Live: BRTHR (Americana)

Die Musik der Band BRTHR hört man, so ihre Mitglieder Philipp Eißler und Joscha Brettschneider, am Besten beim Autofahren – es sei denn natürlich, man hat die Möglichkeit sie live zu erleben. Am 4.12. um 21:00 spielen die Brüder im schick und schön. Mit Fauves haben sie über Kaffekonsum als fest etabliertes Instrument im Schaffensprozess, ihre musikalischen Vorbilder und ihr Album Strange Nights gesprochen.

Euer Bandname verweist auf das Englische „brother“ –eure unterschiedlichen Nachnamen lassen aber nicht unbedingt auf eine Verwandtschaft schließen. Wie kam es zu dem Namen?

Wir sind Brüder. Aber wir sind getrennt von einander aufgewachsen. Als wir uns vor ein paar Jahren zum ersten Mal getroffen haben, kamen wir auf die Idee eine Band zu gründen.


Wie würdet ihr euren Schaffensprozess beschreiben?

Die Songideen und Texte kommen meistens von Philipp. Wenn wir uns treffen trinken wir erstmal einen Kaffee und Joscha hört sich Philipps Ideen an und schaut dabei kritisch. Dann trinken wir nochmal einen Kaffee und wenn wir dann noch motiviert sind schauen wir, was von den Ideen funktioniert und was nicht. So arbeiten wir dann gemeinsam die Songs heraus. Manchmal trinken wir aber auch nur Kaffee.

Philipp, du hast auch mal in einer klassischen Rockband mit experimentellen Elementen gespielt. Heute ist deine Musik bodenständiger und arbeitet mit klaren Rhythmen und ehrlichen Texten. Wie kam diese Entwicklung zustande?

Naja, wenn man jung ist, also richtig jung, sagen wir 17, dann hat man noch so eine Wut im Bauch und auch viel Quatsch im Kopf. Mit den Jahren legt sich das dann und man macht nur noch langsame Musik. Das ist wie mit French-Press Kaffee. Erst ist alles aufgewirbelt und durcheinander und wenn man den Nubsi runterdrückt, Zack!, ist alles ganz klar und man hat einen leckeren Kaffee. Unsere Texte sind zum Glück weiterhin durchgehend unehrlich.

Was ist eurer Meinung nach der perfekte Moment um eure Musik zu hören?

Auf der Autobahn. Gemütliches Tempo, es geht leicht voran… aber nicht zu schnell!

Der Song „22“ handelt von einer eigentümlichen Phase im Leben. Was ist das Besondere an dieser Zeit?

Es beschreibt eine Zeit im Leben in der viele Umbrüche stattfinden. Ich glaube viele Leute fangen in der Zeit zum ersten Mal damit an sich mit ihrem eigenen Leben und sich selbst zu beschäftigen. Was ist mir wirklich wichtig? Zumindest wäre das ein guter Moment, damit anzufangen…

Und was ist das perfekte Jahrzehnt, auch in musikalischer Hinsicht?

Eine gute Mischung aus Junior Kimbrough, Curtis Mayfield, JJ Cale, Hiss Golden Messenger und vielen anderen. Die für uns wichtigsten Sachen gibt es auch auf Spotify auf unserer „BRTHR on the road“ Playlist. Da kommt immer drauf was uns gefällt und wir auf Tour hören.

Eure musikalischen Wurzeln findet man eher in den USA, als in Deutschland. Was schätzt ihr an der deutschen Musikszene? Haben euch auch deutsche Einflüsse geprägt?

Deutsche Bands haben uns jetzt weniger direkt inspiriert was aber nicht heißt, dass wir sie nicht schätzen. Gerade im Punk-Bereich tut sich auch in Stuttgart viel mit Bands wie Die Nerven, Human Abfall, etc. wirklich geniale Musik!

Euer Album beginnt damit, dass ihr ein Haus errichtet und schließt damit ab, dass ihr nachhause zurückkehrt. Dazwischen beschreibt ihr Kindheit, Jugend… Liege ich richtig mit dem Eindruck, dass ihr mit eurem Album eine Lebensgeschichte erzählen wollt?

In gewisser Weise ist es sicher eine Lebensgeschichte, da die Texte ja auch von persönlichen Erfahrungen inspiriert sind. Es war aber nicht die erklärte Idee ein Leben von vorne bis hinten zu erzählen.

Was ist in „going home“ mit zu hause gemeint?

Zu Hause oder heimkommen kann auf vielerlei Arten interpretiert werden. Ob es ein tatsächlicher Ort ist, ein Gefühl, etc. Da wollen wir auch gar nicht viel vorgeben, da jeder für sich etwas anderes darin sieht.

In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung habt ihr gesagt, ihr macht Musik für eine kleine Szene. Wie würdet ihr den typischen BRTHR-Hörer beschreiben?

Ich glaube grundsätzlich kann unsere Musik jedem gefallen. Wir wollen sicher keine Musik für eine bestimmte Szene machen. Außer jemand steht nur auf 120 bpm EDM Musik, dann hat er es mit uns wahrscheinlich schwer… das ist aber dann auch ok für uns.

Photos: Romano Dudas

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