leute ein sehr enges Verständnis von Jazz haben, weshalb ich Songs aus einem relativ breiten Spektrum verschiedener Formen des Jazz ausgewählt habe.

Die Playliste beinhaltet viele Jazz Stücke mit elektronischen Elementen. Wie findest du die Fusion von instrumentalen und elektronischen Genres im Jazz?

Edu: Mir persönlich gefällt das sehr gut, weil des ganz neue Klangwelten und Möglichkeiten eröffnet. Für Traditionalisten und Puristen ist das natürlich nichts, aber im Jazz hat man immer schon experimentiert und das macht ihn für mich so interessant. Diese Entwicklung ist ja auch nicht ganz neu, „der“ Jazz hat sich im Laufe seiner Geschichte schon oft an synthetischen Sounds und anderen Genres bedient. Sehr oft war es bestimmt aber auch umgekehrt.

„Animal Spirits“ von Vulfpeck ist ein komplett anderes Genre als der Rest der Songs auf der Playliste. Generell wechseln Vulfpeck ja oft das Genre. Wie kommt es zu dieser Wahl und mit welchem Genre innerhalb des Jazz’ identifizierst du dich am meisten?

Edu: Vulfpeck ist super und macht Spaß! Ich glaube, zu  dieser Wahl kommt es ganz einfach, weil es gut gemachte Musik ist, die gute Vibes versprüht und groovt. Das Einteilen in Genres finde ich immer problematisch, weil es mir so vorkommt, als würden diese vorgefertigten „Schubladen“ oft verhindern, dass sich die Leute selbst intensiv mit der Musik auseinandersetzen. Es gibt nicht, die eine Sache, mit der ich mich sehr identifiziere, weil mich immer wieder Verschiedenes fasziniert. Mal ist das Zeug aus den 50ern wie die Aufnahmen von Miles unter dem Label „Prestige“ und dann wieder etwas Aktuelles wie Tigran Hamasyan.

Du spielst in ziemlich vielen Bands und Ensembles mit (z.B. Jan Felix May & Band, Idioma, IMA KYO, J’Used). Welche Kraft treibt dich an?

Edu: Ich habe Lust Musik zu machen!

Was machst du für Erfahrungen und was lernst du, wenn du mit anderen Musikern, wie z.B. dem Mainzer Pianisten und Komponist Jan Felix May zusammenspielst?

Edu: Man lernt erstmal musikalisch ganz viel dazu, bei Jan Felix war das zum Beispiel das „Oddmeter“ (krumme Takte) spielen, obwohl ich mich vorher schon damit befasst habe. Aber auch menschlich sind Bandproben und Tourneen sehr prägend: man lernt sich anzunehmen und aufeinander einzugehen. Wir sind Freunde.

Wie sollen Zuhörer deine Jazz-Musik wahrnehmen?

Edu: Unvoreingenommen und ohne Erwartungshaltung. Damit meine ich, dass sich die Zuhörer auf das, was passiert, einlassen sollten und nicht wegen der eigenen Gewohnheiten und Erwartungen den Moment verpassen. Nach dem Konzert, oder wo auch immer man die Musik hört, kann man sich darüber klar werden, was man davon hält. Das ist sehr schwer, aber man kann es ja mal versuchen.

Du veranstaltest u.a. auch jeden Montag die Jazz-Reihe „Ganz schön Jazz“ im schon schön. Was muss passieren, um heutzutage Leute zu erreichen und für den Jazz zu begeistern?

Edu: Die Zielgruppe, um die man sich in meinen Augen aktiv bemühen muss, sind vor allem junge Leute. Deshalb ist wichtig, dass es auch junge Leute gibt, die Konzerte organisieren. Natürlich richtet sich „Ganz schön Jazz“ an alle Menschen, aber auch in meiner Arbeit als Musiker erlebe ich, dass mit zunehmendem Alter mehr Interesse und Eigeninitiative besteht Jazzkonzerte zu besuchen.

Wie würdest du das Verhältnis zwischen Konsum von Musik und Musikindustrie beschreiben?

Edu: Mit der Musik ist es wie mit Allem: Sie muss immer schnell und einfach verfügbar sein und möglichst individuell auf mich zugeschnitten. Das hat zur Folge, dass auch hier Künstlerinnen und Künstler und kleinere Labels unter dem Druck von beispielsweise Streamingdiensten leiden. Am Prinzip Streaming finde ich nichts verkehrt, aber auch die Individuen auf der Angebotsseite sollten angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden.

Was hälst du davon, dass Künstler wie Beyonce Spotify nicht mehr benutzen und ihre Alben exklusiv auf Itunes anbieten?

Edu: Boykott ist eine Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen. Das funktioniert allerdings natürlich  nur, wenn man es sich leisten kann. Beyoncé ist ja schon weltberühmt. Für alle anderen ist es immer noch eine wichtige Plattform, um die eigene Musik zu verbreiten und neue Fans zu gewinnen.

Wie ist deine Beziehung zu Mainz und zur Mainzer Musikszene?

Edu: Ich habe an der Hochschule für Musik in Mainz studiert und bin als aktiver Musiker und Konzertorganisator stark in der Mainzer Szene verwurzelt. Meiner Wahrnehmung nach ist in Sachen Jazz viel in Bewegung. Neben der Initiative „Tonkult e.V.“ und dem regionalen Veranstaltungskalender „Jazztheke“, fällt mir Sebastian Sternal ein, der sich aktiv bemüht Jazz in die Stadt zu bringen. Von Mainz würde ich mir mehr Raum wünschen, nicht nur in Bezug auf Veranstaltung und Teilhabe, sondern auch im wörtlichen Sinne das Schaffen neuer professioneller Proberäume, die für eine lebendige Szene unverzichtbar sind.

Zum Schluss, kannst du ein paar words of wisdom für jüngere Musiker geben?

Edu: Übt die Basics, das hört nie auf! Und besucht Konzerte.

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