LIBELL

Foto: Johannes Schuchardt

Die Musik der Mainzer Band LIBELL bringt uns analog angetriebene Elektropop-Beats und gibt uns mit ihrem Sound ein allumfassendes Gefühl von Frieden und Hoffnung. Mit ihren zuletzt veröffentlichten Singles “Einmal” und “Flieg” beweisen sie, dass die aussagekräftigste Musik vom Herzen kommt.

Manchmal bedeutet Klarheit im Leben bekommen, dass man sich von Orten entfernt, an denen die eigenen Träume von Außenstehendem verschüttet wurden – um sich dann ganz auf seine eigene Stimme fokussieren zu können. Für die Band LIBELL hieß das, sich raus in die Natur zu begeben um inne zu gehen und sich zu entsinnen, was im Leben für einen wichtig ist. Einen Teil davon bietet uns LIBELL in ihren Songs “Einmal” und “Flieg” an. In den Lyrics macht sich ein Gefühl von Verwundbarkeit breit – der Gesang jedoch bleibt selbstbewusst. In der 2016 veröffentlichten ersten Single “Flieg” heißt es: “Schütz dich vor dem Wind, er droht dich umzuwehen. Ich bleibe bis du fliegst”.

In den dunkelsten Momenten bleibt die eigene Leuchtkraft erhalten – und LIBELL scheint der melancholischen Situation gewachsen zu sein. Anstatt vom Scheitern zu singen, was Hand in Hand geht, wenn man etwas oder jemand wichtiges verliert, kommt das, was die Band singt, überzeugend aufmunternd rüber und berührt.

Foto: Annegret Arnold

Jeder von euch macht schon länger Musik. Was hat euch Musik in eurer Jugend bedeutet, was habt ihr für Musik gemacht und wie ist das zu vergleichen mit eurer Musik von heute?

-LIBELL: Wir haben alle am Anfang unserer Teenagerzeit in einem kirchlichen Umfeld angefangen Musik zu machen. Man kann sich das etwas wie eine Jazz-Session vorstellen, jeden Sonntag in anderer Besetzung mit unterschiedlichen Charakteren andere Songs zu spielen – ohne ausgiebiges Proben. Gerade für junge Einsteiger erstmal sehr herausfordernd. Daraus haben sich dann immer wieder andere Bands und Möglichkeiten entwickelt.

Vorrangig waren das Cover und Rockbands, Flo, Sonja und Jo haben noch bis kurz vor Libell zusammen unter dem Namen Beautiful Bride Rock gemacht, Olli trommelt immer noch bei seiner Coverband Atmosfrères.

Musik machen war für uns schon immer eine Möglichkeit uns auszudrücken und Emotionen rauszulassen. Klingt wahrscheinlich abgedroschen, bleibt aber trotzdem wahr. Die Musik selbst ist damit eben auch ständig im Wandel. Vielleicht machen wir auch in den nächsten 10 Jahren eine Entwicklung durch und machen am Ende wieder Rock. Hauptsache Musik, mit der wir gerne auf die Bühne gehen und für die wir unsere Gesichter freiwillig in Kameras halten. Zusätzlich war die Musik auch immer Schuld daran, dass wir sehr viel Zeit miteinander verbracht haben und zusammen unterwegs waren. Das hat uns über die Jahre natürlich zusammengeschweißt.

An welchem Punkt habt ihr euch gedacht: „Wir machen Elektropop“?

-LIBELL: Bei der Gründung von Libell wollten wir etwas anderes machen als vorher. Gleichzeitig sind wir fünf unterschiedliche Charaktere mit teilweise komplett unterschiedlichem Musikgeschmack. Da wir zu dem Zeitpunkt auch Cover gespielt haben, einigten wir uns zunächst also darauf Pop zu machen, weil damit erstmal sehr viele Ideen und Einflüsse unter einen Hut gebracht werden können.

Außerdem haben wir das Glück, mit Sam einen Keyboarder zu haben, der sich tierisch in Synthies und Technik reingefuchst und die ersten Ideen (vor-)produziert hat. Damit musste es auf jeden Fall Synthie-intensive Musik werden und mit Elektropop als “Oberkategorie” konnten und können wir uns gut anfreunden. Für uns ist das Genre also immer nur eine Hülle, in die wir versuchen unsere eigenen Klangvorstellungen hinein zu packen.

Foto: Thomas Kiessling / Lichtrichtung.de

Wenn ihr euch mit den französischen Elektro-Pop Größen Agar Agar und Pendentif vergleichen müsstet, wo liegen Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten?

-LIBELL: Keine Ahnung, wer das ist. Bei französischem Elektropop denken wir eher an Stromae, und der ist Belgier.

Spaß beiseite. Wir beschäftigen uns als Band nicht ausschließlich mit Künstlern, die unserem Genre entsprechen sondern suchen eher nach Möglichkeiten unsere verschiedenen Geschmäcker und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Beim Vergleich mit den genannten Bands fällt uns vor allem der Unterschied in Bezug auf “Bandsound” auf. Mit akustischen Drums, Gitarren und Co. klingen wir wesentlich mehr nach “klassischer” Band.

Wenn man euren neuen Track „Einmal“ anhört, merkt man schon, dass ihr im Vergleich zu eurer 2016 Debüt-EP „Weite Reise“ noch tiefsinnigere Texte schreibt. Welche Richtung geht ihr, was für Veränderungen wird die neue Platte mit sich bringen?

