PABST

Am Freitag, den 7.09. um 20:00 (Einlass 19:30), geht im schon schön in Mainz mal wieder die Post ab – zu Gast ist nämlich die Berliner Band PABST (Support: The Lumes). In den Musikportalen online setzt man viel auf die Band: “an absolute find and a hidden gem of 2018” (keepitfast.com) und “Hier braut sich sehr, sehr Großes zusammen.” (beatblogger.de). FAUVES bringt kurz vor dem Konzert ein Interview heraus.


Was ist PABST?

Erik: Für mich ist Pabst eigentlich so eine Art Spielplatz, wo man sich ausprobiert und austobt und wo man sich nicht beweisen muss, außer vor sich selbst.

Tore: Musik machen ist im Prinzip gerade die einzige Sache , die ich überhaupt mache.

Tilman: Für mich ist es wie Urlaub von dem ganzen 9to5-Alltag.

Im Lied “Shake The Disease” singt ihr “Shake the disease / say no to the police”. Was ist eure Idee hinter diesem Song?

Soweit ich weiß, gibt es den Ausdruck „shake the disease“ nur in dem gleichnamigen Depeche Mode Song. Oder zumindest habe ich sie daher entliehen. In dem Song geht es ja um die „Krankheit“ die den Erzähler die falschen Dinge sagen lässt, und die er abschütteln muss. Ich dachte, man könnte das natürlich auch auf ganz andere Sachen beziehen. „Police“ war der erste Reim, der mir sofort in den Sinn kam. Solche Zufälle gefallen mir, da versuche ich dann immer den Faden weiter zu spinnen. Die Idee einer Polizei also als Symptom einer Krankheit? Ok. Die ganze Scheiße, die du anhäufst, weil man sie dir verkaufen will, könnte man dazu zählen; Wohnung, Auto, der ganze Kram. Das lyrische Ich ruft also im Prinzip dazu auf, klar Schiff zu machen, alles auf Null zu stellen und von vorne zu beginnen. Mit nichts, aber immerhin „gesund“.

Viele eurer Lieder haben eine sehr politische Thematik. Was glaubt ihr, wie die Zukunft Deutschlands aussehen wird?

Das ist natürlich extrem schwer zu sagen, aber vieles deutet darauf hin, dass wir uns hier (und überall) immer uneiniger werden. Es werden Dinge passieren, die zu Einsicht führen könnten, das aber erfahrungsgemäß nicht eintreten wird. Menschenströme, Katastrophen, neue Technologien, damit verbundene neue Auffassungen vom Mensch und der Zivilisation usw. Leute werden ja nun immer älter und irgendwann macht der Kopf zu. Die Entwicklung um einen herum passieren viel zu schnell, als dass sich viele damit ihr Leben lang auseinandersetzen wollen oder können. Dabei wäre das super wichtig, immer offen und wach zu bleiben, Situationen auch mal aus anderen Perspektiven zu betrachten.

 

Ihr kommt aus der Elektro-Hauptstadt Berlin. Was habt ihr für Gefühle gegenüber dieser Szene und wie kommt die Rockmusik in Berlin (da noch) an?

Wir haben alle Berlin eigentlich nur marginal als Elektrostadt wahrgenommen. Man weiß halt, es gibt Clubs wie das Berghain und man kann hier lange durchfeiern und so, und dann gewöhnt man sich daran. Ich glaube diese Mentalität blutet auch ein Stück weit in andere Szenen, aber auf einem anderen Niveau. Das schöne an solche großen Städten wie Berlin ist ja dass hier theoretische jede/r ihr/sein Plätzchen finden und bewohnen kann (wobei THEORETISCH groß geschrieben). Es gibt hier so ziemlich alles an Szenen. Wir gehören eigentlich keiner davon an und sind mal hier, mal da unterwegs.

Ihr sagt, dass eure Musik Elemente aus noise-rock, stoner-rock und R&B hat. Was bedeuten diese drei Musikrichtungen im Einzelnen für euch?

