Lucie (Lilli Rubin)

Lucie kennt man nicht nur durch ihre Auftritte in der Gesangs-Castingshow “The Voice”, sondern auch als Sängerin der Mainzer Band Lilli Rubin. Das Fauves Team um Fotograf Raphael und Autor Philipp war mit ihr in Mainz unterwegs und hat sie zu ihren musikalischen Anfängen, der kommenden EP von Lilli Rubin, dem Mangel an Proberäumen und ihrem Verhältnis zur Musikindustrie befragt.




Woher kommst du und wie lange lebst du schon in Mainz?

Mein Mietvertrag hier in Mainz hat am 15. Juni begonnen. Seitdem versuchen wir unsere Wohnung schön einzurichten. Ich bin mit meinen zwei besten Freundinnen nach Mainz gezogen und wir haben uns damit gerade den Traum von unserer Mädels-WG erfüllt. Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Bingen, aus einem 800-Seelen Dorf und bin somit ein richtiges Mädchen vom Land.

Kannst du uns etwas über deine Familie erzählen? Sind sie musikalisch und was sagen sie zu deiner Musik?

Meine Familie ist sehr wichtig in meinem Leben und steht über allem. Ich habe mit fünf Geschwistern eine recht große Familie. Meine Mama spielt ein bisschen Gitarre und singt, aber sie macht das mehr für sich. Das ist übrigens meine erste Kindheitserinnerung an Musik – meine Mama wie sie „Hit The Road Jack“ oder „Son Of A Preacher Man“ auf der Gitarre spielt und dazu singt. Ich denke, sie hat mein Umfeld so gestaltet, so dass Musik schon immer eine große Rolle für mich gespielt hat. Der Rest meiner Familie unterstützt mich in eigentlich allem, was ich so treibe. Sie sind große Fans von Lilli Rubin und versuchen zu vielen Konzerten zu kommen. Da wir alle in ganz Deutschland verteilt sind, tun es für meine Nichten manchmal aber auch einfach die Tante Lucie Songs, die es so auf Youtube zu finden gibt.

Wie und wann kamst du dazu, zu singen?

Mit Musik und Gesang hatte ich schon immer Kontakt. Ob im Kindergarten, auf Freizeiten am Lagerfeuer oder Musicals in der Grundschule, ich habe immer schon gerne gesungen. Es gibt keinen zündenden Startschuss mit dem ich beschlossen habe, zu singen. Singen ist für mich intuitiv und ich denke, es wird einem in die Wiege gelegt. Es ist wie eine Charaktereigenschaft, die von Anfang an da ist und ein Teil von mir ist.

Zu welchem Zeitpunkt hast du dich entschieden, selbst Musik zu machen?

Meine erste Band, da war ich 13, hieß Lucie and the Bitches. Ich wurde damals von Max und Leon gefragt, die heute immer noch mit mir in unserer aktuellen Band Lilli Rubin spielen. In der 11.Klasse war ich dann ein Jahr im Ausland und wir mussten das Projekt unterbrechen. Als ich 2013 zurückkam, haben wir uns mit der Band Common Braxas aus Bingen, wo Max zwischenzeitliche als Gitarrist gespielt hatte, zusammengeschlossen. Daraus ist Lilli Rubin entstanden. Die ersten eigenen Songs haben wir dann Mitte 2014 geschrieben.


Wie gehst du vor, wenn du Texte schreibst? Was inspiriert dich?

Ich bin eine Person, die sich ständig sehr viele Gedanken über sehr viele Dinge macht. Denken, manchmal auch überdenken, ist mein Ding. Für meine Texte ziehe ich mir eine Gedankenschnur aus meinem großen Gedankenwollknäul heraus. Oft sind es die Themen, die mich am meisten beschäftigen oder das, woran ich mich am längsten aufhänge. Das können dann auch sehr abstrakte Sachen, meistens aber Gefühle oder Situationen, sein. So wie zum Beispiel Freundschaft („Veronika“), eine Nacht in den Straßen von Mainz („Nacht“) oder das Gefühl nicht auf einer Wellenlänge mit seinem Gegenüber zu sein („Wortlos“). Inspiration finde ich also in allem was ich sehe, höre und fühle. Die richtigen Worte zu finden ist dann der nächste Schritt. Manchmal fällt es mir leicht, manchmal muss ich echt viel daran arbeiten. Das liegt zum Teil auch daran, dass es eine Art Selbsttherapie ist, meine Gefühle zu Papier zu bringen und auszuformulieren, was ich denke.

