Live: TripAdLib

Als die Japanische Firma “Roland Corporation” 1980 zwei Maschinen entwickelte, wusste noch keiner, dass diese in kürzester Zeit die Musik der Welt verändern würden. Der TR-808 Rhythm Composer und die TB-303 Bass Line, zwei Synthesizer mit integrierten Step-Sequenzern, ermöglichten Musikern nun ihren eigenen Sound zu produzieren, indem sie damit Instrumentalklänge, größtenteils des E-Drums und E-Bass, generierten. Das Mainzer Duo TripAdLib bedient sich dieser Technik par excellence und schafft es gleichzeitig, der Idee der damaligen “Techno Rebels” nachzueifern: Sich nicht darauf zu beschränken, was Maschinen einem an Möglichkeiten vorgeben. Am Samstag, den 13.1. um 20:30 (Einlass 20:00) werden TripAdLib im Kesselhaus in Wiesbaden deswegen neben dem Synthesizer auch Schlagzeug, E-Bass und Rhodes-Piano zum Einsatz bringen: Sommermukke Ausgabe #2: TripAdLib / Miumi / Lasse Yoru, präsentiert von der Musikmaschine.


Bei unserer ersten Begegnung im Proberaum‎ war ich überrascht, Instrumente wie ein E-Piano, E-Bass oder Schlagzeug zu sehen. Für die, die euch noch nicht so gut kennen, was ist die Idee dahinter und in wie fern passt folgendes Zitat dazu: „Wenn ich Techno höre, höre ich nicht die Elektronik, sondern die Hände, die diese Elektronik bedienen.” 

— Dominik: Also wenn es darum geht, wie wir unsere Musik umsetzen, spielt es für uns in erster Linie eine Rolle, dass wir uns mit unseren Instrumenten ausdrücken können. Egal ob das im Studio, Proberaum oder auf der Bühne ist. Und ob das jetzt technische Geräte sind oder traditionelle Musikinstrumente, ist eher zweitrangig. Entscheidend für uns ist, maximale Möglichkeiten zu haben – bei einem Setup, das überschaubar und einigermaßen ökonomisch ist.

— Josef: Wir kommen nun mal eher von klassischen Instrumenten, weil wir beide angefangen haben, damit Musik zu machen. Und dass man einer Musik anhört, wie sie gemacht ist: das hört man bei uns vielleicht noch etwas deutlicher als bei typischen elektronischen Tracks, weil wir mit mehr akustischen Elementen arbeiten. Die Idee war grundsätzlich, die Ästhetik von Techno nicht mit Maschinen, sondern basierend auf unseren Instrumenten umzusetzen.

Was für eine Rolle spielt der Synthesizer bei euch?

— Dominik: Wir haben durch Synthesizer einfach die Möglichkeit, unseren eigenen Sound so gestalten, so wie wir ihn nice finden. Das ist bei uns super wichtig, vor allem, weil wir keinen Gesang haben. Wir machen damit Bass- und Chordlines und natürlich auch Melodien, teilweise aber auch Drumsounds.

Was haltet ihr von Juan Atkins und inwiefern hat er eure Musik geprägt?

— Dominik: Wir sind keine Techno-Fans der ersten Stunde, sondern tendieren erst in den letzten Jahren mehr und mehr in diese Richtung. Dementsprechend sind wir auch nicht krass von Techno-Pionieren inspiriert, bei allem Respekt.

— Josef: Auch, wenn Juan Atkins mit seiner Musik sicher Viele beeinflusst hat, vor allem zu einer Zeit, in der Techno noch wirklich neu war: heute gibt es andere Artists, die wir als innovativ empfinden und uns inspirieren. Die Urväter des Techno prägen uns also sicher weniger wie Acts, mit denen wir im Bereich der elektronischen Musik sozialisiert wurden: Moderat beispielsweise oder Stimming.


Wie würdet ihr euch in der Mainzer Elektroszene, neben Größen wie Teenage Mutants und den Kleinlaut Leuten, einordnen?

