am I millionaire

Der Mainzer Musiker am I millionaire beeindruckt durch technisch ausgefeiltes und präzises Gitarrenspiel. Besonders ist dabei seine modern fingerstyle Technik – ein Zupfen und Klopfen der Gitarre, die wie ein Klavier auf dem Schoß gespielt wird. Zusammen mit Kendy Gable & Claudio Conzelli tritt er am 9.3. um 20:00 in der Kirche der Altmünstergemeinde in Mainz auf.

Deine musikalische Ausrichtung und Philosophie ist sehr stark von einem Straßenmusiker, Geordie Little, geprägt. Du selbst bist auf einigen Videos auf der Straße vor Galleria Kaufhof oder irgendwelchen Einkaufspassagen zu sehen. Außerdem gibt es von dir ein Lied mit dem Titel “These streets”. Wie ist dein Verhältnis zur Straße?

Die Straße gibt einem die Möglichkeit, vor Leuten zu spielen, unabhängig von Vitamin B, Labels oder Booker. Außerdem fasziniert mich an der Straßenmusik der Synergie-Effekt, das Verhältnis, das man zwischen sich selbst und den Leuten, die anhalten, sich das anhören und kurz aus dem Alltag gerissen werden, eingeht.

Du sagst, dass du durch Geordie Little  gelernt hast, Emotionen aus der Gitarre herauszuholen. Wie machst du das, ohne Gesang, von dem du dich in anderen Interviews distanzierst?

Ich habe mich in den letzten Jahren vom Gesang distanziert, weil ich mich mit Texten, aber auch den Emotionen, die das Singen hervorrufen, generell nicht mehr so wohlgefühlt habe. Beim Gesang spielt die Interpretation eines Songtextes eine ganz entscheidende Rolle. Ich nenne meine Musik impressionistisch, weil viele Lieder von mir ein Spiel mit dem Titel sind, den ich intepretiere und musikalisch umsetze. Bei der Umsetzung versuche ich durch den Klang eine Spannungskurve zu kreieren, d.h. es gibt in den Liedern verschiedene Parts mit starken Kontrasten oder aber auch eine gewisse Progression durch die musikalisch-harmonische Spannungen hervorgerufen werden.

Ein Lied von dir heißt “Those early mornings with you”. Was für Emotionen holst du aus diesem Lied heraus und wie interpretierst du den Titel?

Dahinter steckt eine recht banale Geschichte. Meine Freundin hatte damals ein Praktikum in Frankfurt und musste deswegen immer um 5:30 aufstehen um dort hinzufahren. Ich bin immer mit ihr aufgestanden und habe mir zum Ziel gesetzt, morgens an Songtexten zu schreiben. “Those early mornings with you” ist also ein Lied, das ich morgens geschrieben habe. Der Titel bezieht sich in der Hinsicht dann auch nicht auf ein Liebeslied, sondern eher auf die schönen Momente am Morgen.

In welchen anderen Bands hast du damals gespielt und gesungen?

Als erstes war ich Gitarrist und Sänger in einer Alternative / Rock Band, Age to Perfection aus Böhmen, meiner Heimatstadt. Danach war ich Sänger in einer Pop/Rock Band, bei Morning Mode aus Wiesbaden/Mainz. Zurzeit arbeite ich noch an einem noch ganz anderen Projekt, die Musik ist eine Mischung aus Funk, Hiphop und Hardrock – Moist Computers heißt die Band. Das Album ist in Arbeit.

In einem Interview mit dem Campus TV sagst du, dass deine Musik sphärisch, impressionistisch und technisch sei. Geordie Little hat dich ja nicht nur hinsichtlich des Spielens auf der Straße beeinflusst, sondern auch in der Art und Weise, wie und mit welch’ einer Technik du Gitarre spielst. Was für eine Technik ist das?

Bei ihm habe ich gesehen, dass man die Gitarre auch auf den Beinen spielen kann. Was mich am Meisten bei Ihm fasziniert hat, war seine Philosophie. Ich habe ihn damals persönlich nach einem Konzert von ihm angesprochen und gefragt, wie er die ganzen Klänge mit seiner Gitarre erzeugt und er hat mir gesagt: “Am Ende ist jede Gitarre anders und muss dementsprechend auch anders behandelt und geklopft werden”, d.h. dass man den Zugang zur Musik mit jeder Gitarre neu suchen muss.

Was hast du eigentlich für eine Gitarre und was bedeutet die Gitarre für dich?

Ich spiele mit einer Lakewood Gitarre. Lakewood produziert sehr schöne, hochwertige Gitarren, die sehr voluminös klingen. Mein jetziges Modell habe ich damals mit dem Jonas (Good Morning Yesterday) gekauft. Wir waren zusammen im Gitarrenladen und haben mehrere Gitarren angespielt und angehört. Die Wahl fiel auf eine Gitarre, mit der ich in vielerlei Hinsicht normalerweise nicht spielen würde, aber irgendwie ist sie mir wegen des Klangs sehr ans Herz gewachsen. Anfangs war ich sehr unsicher, ob ich wirklich dieses Modell kaufen sollte. Ich habe mich für sie entschieden, weil sie letzten Endes viele Eigenschaften hat, die ich für meinen Stil brauche … wie z.B. einen langen Nachhall. Was an der Gitarre für mich besonders ist, ist der Bezug zur Region. Die Gitarre wird in Gießen bei Frankfurt hergestellt und hat dementsprechend einen emotionalen Wert und repräsentiert meine Zeit hier in Mainz.

Gibt es hier in Mainz eine Musikszene? Was für Musik findet man in der Stadt?

Mainz hat eine sehr alternative Szene. Was ich an Mainz sehr schön finde ist, dass der Hang, Pop Musik aus dem Mainstream zu hypen, nicht vorhanden ist. Veranstaltungsorte wie das schon schön oder Schick & Schön bieten Platz für Musik, die man nicht so oft im Radio hört. Hier in Mainz höre ich sehr gerne Musik von Bender & Schillinger, Mine, Good Morning Yesterday und Sinu. Sinu macht zurzeit enorm viel und ist sehr produktiv, das finde ich stark. Bei Good Morning Yesterday bin ich sehr gespant, was da noch kommt und wie es weiter geht. Die Band ist extrem experementierfreudig im Bereich von Folk.

Gibt es in der Region auch noch jemanden, der mit dem gleichen Stil wie du Gitarre spielt?

Klar, das ist Jens Bender. Er ist auch ein Fingerstyle Gitarrist, mit dem ich auch schon zusammen gespielt habe. Großartiger Musiker.

Am Freitag den 9.3. spielst du in der Kirche der Altmünstergemeinde in Mainz. Hast du schon einmal in einer Kirche gespielt?

Ich habe schon einmal in einer Kirche in Münster gespielt und habe dort durchweg positive Erfahrungen gemacht. Während des Konzertes konnte ich einige Effekte, wie z.B. den Hall, ausschalten – hat auch so gereicht. Ich bin sehr gespannt auf den Ort und freue mich auf die Musik von Kendy Gable und Claudio Donzelli, die nach mir spielen.

Vielen Dank für das Interview, Max!


Photo: http://www.lichtrausch-fotografie.de

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