Frauenchor Luna

Der von Pascal Martiné geleitete Mainzer Frauenchor Luna wurde Anfang 2011 ins Leben gerufen und konnte seitdem zahlreiche Auszeichnungen absahnen, u.a. die höchste Auszeichnung des Chorverbandes ‒ den Titel Meisterchor. Nun wird nach neuen Sängerinnen gesucht, die im Chor eine Mischung aus weltlichen und geistlichen Stücken mitsingen wollen. Am 27.5. kann man ab 17:00 in der Kirche der Philippus-Gemeinde vorbeischauen. Der Chor lädt zu einer Schnupperprobe ein.


Entfaltung, Dynamik & Atmosphäre, diese drei Worte werden bei euch in einem Video eingeblendet. Könntest du darauf noch einmal näher eingehen?

Entfaltung bedeutet für mich nur mit Stimmen in einem Raum aus dem Nichts Musik herauszuholen, ohne Instrumente oder andere technische Hilfsmittel zu verwenden. Wenn das gelingt, ist das ein sehr schönes Erlebnis, was du nur mit der Chormusik hinbekommst.

Dynamik heißt für mich, dass man die Musik bewegen kann, die Möglichkeit besteht sie lauter und leiser zu machen, aber auch schneller und langsamer. Es steht auch dafür, dass wir, trotz fehlender Klavierbegleitung, Abwechslung reinbringen, also Stücke schnell und rhythmisch, laut und kraftvoll oder zurückgenommen und leise umsetzen.

Atmosphäre ist hoffentlich das Ergebnis unserer Musik. Für uns, aber auch für unser Publikum. Als Teil des Ensembles bist du natürlich oft auch sehr konzentriert, aber trotzdem erlebst du die Musik ja auch immer genau in diesem Moment. Das ist auch etwas sehr atmosphärisches, besonders, wenn es gemeinsam mit andern geschieht.

In eurer Beschreibung steht, dass ihr der „etwas andere“ Frauenchor seid. Was ist damit gemeint? Was zeichnet euch als Chor aus?

„Anders“ bedeutet in dem Fall, dass wir nicht der Vorstellung entsprechen, die man über einen Chor, zusammengesetzt aus Laien, hat. Wir versuchen Stücke professionell umzusetzen, auch wenn die ein oder andere keine Noten lesen kann. Außerdem haben wir kein klischeehaftes Frauenrepertoire, das mal Gospel, mal ein Volkslied, mal ein Schlager von Helene Fischer beinhaltet. Wir singen auch kein „Männer muss man loben“ von Barbara Schöneberger. Wir versuchen den Frauenchor zu etablieren, indem wir die Vorzüge herausarbeiten, die gerade der Zusammenklang von Sopran- bzw. Altstimmen hat. Für uns ist das ganz selbstverständlich und wir fühlen uns ohne Tenor und Bass auch nicht unvollständig oder so etwas.

Bleiben wir beim Thema: Was ist für euch Frauenchorliteratur?

Unter Frauenchorliteratur versteht man nicht Themen, die nur Frauen interessieren, sondern es geht um die Besetzung. Frauenchorliteratur bedeutet für uns, dass wir Stücke singen, die für den Frauenchor geschrieben sind, da gibt es unter anderem auch einige Stücke von Brahms oder Mendelssohn. Diese Stücke nutzen dann die Vorzüge, die ich eben schon angesprochen habe. Oft haben diese Stücke z.B. nur drei verschiedene Stimmen. In einem Männerchor oder einem gemischten Chor braucht man in der Regel vier Stimmen, damit es voll klingt. Aber mit einem dreistimmigen Frauenchor hast du eine ganz spezielle Transparenz, die man ansonsten nicht bekommt. Ich arrangiere sehr viel selbst, so dass das, was wir singen, sehr gut zum Ensemble passt.

Ihr singt eine Mischung aus weltlicher und geistliche Musik, was kann man sich darunter vorstellen?

Wir singen z.B. „Der Mond ist aufgegangen“, was als Kinderlied (weltlich) bekannt ist. Was aber viele nicht wissen ist, dass das Stück geistliche Themen wie Vergänglichkeit, Jenseits und Himmelreich thematisiert. Was wir musizieren, hängt immer sehr vom Konzept des Programms ab. Im Moment machen wir ein ausschließlich geistliches Programm, für große Kirchen. Wir hatten aber auch schon einmal eine Phase, in der wir uns thematisch einer bestimmten Zeit, in unserem Fall der Romantik (19. Jh), widmeten. Außerdem habe ich mich schon mit Texten aus dem Mittelalter, wie denen von Walter von der Vogelweide, beschäftigt und sie so musikalisch umgesetzt, dass man das Gefühl bekommt, im Mittelalter zu sein. Wir beschäftigen uns also mit Stücken aus allen Epochen, Renaissance bis Gegenwart, von geistlicher und weltlicher Seite.

Wo tretet ihr demnächst auf?

Als nächstes sind wir in St. Stephan (16.6.2018, 19.30 Uhr) zu hören, die Kirche nennt man in Mainz liebevoll den Rheinhessendom, eine sehr schönes Gebäude im Stadtteil Gonsenheim. Direkt einen Tag später reisen wir ein Stück weiter weg in das ca. 25 km entfernte St. Johann (17.6.18, 17 Uhr) und runden so unser Benefizwochenende ab. Beide Locations bieten eine wunderbare Kathedralenakustik, die passend zu unserem diesjährigen Konzertmotto ´Cantate Domino – Singet dem Herrn´ steht.

Wen sucht ihr für euren Chor und was kann diese Person von euch erwarten?

Wir suchen normale Sängerinnen, die jetzt nicht unbedingt eine Gesangsausbildung haben. Die musikalischen Voraussetzungen sind nicht so wichtig. Es sollte jemand sein, der Spaß am Singen hat und auch mal bereit ist, sich fordern zu lassen. Jemand, der etwas umsetzen will, um darauf stolz sein zu können. Als Ensemble sind wir konfessionslos und offen für jede Sängerin, die sich gesanglich einbringen möchte und sich traut einfach mal über den Tellerrand der eigenen Sprechstimme zu schauen.

Wir bieten musikalisch professionelles Arbeiten in einem Team von derzeit etwa 15 bis 20 Sängerinnen. Wir erwarten natürlich grundsätzlich Zuverlässigkeit, aber wir haben dafür auch einen gut organisierten Probenplan, der sich ohne Probleme mit Freizeit, Lernen, Freunden, Familie und ähnlichem vereinbaren lässt. Und wie vorhin schon gesagt, bekommt man bei uns ganz vielfältige und atmosphärische Musik, auch speziell für Luna geschrieben.

Unsere Proben werden außerdem regelmäßig von einer Stimmbildnerin begleitet, eine Chance also sich – egal ob mit oder ohne Gesangserfahrung – individuell stimmlich zu entwickeln mit fachkundigen Tipps und Tricks.

Am 27.5.18 öffnen wir zum zweiten Mal in diesem Jahr unsere Türen und laden ganz gezielt zu einer Schnupperprobe ein! Wir beginnen um 17 Uhr in der Kirche der Philippus-Gemeinde (Hans-Böckler-Str. 3, 55128 Mainz-Bretzenheim). Wir arbeiten dann natürlich an unserem aktuellen Programm, beginnen aber auch mit einem oder zwei neuen Stücken, damit alle Interessierten problemlos mit einsteigen können. So lernt man das Ensemble direkt in verschiedenen Arbeitsphasen kennen.


Photos: Frauenchor Luna

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