Live: Rummelsnuff + Maat Asbach

Setzt die Segel, Leinen los: der Käpt’n ist auf Kaperfahrt in Mainz. Am Freitag Abend, 23.02.2018, stattet uns Käpt’n Rummelsnuff mit dem Maat im Schlepptau einen Besuch im schon schön ab. Um 19:30 Uhr werden die Pforten geöffnet für einen Abend voller Seefahrtsgefühle. Im Interview mit fauves erzählt uns der Käpt’n unter anderem vom Einfluss klassischer Musik in seinen Werken, dem Zusammenspiel von Kraftsport und der Seefahrt, sowie den Anfängen seiner Freundschaft mit Maat Asbach.

Nach Leipzig und Dresden dürfen wir euch in Mainz am 23.02. im schon schön willkommen heißen. Am darauf folgenden Tag seid ihr in Erfurt: wie reiht sich Mainz in eure Tour ein und welche Erwartungen haben der Maat und du denn an die Stadt Mainz? Gibt es eine Geschichte, warum ausgerechnet Mainz sich in eure Frühjahrstour reingesellen darf?

Von Mainz nach Erfurt, das paßt vortrefflich, erzählen uns doch historische Kartenwerke, daß Erfurt vor ein paar hundert Jahren als Exklave zu Mainz gehörte. Das ist Geschichte, aber nicht unsere. Unsere Wahrheit ist, daß aus beiden Orten nach Rummelsnuff gefragt wurde und Rummelsnuff einwilligte.

Du selbst sagst, dass du für „derbe Strommusik“ stehst. Dein Äußeres unterstreicht deine Themen, die viel in der Seefahrt und im Kraftsport angesiedelt sind: Wie verarbeitest du diese Bereiche in deiner Musik?

Die Musik entsteht mit Kraftsport. Wenn der Schädel so richtig vor Akkorden, Harmonien, Tonsprüngen und Takten glüht, geht der Käpt’n mal vor die Tür und schwingt die rostigen Eisen. Das schüttet Testosteron aus, das dann gleich wieder ins Liedwerk fließt.

Das erste Mal in Kontakt mit Musik bist du am Klavier deiner Eltern gekommen. In deiner Jugend hast du sogar das Fagott gespielt: könntest du dir solche klassischen Elemente in deiner Musik auch vorstellen?

Als Details gibt es die doch längst. Auch bei Rummnelsnuff. Das Fagott findet u.a. in „Bursche“, „Salutare“ und der Akustikversion von „La Rochelle“ statt. Jedes einzelne Lied des Rummelsnuff wird mit so einer schwarzweißen Tastatur wie der eines Klaviers erschaffen. Zahlreiche damit erschaffene Elemente waren schon in der Klassik angewendet worden, die verstecken sich manchmal gut, aber sie sind da.

„Es geht eine Träne auf Reisen“: an dieses Lied kannst du dich sicher noch erinnern. Nun liegt die Zeit von Adamo schon einige Jahre zurück. Was hört der Käpt’n denn heute in seiner Freizeit? Und wo wir gerade dabei sind: was hört der Maat denn gerne?

Der Käpt’n wußte eigentlich gar nicht, daß dieses Lied von einem Adamo in Umlauf gebracht worden war. Das Radio der Großmutter lief den ganzen Tag und offenbar hatte der Bengel damals noch ein vorzügliches Gedächtnis, so daß er mit dem Vortrag des gesamten Liedes Scharen von Kindergärtnerinnen froh machte. Heute ertappt er sich mehr beim Abschalten von Abspielgeräten, als beim Einschalten. Trotzdem gibt’s natürlich immer noch sehr viel schöne Musik, die meiste davon wurde vor vielen Jahren, produziert und bleibt für immer. Den Käpt’n erfreuen besonders die Franzosen mit der Leichtfüßigkeit ihrer Chansons oder die Russen mit ihrer militärischen Schwermut. Auch gegen ein kurzes Gitarrensolo britischer Punkbands der späten Siebziger wendet er nichts ein.

Der Maat hat heut zum Kraftsport äthiopische Populärmusik aufgelegt, fröhliche Rhythmen und fette Arrangements. Brasilianisches wird auch gern genommen, im Wechsel mit Werken des deutschen Barock. Er wird ja gelegentlich gefragt, ob er eine Gesangsausbildung genossen habe. Das hat er nur insofern, als er seit den frühen achtziger Jahren bei Liedern, die er schön findet, mitsingt oder -pfeift und seine eigenen stimmlichen Varianten erfindet. Als einzelne Künstler haben da Neil Young, David Bowie und Nina Simone viel dieser zweifelhaften Würdigung erfahren, gefolgt von Eddie Vedder, Udo Jürgens, Jeff Lynne, Jaques Brel, Dumitru Siminica, Elvis und vielen anderen. Der große Andreas Scholl hingegen bewegt sich in einer anderen Dimension, die der kleine Maat nur in stiller Bewunderung kontemplieren kann.