— Josef: Ich finde das schön, dass es in der Mainzer Musikszene Akteure gibt, die elektronische Musik machen und Clubkultur leben. Dadurch, dass wir eine Live-Band sind, finden wir aber auch woanders statt. Wir werden nicht in den typischen Locations rezipiert, wo sonst DJs auflegen, auch wenn wir uns in derselben Szene bewegen… aber ich finde das cool, was die beiden machen, weil sie letztlich die Szene damit ja nicht nur prägen, sondern durch Veranstaltungen auch fördern.

— Dominik: Einerseits sind wir schon Teil der Szene, andererseits stehen wir klanglich auch woanders… dadurch, dass wir viel live machen, müssen wir einfach Kompromisse eingehen, auch produktionstechnische Kompromisse. Unsere Musik knallt im Club einfach nicht so sehr, was aber auch nicht schlimm ist, weil sie dafür andere Qualitäten hat. Es wäre live auch gar nicht so umzusetzen wie eine Techno-Produktion, weil die eben auch sehr technisch gemacht ist, was sich live nicht ohne weiteres reproduzieren lässt, oder zumindest nicht mit unserem Setup. Wir orientieren uns zwar an diesem „produziert-klingenden“ und wollen auch, dass unsere Musik clubbig klingt – aber trotzdem auch nach einer Band, der man gerade live dabei zusehen kann, wie sie diese Musik herstellt. Sozusagen das Beste aus beiden Welten…

Ihr kennt euch seit eurer Schulzeit. Welche Erlebnisse beim gemeinsamen Musik-machen haben euch noch näher zusammengeschweißt?

— Dominik: Also das wird mir jetzt hier jetzt zu intim! (lacht)

— Josef: Das, was mit dem Musik-machen zusammenhängt, wie Proben und Gigs spielen, heißt insgesamt ja auch, unterwegs zu sein und sehr viel Zeit miteinander zu verbringen. Und das bringt einen natürlich auch näher mit all denen zusammen, mit denen man da unterwegs ist. Das sind wir als Band, aber auch Tontechniker, Leute vom Licht, andere Veranstalter und vor allem natürlich Clubgänger und Konzertbesucher. Wir haben in den letzten Jahren so viele liebe Leute kennengelernt, das war oft einfach sehr bereichernd und ist es noch immer.

— Dominik: Ja, aber natürlich auch die gemeinsamen Erfolge und auch Misserfolge zu durchleben. Wir machen das ja schon ein paar Jahre, da erlebt man natürlich auch einiges. Aber die meisten Anekdoten kann man hier echt nicht erzählen…! (lacht)

Euren Track “Mountains” habt ihr zusammen mit der Wiesbadenerin Kristina Kristoffersen, Sängerin von Spurv Lærke und Mono Girl, produziert. Es ist das erste Mal, dass ihr Gesang in eure Musik einbindet. Wie kam es dazu?

— Dominik: Das war ein Experiment!

— Josef: Wir wollten uns da eben auch weiterentwickeln und verschiedene Sachen auschecken. Man kann nicht wissen, wie es mit Vocals ist, wenn man es nicht irgendwann mal ausprobiert hat.

— Dominik: Generell haben wir uns eher dagegen entschieden, viel mit Vocals zu machen, weil wir möglichst unabhängig sein wollen. Es soll nicht so sein, dass unsere Musik nur mit Gesang funktioniert. So sind wir als Instrumental-Musik-Band gewachsen und so wollen wir auch eigentlich weiterhin bleiben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht für gelegentliche Features mit Sängern oder Sängerinnen offen sind.

Was genau können „Sommermukke-Besucher“ am Samstag den 13. im Kesselhaus Wiesbaden von euch erwarten?

— Josef: Press-Play und Sync-Button! (lacht) Nein… die Leute können erwarten, dass wir unsere eigene Musik präsentieren, die wirklich von uns kommt. Und dass wir die dann auch live performen.

— Dominik: Und natürlich guter Klang! Unsere Mukke ist einfach noch mehr als früher abhängig von einer guten Anlage und einer guten Akustik im Raum. Der Sound ist im Kesselhaus einfach super!

Interview: Philipp; Photo: Maxim Abrossimow / Von Schlechten Eltern

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