Anna And A Riot – frischer Indie-Wind mit ausdrucksstarker Frontsängerin in Mainz

Die fünfköpfige Mainzer Band Anna And a Riot bringen frischen Indie-Wind in die Mainzer Musikszene. Ihre Texte und Bühnenauftritte sind energievoll und kritisch – und animieren somit zum Tanzen und gleichzeitig zum Nachdenken. Fauves hat sie vor ihrem Konzert auf dem AstaSommerfest interviewt. Am 18.8. treten sie mit am I millionaire und anderen Künstlern in der Pfarrei St.Bonifaz Mainz im Rahmen einer Benefizveranstaltung auf.

Wie drückt ihr eure Identität durch die Musik auf der Bühne aus?

Lea: Ich drücke meine Identität viel über die Themen der Songtexte aus, bei dem ein oder anderen Text nehmen wir uns aber auch nicht zu ernst. In “No Doubt” geht es um emanzipierten Bierkonsum und sagt aus, dass eine Frau für eine nette Konversation mit einem Mann auch gerne sagen kann, dass sie ein Bier ausgegeben haben möchte. Viel von unserer Identität wird auch durch unseren Musikgeschmack ausgedrückt, den wir durch gemeinsam verbrachte Zeit auf Festivals und Konzerten entwickelt haben.

Steff: Lea sagt gerne ganz direkt, was sie denkt, und kann das mit der Musik und ihren Texten vermitteln.

Simon: Wenn es darum geht, seine Persönlichkeit auf der Bühne auszudrücken, ist Lea vorne mit dabei – sie geht total ab und zieht dabei auch alle anderen aus dem Publikum mit und sorgt so für eine großartige Stimmung.

Deswegen frage ich, du bist sehr ausdrucksstark auf der Bühne, Lea.

Lea: Ja das stimmt, aber wenn du zu uns in den Proberaum kommst, wirst du mich als eher zurückhaltend erleben.

Masse: Ich denke, dass man nicht nur an den Themen der Texte, sondern auch dem Klang der Musik die Stimmungslage von uns wahrnehmen kann. Beim Schreiben eines Songs verändert sich die Stimmung der Musik durch das Zusammensein im Proberaum, so dass ein Song mehrere Ebenen von Emotionalität hat. Als Beispiel wäre da “Horizon”, einen Song den ich anfangs als melodisch und melancholisch angesetzt hatte, durch das Einwirken von meinen Bandkollegen aber viel mehr drive bekommt. Dadurch, dass wir alle unsere Prise dazugeben, wird unsere Musik oft sehr interessant und vielschichtig.

Lea: Wir legen großen Wert auf Melodien, die vor allem auf der Gitarre und dem Bass umgesetzt werden, … dann gibt es treibende beats zwischendrin, aber auch Langsameres, so dass der Hörer Abwechslung hat und bei einem plötzlichen Beatwechsel beim Tanzen auch mal kurz stoppen muss.

Wie vereinbart ihr eure unterschiedlichen Musikgeschmäcker mit dem, was ihr dann letztenendes produziert. Ich denke da an die Sängerin Beth Dito, der damaligen Band The Gossip, deren Musik euch sehr ähnlich ist. Sie hat in ihrer Musik immer wieder versucht, ihre Punk Vergangenheit mit der Indie Ausrichtung von The Gossip zu vereinbaren.

Masse: Ich denke, der Musikgeschmack kommt bei uns sehr subtil rein. Ich höre relativ viel Indie-Rock und Indie-Pop, z.B. The Strokes, Wombats, Two Door Cinema Club, The Kooks, und da gibt es dann gewisse Stilmittel, die dann wieder ins Gedächtnis kommen, wenn man einen Song schreibt. Man hat es dann nicht bewusst geklaut, aber sich dann doch von seinen Hörgewohnheiten beeinflussen lassen.

Lea: Ich liebe die 80er Rock/Alternative Musik von Blondie z.B. Bei ihr gefällt mir vor allem die Bühnenpräsenz. Da gucke ich mir ab und zu etwas ab.

Masse: Unser Bassist, der gerade noch unterwegs ist, hört gerne Elektro-Musik. Er mag es ein bisschen funkiger und peppiger  … er kommt deswegen mit ganz anderen Ideen und dadurch vermengt sich bei uns viel, wenn wir gerade an einem neuen Song schreiben.