Im Beitrag EINE STIMME betonst du, dass Politik als Thema dir ein Dorn im Auge ist. Wie sieht es mit Bildung aus? Mir kommt da sofort dein Musikvideo zu „Der Käpt’n nimmt dich mit“ in den Sinn! Siehst du dich selbst als Vorbildfunktion für (jüngere) Menschen und wenn ja, was wäre dein Rat für die heutige Jugend?

Den Beitrag würde er heute so nicht mehr durchlassen. Das nette Medienfräulein überredete ihn, ohne, daß er vorher kapiert hätte, was überhaupt von ihm gewollt wurde. Er teilt sich lieber über Liedertexte oder Bildbeiträge mit. Bildung ist ein wesentlicher Pfeiler eines kulturvollen Zusammenlebens. Daß sie oft vernachlässigt wurde, sehen wir jeden Tag an den Meldungen. Kinder, versucht schlauer zu sein, als eure Eltern! Und macht Sport!

Kommen wir mal auf den Maat zurück. Wie lange und woher kennt ihr beiden euch eigentlich?

Türhüter Rummelsnuff hat den Maat 2010 aus der freien Wildbahn des Nachtbetriebes geholt. Sozusagen hat er ihn vom Eingangsbereich weggecastet. Da wußte er noch gar nicht, wie dieser Bursche singen kann, geschweige denn von dessen technischen Begabungen.

Letztes Jahr im März hast du deine Biografie in der Eulenspiegel Verlagsgruppe veröffentlicht und damit deine Vergangenheit zu Papier gebracht, vor allem im Hinblick auf deine Musik. Mich würde interessieren ob du selbst Biografien liest und wenn ja, welche dich am meisten inspiriert hat.

Die erste Biografie eines anderen hat er sich auf der langen Fahrt von Berlin nach Charleroi angehört. Die hieß „Der Tastenficker“ von einem Herrn Flake aus Berlin. Herr Flake liest sein eigenes Buch vor. Toll! Das war allerdings erst, nachdem Rummelsnuff seine eigenes Buch schon fertig hatte. Als er im morgendlichen Berufsverkehr von Charleroi einlief, war die CD auch zu Ende.

Der Eulenspiegel selbst ist vor allem für seine Satire bekannt: spielt Satire auch eine Rolle bei deiner Musik?

So richtig Satire kann der Käpt’n nicht. Aber man sagt ihm nach, sein Leben und Schaffen nicht allzu ernst zu nehmen.

Deine Zeit als Türsteher in Berlin liegt nun schon einige Jahre zurück. Vermisst du das Berghain oder war es einfach Zeit für dich, dieses Kapitel zu beenden?

Als der Rummelsnuff merkte, daß ihm die Zeit nicht mehr reicht, für seine bescheidenen bedürfnisse wohl aber sein Geld, hat er den Platz für die Jugend geräumt.

Angenommen du hättest einen Wunsch frei mit einer Person deiner Wahl an einem Ort deiner Wahl zu Abend zu essen: wer und wo wäre das?

Mit dir, in einem typisch Mainzer Gasthaus.

Wie sieht deine Zukunft aus? Brandaktuell ist das neue Video zu Eisengott. Dürfen sich deine Hörer und Zuschauer bald auch auf ein neues Album freuen?

Sie dürfen sich freuen, jedoch wird das nächste neue Album eher ein Altes. Eine musikalische Biografie, eine Rückschau auf fünf einhalb Langspielalben Rummelsnuff. Einige der Lieder wurden mit den Instrumentenspuren von damals neu erschaffen. Und der Maat singt nun mit. Erscheinungsdatum ist, wenn wir’s schaffen, um Himmelfahrt 2018. Wer Rummelsnuff kennt, weiß, daß die Wahl dieses Termins History Repeating ist. Das dritte Album vom Rummelsnuff hieß sogar „Himmelfahrt“ und war an jenem Feiertag 2012 erschienen. Ein günstiger Termin für einen Männermusikschaffenden, denn vielerorts ist das der Männertrunktag.

Vielen Dank schon einmal im Voraus und bis zum 23. im schon schön!

Käpt’n & Maat danken.

Foto: Rummelsnuff Press

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