Ihr habt auf Youtube ein Lied von Paramore gecovert. Wie kam es dazu?

Paramore ist meine absolute Lieblingsband. Ich bin ein großer Fan und fand sie anfangs vor allem cool, weil es dort auch eine weibliche Leadsängerin gibt. Lucie and the Bitches klang sehr wie das alte Paramore, sehr rockig. Das neue Paramore Album ist aber tatsächlich rein soundtechnisch genauso, wie ich es mir für Lilli Rubin vorstelle. Deswegen konnte ich auch die Jungs überzeugen einen Song vom neuen Album zu covern, selbst wenn dieser nicht auf deutsch ist.


Ihr bringt bald eine EP raus. Was hast du für ein Verhältnis zur Musikindustrie?

Als ich bei „The Voice“ mitgemacht habe, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass Musik nicht nur Lieder und Noten sind, sondern auch ein ganzes Business dahintersteht. Ich habe zu dieser Zeit gemerkt, dass ich in meinem Leben so viel Musik wie möglich machen möchte und mir wurde klar, dass man im Endeffekt irgendwo auch Geld verdienen muss, wenn man es professionell machen und davon leben möchte. Deswegen gehört zu einem Künstler auch jemand, der seine Musik managt, produziert und vermarktet.

Wie bringst du Erfolg und Selbstentfaltung unter einen Hut?

Ich glaube, ich muss erst einmal schauen, wie ich für mich Erfolg und Selbstentfaltung definiere. Im Moment befinde ich mich noch in einer Selbstfindungsphase und muss entscheiden, was ich mit meinem Leben anfange. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich mich nicht für den Erfolg verkaufen möchte. Ich glaube aber auch nicht, dass man es – selbst in der Popmusik – zwingendermaßen muss. Gerade als Künstler hat man ja in viele Richtungen viele Freiheiten. Nichtsdestotrotz ist mir natürlich bewusst, dass ich bereit sein muss, in meinen Traum zu investieren, und hier und da auch eventuell Abstriche machen muss.

Wohin geht es mit der neuen EP von Lilli Rubin?

Es wird ein sehr moderner, junger und internationaler Sound. Poppig, sodass es im Radio laufen kann. Musik für viele Menschen. Mit der EP gehen wir musikalisch auf jeden Fall genau in die Richtung, wie es sich die Jungs und Ich für Lilli Rubin vorstellen: Treibende Rhythmusfraktion, hookige Gitarrenlines und moderne Synths.




Außerdem rücken wenig jüngere Bands nach. Das liegt unter anderem daran, dass es viel zu wenige bzw. nur unbezahlbare Proberäume in Mainz gibt. Deswegen proben wir in Bingen.

Macht ihr auch Kollaborationen mit anderen Bands?

Wir hatten bislang noch kein Feature mit einer anderen Band. Wir hätten allerdings richtig Lust auf ein Rap-Feature für einen Song auf der EP. Außerdem wäre ein Remix cool. Wir können uns aber auf jeden Fall vorstellen, mit anderen Bands zusammen zu arbeiten.

Wie nimmst du die Mainzer Musikszene wahr?

Es gibt sehr viele Musiker in Mainz gibt, die auch alle sehr viel Lust haben, Musik zu machen. Darunter auch einige, die wirklich Potential haben. Es fehlt aber meiner Meinung nach leider an Orten und Möglichkeiten, junge Bands auftreten zu lassen. Gerade für die Original Acts würde ich mir wünschen, dass sie mehr gefördert werden. Außerdem rücken wenig jüngere Bands nach. Das liegt unter anderem daran, dass es viel zu wenige bzw. nur unbezahlbare Proberäume in Mainz gibt. Deswegen proben wir in Bingen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn man den Mainzer Musikern mehr Raum, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Stadt bietet.





Fotos: Raphael Foidl (Instagram / Homepage )

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