Live: Pretty Lightning (Psychedelic Blues)

Christian Berghoff und Sebastian Haas von Pretty Lightning zeigen sich auf Promobildern auffallend oft mit fahr- oder sogar reitbarem Untersatz. Ob Motorrad, Pferd oder eben Alpaka – die Jungs scheinen ein Fable für ausgiebige Reisen zu haben. Vielleicht gelingt es ihnen deswegen so gut, Musik zu machen, die das Gefühl eines Roadtrips einfängt. Am 16.1.18 (20:30) werden sie zum wiederholten Male ins schon schön einreiten, mit in der Satteltasche ihr neues Album The Rhythm of Ooze.  

Der im November 2017 veröffentlichte Nachfolger des inzwischen fünf Jahre alten There Are Witches in the Woods ist ein Konglomerat aus Stoner Rock, Krautrock und vor allem Blues und Psychedelic. Ein Sound, den man nicht zwangsweise mit dem Saarland verbinden würde. Dort kommt das Duo, dass sich 2007 zusammengetan hat, aber her. Und ihre Herkunft spielt auch bei der Konzeption des neuen Albums eine maßgebliche Rolle. Das mittlerweile im ganzen Land verstreute Impro-Kraut-Kollektiv Datashock, zu dem auch Pretty Lightning sich zählen, fand seinen Ursprung in Saarlouis. Mittlerweile bietet das Kollektiv eine Plattform für vielversprechende Künstler wie Flamingo Creatures, Phantom Horse, Kolter, Yagow, Schrein oder P.I.Z.Z.A.: Bands, die ob ihrer Vielseitigkeit den Horizont des Duos erweitern. Das zeigt sich auch auf dem neuen Album.

Schon der erste Track Thunder Mountain Return lässt erahnen, was kommt: ein Trip durch geheimnisvoll säuselnde Orgelklänge und abwechslungsreiche Gitarrensounds, beständig begleitet von bluesig-stampfenden Drumbeats. Da wird Tempo aufgenommen, wie im zweiten Track Willow Valley Blues, bei dem metallisch verzerrte Vokals von rhythmisch-treibendem Schlagzeug mit Nachdruck angeschoben und vorangetrieben werden oder in This Machine Is Running, einem unkontrollierbaren Selbstläufer, der sich in der Mitte des Songs mit einem Drumbreak selbst ausbremst.

Gänzlich unbekannte Gefilde werden in Rainbow Fantasies erkundet. Hier schlängelt sich die Gitarre entlang beinahe asiatisch anmutender Melodieschleifen: Eine Tour durch eine andere Welt, losgelöst von perkussiver Schwere und durch Tambourin und Glockenspiel erhoben in andere Sphären.

Um dann wieder umso unausweichlicher hinuntergezogen zu werden, wie in Pale Yellow, einem der Highlights des Albums. Hier flimmert die Luft, wenn aus staubtrockener Kehle letzte Worte gesäuselt werden und die ermattete Percussion der torkelnden Gitarre hinterherstolpert.

Mit The Rhythm of Ooze ist Pretty Lightning ein originelles, vielschichtiges Album gelungen. Dies ist unter anderem der Tatsache zuzuschreiben, dass die Jungs ihr Album – so wie seine Vorgänger – in Eigenregie und ohne Zeitdruck produzieren konnten. Das Mainzer Publikum kann sich also freuen, wenn die zwei Caballeros einen Zwischenstopp im schon schön einlegen. Der Club ist den beiden, laut eigener Aussage, insbesondere wegen des sympathischen Teams in guter Erinnerung geblieben. Und natürlich auch wegen des reichlichen Angebots an Proviant, den Pretty Lightning auf ihrem – hoffentlich noch lange andauernden – Wanderritt gut gebrauchen können.

Photos: Daniel Fuchs(1), Robstakel (2)

Video: Keine Zeit Medien

 

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