-LIBELL: Wir schreiben tatsächlich über das, was uns aktuell beschäftigt. Bei “Einmal” war das der Tod, während der sechs Monate, in der wir die EP geschrieben haben, wollten wir vor allem gute Laune-Pop machen und haben da positivere Texte ausgewählt. Grundsätzlich kann bei uns jede/r Texte schreiben und vorschlagen, wir wählen dann gemeinsam aus und feilen gegebenenfalls nochmal daran. Dadurch ergibt sich eine gewisse Bandbreite an Themen.

Insgesamt hat sich der Sound bei den aktuelleren (bisher unveröffentlichten) Songs stärker verändert, wir sind luftiger geworden und haben uns vom Sound der beinahe überproduzierten EP entfernt. Das ist sicherlich eine Entwicklung, die man auch auf einem neuen Album wiederfinden wird. Thematisch werden wir dann sehen, welche Songs wir selbst unbedingt veröffentlichen wollen und wie alles zusammenpasst. Wahrscheinlich wird es also kein monothematisches Konzeptalbum mit zusammenhängender, epischer Geschichte.

Hat der Stil eurer Musik einen Einfluss darauf, dass ihr unterschiedliche Stimmungen in euren Liedtexten habt?

-LIBELL: Teilweise. Wir haben in der Vergangenheit oft Texte und Musik parallel geschrieben und dann erst zusammengefügt.

Bei “Einmal” gab es zum Beispiel einen Text, den wir unbedingt machen wollten. Daraufhin haben wir dann Musik produziert. Bei “Frei” gab es zunächst den Track, auf den dann ein Text geschrieben werden sollte. In diesen Fällen gibt natürlich das eine die Richtung für das andere vor. Bisher haben wir jedenfalls keine Songs geschrieben, in denen die Stimmung von Text und Musik komplett entgegengesetzt sind.

Aber wir wollen uns ungern festlegen. Weite Reise ist Singer-Songwriter-typisch im WG-Zimmer mit der Gitarre geschrieben und später ausproduziert worden, während die Kernidee zu Flieg während einer Jam-Session entstanden ist. Insgesamt haben wir also verschiedene Methoden um Songs zu schreiben und sind weiterhin auf der Suche nach DER perfekten Arbeitsweise für uns.

Wenn wir die Hit-Blaupause gefunden haben, schreiben wir sicher ein Buch, das ihr gerne kaufen dürft. 😉

In „Einmal“, aber auch in „Flieg“ bekommt man das Gefühl, dass ihr die Vergangenheit verarbeitet und auf der Suche nach etwas seid. Was sucht ihr?

-LIBELL: Gute Frage. Wir starten die EP und viele Live-Sets ja mit dem Song “Weite Reise”, der genau das zum Thema hat – eine gewisse Rat- und Rastlosigkeit und das Gefühl keine ultimativen, befriedigenden Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu bekommen. Warum, woher, wohin und weshalb wird die Menschheit sich höchstwahrscheinlich ewig fragen. Wir versuchen insgesamt herauszufinden, wie wir jeder individuell sowas wie ein gutes und glückliches Leben führen kann und was die Dinge im Leben sind, die für uns die Welt bedeuten.

Wart ihr jemals überrascht, mit einer bestimmten Band verglichen zu werden? Mit welcher Band vergleicht ihr euch bzw. welche Band fasziniert euch?

-LIBELL: Da gibt’s keine einheitliche Meinung oder “Vorbilder” für alle. Wir haben alle unterschiedliche Musikgeschmäcker und kriegen die mal mehr und mal weniger unter einen Hut.

Bisher werden wir mit meistens mit Glasperlenspiel oder Mia verglichen. Wir selbst suchen da gar keinen direkten Vergleich.

Zurzeit macht ihr die Bandcontests der Region unsicher. Welche Erfahrungen nehmt ihr von diesen Veranstaltungen mit?

-LIBELL: Insgesamt ganz gute. Wir haben über die drei Contests, die wir gespielt haben einige Auftritte an Land gezogen und coole Bands kennengelernt. Trotzdem ist es auf Sicht problematisch, dass es gefühlt immer weniger reguläre Konzertreihen und immer mehr Wettbewerbe gibt.

Die entstehen unserer Meinung nach daraus, dass die Locations ohne diesen Wettbewerbsdruck nicht mehr voll werden und Live-Musik mit kleinen lokalen Bands für die Venues nicht mehr profitabel oder auch nur kostendeckend ist. Die Risiken der Veranstalter werden dann an die Bands weitergegeben, wenn die z.B. Tickets für 200€ abnehmen müssen. Wenn man, wie wir, noch FOH-Techniker und Transporter bezahlen muss, kostet so ein Konzert schnell ein paar hundert Euro. Das ist für kleine Bands, die sich ihre Fanbase erstmal erspielen müssen, auf Dauer nicht machbar. Die Alternative sind dann entweder kleine Locations mit schlechtem Sound oder eben selbst zum Veranstalter zu werden, was ein noch größeres Risiko mit sich bringt. Großes Dilemma, für das wir auch keine Lösung haben. Außer den Apell: Geht auf Konzerte! Gebt Geld für Musik aus!

Wie geht es in Zukunft weiter mit euch? Wann seid ihr als nächstes wo zu sehen?

-LIBELL: Wir schreiben weiter an neuen Songs und hoffen, in den nächsten zwei Jahren ein Album zu produzieren. Ansonsten spielen wir eben so viel wie möglich Live und nehmen Anfragen gerne entgegen. 😉 Unsere nächsten Termine sieht man immer am besten auf unserer Facebook-Seite.

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