DJ Eddy Hernández (Mach mal Langsam Kollektiv)

Eddy Hernández von dem Mach Mal Langsam Kollektiv hat es sich in der Swing-Hängematte seiner Heimat-WG in Mainz-Bretzenheim gemütlich gemacht. Der kolumbianische DJ ist längst eine feste Größe in der Mainzer Musikszene geworden. Bei Veranstaltungen wie im Peng oder im Haus Mainusch in Mainz, aber auch deutschlandweit und auf zahlreichen Festivals ist Eddy mit seiner tropikalischen Down Tempo Elektromusik zu sehen und zu hören. Zeit also für ein Interview auf fauves.de.


Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin Eddy Hernández und ich komme aus Barranquilla, Kolumbien. Das ist eine Stadt ganz im Norden Kolumbiens, direkt am Meer. Dort bin ich auch groß geworden. Nach meinem Abitur habe ich angefangen, in Baranquilla Architektur zu studieren… das war aber mehr ein „Familienwunsch“. Deswegen habe ich das auch nur zwei Semester lang studiert. Das Studium hat mir zwar gefallen, meine große Leidenschaft war aber seit meiner Kindheit die Musik. 

Was für Musik?

Tropikalische Musik, z.B. Salsa, Cumbia und vor allem afrikanische Musik, die einen großen Einfluss auf unsere Musik an der karibischen Küste hat. Die meiste Musik habe ich in meinem familiären Umfeld aufgeschnappt.  Musik ist für meine Familie sehr wichtig, sie hören ständig nur karibische Musik, das gehört zu unserer Folklore. Ich hatte immer großes Interesse an den Rhythmen und es war für mich als Jugendlicher ein Traum, in einer Band zu spielen, die tropikalische Musik macht. Mit 12 Jahren bin ich in eine Musikschule in Barranquilla gegangen und habe gelernt, Drums zu spielen. Dort habe ich auch viele andere Musiker aus der Region getroffen. In meiner Heimatstadt gehören alle zu einer großen Familie, die zusammenarbeiten, und so begann auch meine DJ Karriere.

Wo waren die Anfänge deiner DJ Karriere?

Ich bin bei meinem Vater und meiner Oma groß geworden. Bei Oma war der Treffpunkt von meiner ganzen Familie. Meine Familie ist ziemlich groß. Mein Vater hat z.B. sechs Schwestern und jede hat Kinder. Jeder Geburtstag wurde bei meiner Oma gefeiert. Musik ist für uns alle sehr wichtig. Alle Leute hier tanzen von klein auf. Bei meiner Oma liegen unglaublich viele Platten, tropikalische Musik, Hits. Als ich 8 Jahre alt war hatte ich bereits ein großes Interesse für die Platten. Ich sollte jedoch mehrere Stunden warten müssen, nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem alle Familienmitglieder besoffen sind, um anzufangen, Musik aufzulegen. Da ich stundenlang da war und meine Familie beobachten konnte, wusste ich, was sie hören wollten. Dieser Wunsch, DJ zu werden, hat sich zu dieser Zeit entwickelt. Während des Architekturstudiums hatte ich jedoch erstmal ganz andere Ziele.

Nach meinen 2 Semestern Architektur habe ich mit einem Kumpel CD-Players gekauft und sind nach Bogotá gegangen, denn dort hatten wir viele Kontakte. Durch Parties und das Vermieten unseres Equipments war es mir dann auch möglich, das Studium in Bogotá zu finanzieren. So konnte ich meine DJ Karriere wieder aktivieren.

Hat sich dein Musikgeschmack in den Jahren verändert?

In Barranquila habe ich Leute aus Deutschland getroffen, die uns nach Deutschland eingeladen haben. So hat eigentlich alles angefangen. In Deutschland dann habe ich meine Frau Hanna kennengelernt, die mich von Anfang an unterstützt hat. Meine Musik habe ich in dieser Anfangszeit in Deutschland sehr auf die Down Tempo Musik ausgerichtet. Das ist eine Bewegung, die es noch nicht so lange gibt, vielleicht seit 7 Jahren. Sie ist hier in Deutschland bekannt geworden. In Mainz und der ganzen Region haben wir diese Bewegung mit unserem Team Mach Mal Langsam schon sehr beliebt gemacht, es gibt aber immer noch viele Orte, wo die Musik sehr innovativ und neu ist, wo die Leute sagen: „Wow, was ist das für Musik?“. Natürlich gibt es dann aber auch Techno-Puristen, die diese Musik nicht so gerne mögen.

Mein Geschmack ist mittlerweile soweit gereift, um zu wissen, was genau ich will. Die Musik, die ich jetzt mache, hat viel mit mir zu tun und ich identifiziere mich sehr mit ihr.

Wieso hat die Musik etwas mit dir zu tun?

