Live: Orange Amber

Die Band Orange Amber besucht uns am Montag, den 15.01. um 20:00 im Schick & Schön, MZ. “Besuchen” ist eigentlich als relativ zu verstehen, schließlich sind fast alle Band Mitglieder aus Aschaffenburg mittlerweile nach Mainz umgezogen. Ihre Musik erinnert an Radiohead, besitzt aber gerade live ihre eigene Dynamik und Tiefgründigkeit. In Mainz möchten sie sich nun Gehör verschaffen, was wegen ihrem eingespielten und einzigartigen Klang sowie ihrer authentisch-freundlichen Art nicht schwer sein sollte. 


Die erste Frage bezieht sich auf ein Interview, das ihr während des ASta Sommerfestes in Mainz gegeben hat. Die Frage lautete: Was ist euer Lieblingslied von den Liedern, die ihr singt? Die Frage konnte keiner so richtig beantworten. Irgend jemand von euch sagte dann, bis auf Max, dass er die neueren Lieder besser fände, weil man bei diesen die Entwicklung und den jetztigen Zustand der Band festmachen könnte. Wie ist denn dann die Entwicklung und der jetzige Zustand der Band?

— Max: Wir haben damals, als wir angefangen haben, gesagt, dass wir so ein bisschen was wie Oasis oder Radiohead machen. Ich finde, dass man am Anfang deutlich gehört hat, wo die Idee herkam. Wir waren halt große Fans von diesen Bands und hatten es uns mehr oder weniger auf die Fahnen geschrieben, so etwa in die Richtung zu gehen.

— Paul: Echt?

— Max: Da geht’s schon los (lacht). Man hört an dem Sound, dass wir uns immer weiter emanzipiert und uns von den Vorbildern ein bisschen wegbewegt haben um einen eigenen Stil zu entwickeln. Gestern hatten wir das gleiche schonmal angesprochen und gesagt: “Hör doch mal auf zu sagen, “das klingt wie…”. Das ist ja nicht zu vermeiden.

— Paul: Wir waren eigentlich schon immer eine Hobby-Kapelle. Wir haben nicht die Möglichkeiten, die ganze Woche über Songs auszuarbeiten. Wir würden das zwar gerne machen, geht aber nicht. Als wir uns gegründet haben, war es lange nicht so, dass wir wirklich gut waren bzw. uns genügt haben. Wenn ich mir das jetzt von früher anhöre, dann ist das sicherlich für den Status von damals ganz ok, aber man muss berücksichtigen, dass wir nach zwei, drei Jahren dann schon wieder ganz was anderes machen und immer noch in der Entwicklungsphase sind.

Slider

In vielen Pressetexten steht ja, dass ihr wie Radiohead klingt. Welcher Stil oder welches Element ist denn dann nur euch eigen?

— Paul: Es ist nicht so, dass wir, wie z.B. bei den Hooters, ständig die Mandoline oder irgend ein anderes prägendes Element am Start haben. Wir hören sehr verschiedene Musik. Wir haben zwar innerhalb der Band einen Konsens, aber jeder kommt aus einer anderen Ecke und deswegen ist es das Zusammenspiel und die Mischung, die es ausmacht und den Klang irgendwo auch einzigartig macht.

— Max: Für mich, als Rhythmus-Instrumentalist, ist es so, dass dieses Bass-Schlagzeug-Gerüst relativ stabil steht und unser Gitarrist, der Till, Narrenfreiheit hat. Er macht super viel mit Effekten und Soundflächen. Das ist sowas, was uns ein stückweit auszeichnet und wo wir auch viel Wert drauf legen – Stabilität in der Rhythmusgruppe. Dadurch, dass wir keine Profis sind, lag der Fokus immer schon darauf, dass wir live gut funktionieren. Das hört man auch an der Live-EP beispielsweise: Wir haben uns immer schon wohler auf der Bühne, als im Studio gefühlt.

