Review: Gløde Live

8 Klang
9 Stimmung
9 Performance
9 Sympathie
8.8

Gløde tragen ziemlich dick auf. Und das ist gut so! Eigentlich von allem ein bisschen zu viel: Kitsch, Hüftschwung und Mumford and Sons Look. Und trotzdem musste das alles genau so sein und ich konnte nicht anders, als kurzzeitig ernsthafte Groupie-Gefühle für die Hamburger Jungs zu empfinden. Die fünf hatten so sichtlich viel Spaß auf der Bühne, dass das Publikum sich einem latenten Grinsen auf den Lippen einfach nicht erwehren konnte. Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie haben sie jeden Song zelebriert und genossen, so dass man die Geschichten vom Reisen, der Liebe und dem Leben einfach toll finden und mitfühlen musste.

Die Songs „Sailor“ und „Jeg Vil Elske“ fand ich besonders hübsch. Eine Ode an die See mit einem absolut mitreissenden mehrstimmigen Shanty am Ende und das Cover eines dänischen Countrysongs, „Ich werde lieben“ zu Deutsch. Zwar hab ich kein Wort des dänischen Texts verstanden, aber Frontmann Simon hat versichert, es handele sich um ein sehr schönes Gedicht, das glaub ich ihm.

Getragen von einer ganz außergewöhnlichen, angenehm kratzig-warmen Stimme, war man gerne bereit, in den Songs zu schwelgen und für einen Moment kurz mit auf die Reise an die dänische Nordsee zu kommen. Die instrumentale Begleitung ist dabei genau an den richtigen Stellen mal kraftvoll, mal zurückhaltend, mal melancholisch oder beschwingt. Beschwingt habe ich auch das Schick und Schön verlassen und bin mir sicher, wenn ich das nächste Mal heiter-wehmütig gestimmt bin und Lust auf große Gefühle habe, werde ich Glöde anschalten und, wenn es niemand hört, ganz sicher auch mitsingen.



Text: Berit / Foto: Gløde Press

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