Die meisten Elemente von der Musik, die ich spiele, kommen aus der Folklore aus Lateinamerika: Cumbia, Salsa, Champeta, Reggae, z.B. Ich fühle mich wohl, mit dieser Musik zu arbeiten. Die Struktur der Musik ist super. Man kann mit ihr chillen, feiern, aber auch von ihr lernen. Jeder Song erzählt eine  Geschichte. Geschichten, die vom Herzen kommen. Das Publikum interessiert sich dafür und viele Leute kommen auch zu mir und wollen wissen, was das für Musik ist, die ich da auflege. Dann erkläre ich den Leuten immer, dass das Lied so und so heißt und z.B. über eine Frau handelt, die aus Peru kommt. Im Vergleich zu einem Song, den man im Radio hört, ist an meiner Musik besonders, dass man ein Set von mir nicht nur hört, sondern auch mehr darüber wissen möchte und in der Konsequenz, mich anspricht und ich auf meinen Veranstaltungen viel über das Set erzähle.

Alles in allem spiegelt das Set immer meinen Charakter wieder, es ist wie ein Spaziergang: vom Dschungel in Südamerika und seinen tropikalischen Klängen bis nach Europa, zur modernen Elektroszene.

Wie würdest du so ein Set von dir beschreiben?

Wenn ich ein Set produziere, möchte ich zunächst einmal eine Struktur machen. Normalerweise besteht die Struktur eines Songs aus einem Intro, einem Körper und einem Break, so fang ich an.

Das Problem heißt Location. Wir müssen einfach weiterhin versuchen, in den wenigen Räumen, die uns geboten werden, großartige Parties zu veranstalten.

Es ist dabei sehr wichtig, für wen ich dieses Set mache, ich sammle Ideen, wie ich die Leute in eine bestimmte Stimmung versetzen kann. Ich schaue dann auch, wer vor mir spielt, wer nach mir. Ein Set geht bei mir meistens mit Folklore los, leichte Sachen, ich gebe eine Art Einführung in meine Musik. Alles in allem spiegelt das Set immer meinen Charakter wieder, es ist wie ein Spaziergang: vom Dschungel in Südamerika und seinen tropikalischen Klängen bis nach Europa, zur modernen Elektroszene.

Wie erlebst du das Publikum in Mainz? Wie ist das drauf?

Es war wichtig, dass ich vor dem Anfang des Projektes schon bekannt in Mainz war. Ich denke, dass man als DJ überall sein muss. Die Leute müssen sehen, dass du da bist. Ich habe immer zur After Hour Leute zu mir nach Hause eingeladen. Da haben mir die Leute immer gute Rückmeldung gegeben. Im Haus Mainusch habe ich das erste mal mit meiner Gruppe Mach Mal Langsam aufgelegt. Es war Bombe. Seitdem habe ich eigentlich nur coole Parties erlebt.

Solange Leute sehen, dass du das professionell machst und dass es nicht nur ein Hobby von dir ist, dann glauben die Leute an dich und schätzen es sehr. Das Publikum hat gemerkt: „Ok, Eddy macht es richtig“. Für mich ist es bei meinem Job auch sehr wichtig, einen fürsorglichen Umgang mit den Leuten zu pflegen. Während Veranstaltungen mache ich mir z.B. immer Sorgen, wenn jemand nicht reinkommt oder wenn es regnet und die Leute noch draußen Schlange stehen. Ohne Publikum wäre ich garnichts. Ich lache immer, freue mich, vertraute und neue Gesichter zu sehen und mache mein Ding vom Herzen. Leute können sehen, dass ich meinen Job liebe.

Mainz ist mittlerweile meine Heimat geworden. Hier habe ich ein Familiengefühl und hier bin ich zuhause.

Im Moment ist es hier in Mainz ein wenig chaotisch. Alles geht so ein bisschen unter.

Was denkst du von der Mainzer Musikszene. Was geht in Mainz?

Im Moment ist es hier in Mainz ein wenig chaotisch. Alles geht so ein bisschen unter. Viele Clubs haben zugemacht. Die Elektroszene war früher viel stärker. Jetzt gibt es fast keine Locations mehr, wo man Parties machen kann. Die Planke Nord war meiner Meinung nach die beste Location, die Mainz hatte. Das Hais Mainusch muss auch bald aufhören. Das macht es schwieriger, in Mainz zu arbeiten. Ich glaube, das Mach Mal Langsam Kollektiv, Fuchsbau (Fogxig) Kollektiv und die Kollegen von Mainz Sound System u.a. sind im Moment diejenigen, die viel organisieren.

Das Problem heißt Location.

Gibt es eine Veränderung ins Positive?

Das Problem heißt Location. Wir müssen einfach weiterhin versuchen, in den wenigen Räumen, die uns geboten werden, großartige Parties zu veranstalten.

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