Simon: Wenn so etwas passiert muss man nichts groß vereinbaren, das ergänzt sich ganz automatisch, das eine resultiert aus dem anderen.

Steff: Ich höre z.B. zuhause gar kein Indie, ich höre klassischen Rock wie The Who, Johnny Cash – aber am liebsten tatsächlich Hard-Rock, was sich nun gar nicht in unserer Musik widerspiegelt. Da entsteht dann wirklich Kunst, weil das gespielt wird, was gut zusammenpasst – und das gefällt mir dann auch. Wir mussten am Anfang auch gar nicht groß auf die Suche nach dem gehen, was wir machen wollten. Bei unserem ersten Song, “Measure you high”, habe ich irgendetwas gespielt, klassischerweise einen off-beat oder so etwas, und dann ist irgendwie ein Song entstanden, den wir sogar heute noch spielen. Ich würde sogar fast sagen, dass “Measure you high” einer meiner Lieblingssongs ist, weil er gut vorwärts geht und alles hat, was ein guter Song braucht.

Masse: Beim Songschreiben ist es nie so, dass man sich gegenseitig etwas vorschreibt. Meistens ist es so, dass jemand einen Riff vorschlägt und dann versucht wird, danach zu spielen. Danach denkt sich jeder etwas dazu und gleichzeitig behält jeder seine Hoheit bei, indem jeder eben die bereits erwähnten Einflüsse mit reinbringt.

Simon: Um noch einmal auf Beth Dito zu kommen: Sie hat eine gewaltige Stimme und schafft es, mal dreckig zu klingen aber auch Balladen zu singen. Das kann Lea auch.

Ihr nennt euch Anna And a Riot. Welchen Aspekt eurer Musik drückt das Riot aus?

Lea: Der Begriff riot bezieht sich jetzt nicht 100% auf unsere Texte. Wir haben zwar hin und wieder punkige Elemente in unserer Musik, zu denen man gut abtanzen kann, aber wir sind generell keine Punkband und wollen auch keinen Aufstand anzetteln. Andererseits kokettieren wir mit dem Begriff. In unserer Band-Bio steht: “Kommt vorbei, tanzt mit uns ab”. Dabei geht es dann um das gewaltige Tanzen und laut sein.

Riot ist eigentlich eher der Geschichte des Bandnamens geschuldet. Wir haben lange nach einem Bandnamen gesucht. Der Name sollte natürlich auch zu dem Genre, das wir bedienen, ein bisschen passen. Einen Frauennamen fanden wir auch ganz gut. Anna steht symbolisch für mich (mein Zweitname), der Aufstand (riot) sind die Jungs. Im Prinzip war es sehr oft der Fall, dass wir einen Namen vorgeschlagen haben und dann einer von den Jungs immer “nein” dazu gesagt hatte.

Lea: Dann hatte ich sie im Endeffekt mit dem Namen überrascht und ihnen mitgeteilt, dass sie einfach mein kleiner Aufstand seien. Die Jungs sind der Aufstand. Anna und der ein Aufstand.

Da passt gleich meine nächste Frage zu. Was denkst du über die niedrige Frauenquote in eurem Genre denke?

Lea: Ich habe mir in letzter Zeit oft darüber Gedanken gemacht, vor allem seitdem wir öffentlich auftreten. Heute Abend spielen auf dem Sommerfest auf der Maleo-Eventstage z.B. nur Männer – da macht man sich schon Gedanken. Auch bei den Bands in der Indie-Welt gibt es sehr viele Männer und wenig Frauen. Das macht mich manchmal nachdenklich, weil ich finde, dass es genug Frauen gibt, die Power haben und dieses Genre bedienen können. Es geht garnicht darum, dass man dafür so eine krasse Röhre sein muss, sondern eher, dass man ein bisschen Bühnenpräsenz zeigen und kann und das ausdrückt, was man hat. Ich würde mir in diesem Genre wünschen, mehr Frauen auf der Bühne zu sehen. Es gibt sehr viele Bands, die zwar noch relativ unbekannt sind aber die teilweise komplett von Frauen besetzt sind, z.B. Gurr oder Colour Me Wednesday, die letztens im Haus Mainusch aufgetreten sind. Ich würde mir wünschen, dass mehr Frauen sich trauen, aus sich raus zu kommen, Bands zu gründen und zu sagen: “Ich habe Bock auf das, ich höre das gerne und ich möchte es mit meinen eigenen Texten und Gefühlen umsetzen.