An Noiserock ist ja interessant, dass ein Grundlegender Teil der Musik auch mit dem Sound zu tun hat, und der recht viel Platz einräumt. Das spiegelt sich in unserer Herangehensweise dadurch, dass wir uns schon Gedanken machen wie etwas klingen soll, ohne auf allzu bekannte und erprobte Ideen zurückzugreifen. Stoner, da bin ich mir nicht so sicher. Ich hab früher super religiös Wüstenrock gehört, weil mich daran irgendwas berührt hat. Das versprüht für mich immer so ein krasses Gefühl und klingt so groß und mächtig, strahlt auf der anderen Seite aber wiederum so völlige Gelassenheit aus. Grundlegende Ideen sind da sicher auch im Songwriting hängen geblieben, auch wenn es um Simplizität geht. Die R’n’B Sache ist zweischneidig. Einmal haben wir den gesungenen Teil vom Pras’ Song „Ghetto Supastar“ gecovert – das war auch unser erstes Lebenszeichen – und außerdem sind wir beim Schreiben recht stark beeinflusst von R’n’B Groups der 60er; The Shangri-Las, The Supremes, Lovelites und ähnlichen.

Was zeichnet gute modern rock music aus? Gibt es eine Band, die ihr außer PABST empfehlen könnt?

Zeitgemäße Rockmusik steckt zunächst erstmal nicht ihre gesamte Energie in die Eier und steht nicht zu breitbeinig da, es sei denn aus Persiflage. Rockmusik muss nicht unbedingt übertrieben maskulin sein, auch nicht wenn sie von Männern gemacht ist. Sie schwelgt nicht in Nostalgie, wobei sich das nicht so sehr in der musikalischen Form abbilden muss; beispielweise Mittzwanzigern, die 70er inspirierte Musik machen Nostalgie vorzuwerfen ist kompletter Schwachsinn und heute tote, oder vergreiste Genres aufzugreifen sogar sehr zeitgemäß! Immerhin ist gerade „altes Zeug“ so zugänglich wie noch nie. Ob du dir obskuren Bluegrass aus den 50ern oder die neue RIN Single anhören willst, ist dir überlassen, beides ist nur einen Klick entfernt. Das kommt einem erstmal so selbstverständlich vor, aber eigentlich ist das DER Faktor für ein Zeitgemäßes Verständnis von Musik. Empfehlen würden wir uns selbst schonmal nicht. Nur eine andere Band ist auch eigentlich unmöglich. Es gibt so vieles, was grad auch im „Rock“-bereich interessant und Aussagekräftig ist oder einfach Spaß macht, dass man das schon weiter einengen müsste. Aus unserem quasi-Umfeld könnten wir da z.B. Odd Couple, Ilgen-Nur, Dream Wife oder John Moods nennen.

Auf der Labelseite steht über euch, dass ihr mit “female pop groups from the early 00s” flirtet. Wer sind die glücklichen female pop groups?

Das bezieht sich wahrscheinlich auf das Ghetto Supastar Cover, im Original von Mya. Oder darauf, dass wir doch recht viel Destiny’s Child, oder TLC gehört haben.

Ihr habt gerade euer neues Video “Waterslide” veröffentlicht. Was genau ist da los?

Wir haben dieses alte Schwimmbad in Herzberg als Drehort nutzen können und dementsprechend versucht eine Story zu schreiben. Also wir spielen Mitarbeiter des Schwimmbades, die irgendwann während ihres Tages einfach unerhörter Weise ihre Tätigkeiten hinschmeißen und wie hypnotisiert ins Wasser springen, dort viel zu lange bleiben und sich am Ende einfach auflösen. Darin kann man eine total tiefgreifende Metapher suchen und finden oder auch gar nichts, je nach dem.

Gibt es einen Unterschied für euch zwischen einem Konzert in einer großen Stadt wie Berlin und einer kleineren Stadt, wie bald in Mainz?

Ja, die Größe der Stadt. Nee, im Ernst, man merkt, dass sich Veranstalter in „kleineren“ Städten häufig mehr Mühe geben. Ist beim Schon Schön zum Beispiel der Fall!

“CHLORINE” Tour
05.09. Nürnberg, Club Stereo
06.09. München, Orangehouse
07.09. Mainz, Schon Schön
09.09. Köln, Blue Shell
11.09. Dresden, Ostpol
12.09. Hannover, Lux
13.09. Hamburg, Molotow Skybar
14.09. Bremen, Lagerhaus
15.09. Berlin, Badehaus

20.09. Leipzig, Ilses Erika w/ Wolf Mountains
21.–22.09. Sindelfingen, Dit is Schade Festival
29.09. Förste, Sweet Festival
28.–30.09. Dortmund, Way Back When Festival


Foto: Jette Knaack

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