Review: The Mountain King – Known Unpleasures

Eric McQueen ist ein geheimnisvoller Typ. Über seine Herkunft erzählt der Mainzer Electro-Künstler beispielsweise mit Vorliebe eine wahrlich abenteuerliche Geschichte. Von einer Kindheit als Teil eines norwegischen Wolfsrudels, Jugendjahren als Black-Metal-Musiker auf einem Friedhof und dem Fund eines Testaments, das ihm die über 70 Jahre alte Band „The Mountain King“ vererbte.

Und so passt es ins Bild, dass auch „Known Unpleasures“,  das insgesamt fünfte Album ebenjenes „Mountain King“, etwas Mysteriöses hat. Etwas, das seinem Hörer den Zugang zunächst nicht ganz einfach macht, ihn dann aber doch herzlich Willkommen heißt. Ein zugleich düsteres wie optimistisches Gebilde, das die gängigen Genre-Grenzen zwischen Electro, Stoner Doom und klassischem Singer/Songwriter-Pop mit schöner Regelmäßigkeit streift und überschreitet.

Die „Known Unpleasures“ – das zum Hintergrund – sind ein Nebenprodukt der „Elevator Songs“ , ihres unmittelbaren Vorgängers. Es sind die B-Seiten zum monumentalen Langzeitprojekt des „Mountain King“. 6 Songs, die zwar Teil des Schaffensprozesses waren, am Ende aber doch nicht zum beklemmenden Gesamtgefühl des „Fahrstuhl“-Konzeptalbums passten und deshalb zunächst unveröffentlicht blieben.

Nun sind diese Songs zu einem eigenen Werk geworden. Einem Werk, das die dunkle Grundstimmung des Vorgängers durchaus teilt und doch anders ist. Sphärisch, verspielt, melancholisch. „Known Unpleasures“ eben, wie der auf Joy Divisions Debütalbum „Unknown Pleasures“ anspielende Titel verrät. Vertraut und dabei doch ein wenig unheimlich.

Das Album eröffnet mit einer weiteren britischen Pop-Referenz. „Anarchy in the WWW“ ist eine Neuinterpretation des alten Sex-Pistols-Smashers „Anarchy in the U.K.“.  Mit der Energie des Punk beim zugleich reduzierten Tempo des Doom. Anfangs getragen von der Akustikgitarre, später dominiert von treibenden Elektronik-Beats. Sex Pistols 2.0 quasi. „I don´t know what I want, but where to click to get it“, wie McQueen in Anlehnung an den Originaltext singt.

Ansonsten lässt „Unknown Pleasures“ vorwiegend die Musik für sich selbst sprechen. Gleich vier der sechs Tracks sind instrumental. Oder vielmehr „instru_mental“ wie es bei „Knives“ ergänzend und wohl durchaus augenzwinkernd heißt. Dabei breitet der „Mountain King“ mit Hilfe von elektronischen wie auch analogen Arrangements seine atmosphärischen und vielschichtigen Klangteppiche aus. Musik, als Soundtrack zum „Ziellos-durch-die-Nacht-streifen“. Beruhigend, belebend, bewegend.

 

Dass „Known Unpleasures“ dabei zu keinem Zeitpunkt eine akustische Hochglanzproduktion ist, gehört mit dazu. Es fiept, knistert und kracht an vielen Ecken und Enden. Mal ist die Gitarre dezent verstimmt, mal hängt der Bass hinter dem Beat. Die Imperfektion ist Stilelement. Ein wenig geheimnisvoll wirkt das. Ganz so wie es sich für den mysteriösen Bergkönig nunmal gehört.

Photo: Maskierte Fotografen

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