In eurer Bio schreibt ihr auch “back to the indie roots”. Wieso?

Masse : Wir haben den Eindruck, dass sehr viele Indie Bands, die früher richtig schöne, hausgemachte Musik gemacht haben, verstärkt mit Synthesizern arbeiten. Ich glaube, dass viele Bands einem Elektro-Trend nachgehen wollen, Das finde ich manchmal schade, weil der dreckige Charakter, den eine Gitarre manchmal haben kann, dieses unsaubere Spiel (wie z.B. bei The Libertines) durch die Präzision in der elektronischen Musik verloren geht. Ich vermisse das bei Neuerscheinungen. Wir haben jetzt keinen Synthie, weil wir uns den nicht leisten können (lacht), aber selbst wenn wir einen hätten, sollte der eine nicht zu große Rolle in unserer Musik einnehmen.

Steff: Ich würde es allgemein nicht auf den Synthie runterbrechen sondern an dem Begriff indie. Indie heißt für mich, unabhängig von einem großen Label etwas zu machen, was jetzt nicht die breite Masse will, sondern sich an etwas Eigenem versucht und machen kann, was man will. Die Frage ist, ob man generische, 0815-Musik oder Kunst macht. Wenn man so einen Chart Song macht, dann steckt nicht mehr viel Tiefe hinter so einem Song, weil man sich selbst einen Kasten gebaut hat und sich musikalisch einschränkt.

Zum neuen Album: Wie wird es klingen?

Lea: Es klingt auf jeden Fall an vielen Stellen sehr treibend, aber auch melodiös. Wie bereits gesagt, legen wir großen Wert auf Melodien. Bei “Userguide” gibt es ein wunderschönes Hin-und-Her-Spiel zwischen den beiden Gitarren. Es ist uns sehr wichtig, dass man solche kleinen Besonderheiten raushört. Das Album klingt manchmal wie bei “No Doubt” sehr frech, ein bisschen punkig. Dann gibt es aber auch so Songs wie “Du Fuchs”, der sehr funkig ist mit einfachem Refrain zum Mitsingen und Mitdenken. Es ist ein buntes, diverses und treibendes Album mit einer Ballade als Mantra für positive Ansichten. Bis allerdings unsere EP rauskommt, dauert es noch ein bisschen!

Zum Schluss: Wie erlebt ihr die Mainzer Musikszene?

Steff : Tatsächlich war mein erster Kontakt zur Mainzer Musikszene Bender & Schillinger. Ich wohne seit 11 Jahren in Mainz und vor 5 Jahren habe ich die kennengelernt. Es hat mich motiviert, sie auf der Bühne zu sehen, weil sie als Duo unfassbar gut funktionieren. Tatsächlich glaube ich auch, dass diese Erfahrung hauptausschlaggebend war, um diese Band zu gründen. Warum auch nicht? Gerade in Mainz gab es damals nicht so viele Musiker, auf dem AstaSommerfest haben dann eher Madsen anstatt Mainzer Musiker gespielt. Jetzt ist es natürlich super, dass so viele Mainzer Bands hier spielen dürfen.

Masse: Das Peng ist auch eine sehr gute Adresse, um als Mainzer Band dort zu spielen. Sie sind gut ausgestattet.

Lea: Mir ist es sehr wichtig, zu vernetzen. Zum einen, um unsere Erfahrungen weiter zu geben und andererseits selbst Informationen zu bekommen. Wir proben in einem riesigen Proberaumkomplex in Hechtsheim, wo man untereinander auch viel quatscht.

Masse : Ich fänd’ es gut, wenn sich in Zukunft mehr Mainzer Bands zusammen raufen würden um etwas zusammen zu starten. Vielleicht kann man ja mal ein Proberaum Fest veranstalten, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Simon: Oaks & Pines haben das genau richtig gemacht,… sie haben uns gefragt, ob wir sie promoten wollen – super!

Ausschnitt aus: “Du Fuchs” – Anna And A Riot


Fotos: Nina Schneider

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