Ich habe mir vor dem Interview die Live-Aufnahmen von euch über Youtube angehört. Am Besten fand ich den Track “Dark is the Night”, weil man sich in das Lied sehr reinvertiefen kann und darin aufgeht. Wo befindet ihr euch in euren Gedanken, während ihr das Lied spielt?

— Paul: Ich bin irgendwo nachts unter dem Meeresspiegel. Man sieht das dann auch live oder man merkt es mir an, dass man zwar da aber auch irgendwo anders ist – und das macht für mich gute Musik aus. Du kannst nur präsent da sein, wenn du auch irgendwo anders bist und irgendwo in dir selbst versinken kannst.

— Jan: Bei mir ist es ähnlich. Was mich dann beruhigt und auch festigt ist das Eintauchen in die Musik … einfach dem Lied zuzuhören und eigentlich garnicht mehr wahrnehmen, dass man selbst spielt. Das ist ein wunderbares Erlebnis und das ist das, was mich an der Musik reizt.

Ihr seid ja eine Aschaffenburg-Mainz Kombo. Wie unterscheidet sich die Musikszene in Aschaffenburg von der Szene in Mainz?

— Max: Als ich hier hergezogen bin, fand ich es erschreckend, dass in Mainz so wenig geht mit lokalen Bands. Es gibt wenig Möglichkeiten, aufzutreten und es ist schwierig, ein Publikum zu finden. In Aschaffenburg konnten wir als junge Band überall spielen. Es gab x Kneipen, im Colos-Saal konnte man als Nachwuchsband in einem riesigen Club spielen und man wurde richtig gefördert. Aschaffenburg hat ein städtisches Musikbüro, extra für Nachwuchsbands. Es gibt dort richtig gute Bands wie z.B. The Sirkus, The Wild Rumble, Vvlva, Pulver.

— Paul: Das ist jetzt nichts, was überregional bekannt ist. Dennoch gibt es einen großen Pool an Leuten zwischen 20 und Mitte 30 die untereinander Musik machen, die sich austauschen etc. Da geht schon was.

— Max: In Aschaffenburg gibt es mehrere relativ große Festivals, wo lokale Bands viel spielen. Hier in Mainz hatte ich immer so das Gefühl – wir haben ja schon ein paar Gigs hier gespielt – dass das Interesse an Livemusik wesentlich geringer ist als in Aschaffenburg.

— Paul: Die Szene in Aschaffenburg besteht zu 90% aus Leuten die aus Aschaffenburg oder den umliegenden Käffern kommen. Wenn du irgendwo zum Studieren hingehst, wie nach Mainz, bist du vielleicht eigentlich schon zu alt, um irgendwo was wachsen zu lassen. Vielleicht ist deswegen die Musikszene in Mainz nicht so groß. Bei uns in Aschaffenburg gibt es Bands wie The Wild Rumble, deren Mitglieder mit 15, 16 Jahren bereits mit anderen Bands gespielt haben, dann Bands getauscht oder neu gegründet haben. So wächst das dann halt und bleibt beständig.

Arrow
Arrow
Slider
Von l. nach r.: Paul (Gesang, Gitarre), Max (Schlagzeug), Jan (Bass)

Was habt ihr mit der Band noch so vor?

— Max: Wir waren im September über einen Arbeitskollegen von mir im Fernsehstudio des Offenen Kanals Offenbach und haben dort mithilfe von einer Setdesignerin das Studio in einen Proberaum verwandelt. Ein Wochenende lang haben wir mit der Setdesignerin Lara versucht, unsere Liveperformance mit der Studioperformance zu vereinen. Dabei ist ein Album sowie Videos entstanden, die auf Youtube und Facebook zu sehen sein werden. Die Release Party für unser Album (8 Lieder) wird am 2.3.18 im Colos-Saal in Aschaffenburg stattfinden. 

Interview: Philipp; Photos: Orange Amber Press (main / car); Fauves (Slider)

Written By
More from Fauves

Live: Damian Lynn (CH, Pop)

Wenn Damian Lynn auf der Bühne steht, bleiben die Gedanken der Zuhörer...
Read More

Leave a Reply