Review: Grisly Faye

Welch fluides und lebendiges Tröpfchen, dass sich im Sturm der gigantischen Plattenfimentornados seinen Weg durch die kleinen Hinterkämmerchen der Mainzer Musikszene bahnt. Das Tröpfchen, das da mit schwingendem Kopf auf der Minitaturbühne der Dorettbar vor sich hinmachte und dem Schwindel den Schneid abkaufte, hat es allen gezeigt, die sich hinaus in diese ruhige Februarnacht gewagt haben.

Sie kam, war allein und hatte am Ende die Herzen gewonnen. Weder die Geheimnisse über ihre 19 Jahre alte Katze, noch ihre ambitionierte Karriere als Mechanikerin der 1972er Zhiguli-Modelle blieben dem Publikum verborgen. Grisly Faye, der ukrainische Underdog, der auf der uncoolen Bank Kiews an den Ufern des Flusses Dnepr wohnt, tingelte auf ihrer Durchreise nach Amsterdam durch unser andächtig zu dösen scheinendes Mainz und brachte eine Menge Technik und Scharm mit. Wo sollen wir nun beginnen?

Nun, es war einmal die Aufforderung so zu tun als ob man sich die Hände wäscht. What? Genau. Grisly erstaunte uns mit dem merkwürdigen Kommando, doch verfolgte sie einen gewieften Plan. Sie nahmunser Händewaschen auf, packte es auf ihr Board und spielte den Sample im Gemenge ihrer schier unendlichen Soundvarianten als Loop ab. Verrückt und simpel. Wir waren im dem Sinne ein Teil der Performance. Die nebenbei als Schauspielerin tätige Dame wusste das Publikum gekonnt in ihr Theaterstück einzubinden.  Es ist schwer ihre Einflüsse auszumachen und so möchten wir es mal als einzigartig beschreiben, dass sie Songs auf niederländisch, ukrainisch und englisch performte und dabei von Balladen zu poppigeren Stücken sprang. Vielleicht ein wenig von Austra oder Efterklang schwingen da hin und wieder mal mit. Aber letztlich beruft sich Grisly Faye doch in erstaunlicher Art und Weise auf ihre eigene Inspiration und ihre Ausstrahlung als technikaffiner Nerd im erquicklichsten Sinne.

Auch im Anschluss an das Konzert bestätigte sie uns ihren gechillten, freudvollen und angstfreien Auftritt. Das Publikum sei herzlich zu ihr gewesen und hätte es ihr einfach gemacht, mit uns allen zu spielen. Es bleibt uns nur danke zu sagen und noch eine kleine sympathische Anekdote mit euch zu teilen:

Als ich um viertel vor neun in der Dorettbar, dieser kleinen verruchten Stätte, eintraf, saß eine junge Frau alleine an der Bar. Außer mir niemand da (was sich nach 21:00 schlagartig änderte), nur die zwei Barkeeper und eben diese junge Frau, Grisly Faye. Ich fragte sie was nun abgeht, da bisher noch keiner da war. Sie antwortete in der wohl lässigsten Manier: „Well. For me… it actually doesn’t matter how many people come as long as I can play music and the people who will listen to it will be cheered up!“ Das war eine beeindruckende Aussage einer interessanten jungen Künstlerin, die uns hoffentlich bald wieder auf ihrer Durchreise besucht.

Скоріше побачимося!!!!

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