Live: Melody Connor

Zur Vorbereitung auf das Konzert im qKaff (Kulturcafé Campus Uni Mainz) mit Melody Connor (Support: Beatfrog) am 4.12. um 21:00 erfahren wir von dem Mainzer Musiker u.a. nach welchen Prinzipien er seine Musik produziert, wie es zu seinen Auftritten auf dem berühmten SXSW Festival in Austin kam und was für Erinnerungen er an Konzerte im qKaff hat. Also: Lesebrille aufsetzen und schonmal die Ohren spitzen!

Kevin stellt zu Beginn sein Band-Projekt vor: Melody Connor. Surf / Indie-Rock. Sehr poppig. Ein kurzes Reinhören in “Lost & Found” bringt mich gedanklich sofort nach Florida und San Francisco -east coast west coast baby-, erinnert mich an die guten alten Zeiten, als die Bands Surfer Blood und The Drums in Mode waren.

 

Erzähl doch mal ein bisschen über Melody Connor, wie war da anfangs die Resonanz?

Sehr abgefahren wie das abgelaufen ist. Die ersten drei Singles, vor allen Dingen die letzte Single, „Lost & Found“, stieg aus dem Stand in die Top 10 der Campus- und Indie-Disco Charts in Deutschland ein.

Deine Musik erinnert sehr an Surfpop aus Kalifornien. Würdest du das auch sagen?

Ja, meine Musik findet in einem Surfpop-Kontext statt, bisschen Garage, bisschen Surf, viel Hall, alles analog soweit es geht und ohne den Geldbeutel zu sehr zu sprengen.

An welchen Bands orientierst du dich denn?

Ich bin inspiriert von Bands die aus L.A. kommen, sehr viel West-Coast. Als ich vor zwei Jahren gesagt habe, ich will wieder Gitarrenmusik machen, habe ich amerikanische Musik für mich entdeckt. Ich hatte vorher nur britische Musik gehört, z.B. The Clash, Sex Pistols, The Pogues, etc. Mit der amerikanischen Musik hat sich für mich ein komplett neues Universum aufgetan. Da spielten dann Best Coast eine Rolle, aber auch Wavves. Es gibt in den USA eine große DIY (Do It Yourself) Szene, in der Leute tatsächlich auch in ihren Garagen aufnehmen. Ich mag den Feminist-Punk von der Westküste, z.B. Tacocat, Chastity Belt, Sleater-Kinney … die höre ich alle gerade sehr gerne. Ich bin inspiriert von der Idee einer Punkband, die man hatte als man 16 Jahre alt war … wo man sich so in einer Garage trifft und dann einfach Gitarre spielt ohne bei der ganzen Sache zu technisch zu werden, darum geht es. Meine Texte sind nicht kompliziert oder so … ich will einfach ein paar schöne Melodien haben, laut Gitarre spielen und das langt dann.

Ausgehend von deinem Musikgeschmack und wie du Musik machst, finde ich, dass du eine gewisse Internationalität nach Mainz bringst. Würdest du das auch so sehen?

Ja, das ist der Plan von Anfang an gewesen. Ich habe die ganze Idee dafür vom SXSW Festival in Austin mitgebracht. Das Festival ist ein Schmelztiegel von Bands aus aller Welt. Die ganze Inspiration kommt von diesem Festival, Ich habe ja auch mein Video für „Lost&Found“ in Austin gedreht. Ich meine, du warst auch schon in Austin … aber was denkt man von Texas, wenn man nicht da war?

Cowboys.

Das ist total faszinierend. Dann fährt man nach Austin und merkt, dass es dort voll krass ist, dass es dort unglaublich viel Musik gibt. Das habe ich dann versucht mit nach Mainz zu bringen. Als ich angefangen habe Gitarren für Melody Connor aufzunehmen, fand ich zuerst, dass sie zu gut geklungen haben. Das klang direkt total Hi-Fi oder sowas und das war dann total der Prozess für mich herauszufinden, wie ich Gitarren aufnehmen kann, ohne dass sie weh tun aber dennoch ein bisschen scheiße sind. Der Deal dabei war dann, sich irgend eine billige Squier Gitarre zu kaufen, ein SM57o davor zu stellen und gar nicht lange daran rum zu machen mit teurem Zeug und am Ende ganz bewusst Fehler zuzulassen. Mein Gesang z.B. ist immer ein bisschen pitchy, aber das ist ok. Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, ich bringe Songs raus, hätte ich gesagt: „never“. Man kann das halt machen. Die Entschuldigung ist so ein bisschen, dass man sagen könnte, die Szene, in der ich mich bewege, die erlaubt einem sowas.  Man muss nicht geil singen können, man muss nicht geil Gitarre spielen können, … man muss die Songs allerdings gut schreiben können, darum geht es auch den Leuten. Das sagt auch Cassie Ramone (Vivian Girls, The Babies) in nem Interview. Sie macht sich lustig über Bands, die keine Songs schreiben können aber halt total technisch sind.

Du spielst am 4.12 im qKaff. Wie kam es dazu und was verbindest du mit dem Ort? 

— Das hat der Cornelius gebucht von Keep it a Secret booking. Er macht ja auch die Kreativfabrik in Wiesbaden. Für mich ist das qKaff immer geil, weil ich auch an der Uni Mainz studiert habe und aus der Zeit das Programm „Bands am Montag“ kenne und immer mal da war. Da habe ich echt coole Konzerte gesehen, wie z.B. von Zander Schloss & Pascal Briggs. Angelika Express habe ich auch mal gesehen, die fand‘ ich damals total geil, da hatten die so eine neue Single, die hieß „Was wollt ihr alle“.

Angelika Express, das hört sich irgendwie nach Psycho Jones’ Lieblingsmusik an.

— Jaja, die sind ja auch irgendwie miteinander befreundet.

Wie ist das mit deinen Shows, es ist ja eher eine Seltenheit, dass du mal spielst.

— Ich bin irgendwie gerade nicht so der Typ, der so zwangsläufig irgendwo was bucht. Wenn Leute fragen, ob ich spielen will, spiele ich immer gerne. Ansonsten habe ich eigentlich mehr Spaß dran, ein bisschen zu schreiben und aufzunehmen. Ich habe gerade im Studio sehr viel Spaß, weil ich da ohne Zeitdruck sehr kreativ sein kann. Mit den Auftritten ist es halt so, dass mir eine zweite Gitarre fehlt, jemand der mitspielt. Da habe ich bisher noch niemanden gefunden der gut ins Konzept passt.

Ich habe mittlerweile schon von vielen Musikern in Mainz gehört, die Probleme haben, Verstärkung für ihre Bands zu finden. Woran liegt das?

Ich habe vor einem Monat ein Buch von David Byrne gelesen („How Music Works“, d.Redaktion), das ist der Frontmann von den Talking Heads. Er sagt, dass in total vielen Kulturen, Ländern, das Problem besteht, dass heutzutage häufig unterrichtet wird, Musik zu hören und zu verstehen, aber nicht mehr selbst zu machen. Das fand‘ ich ‘nen interessanten Gedanken.

Stimmt. In Schweden ist es so, dass die Musikschulen von der Regierung gefördert werden. In der Schule kann man sich sehr früh für eine Kunst- und Musikkarriere entscheiden. Ich weiß, dass es noch eine Musik-mach Tradition in den Familien gibt. Wenn man selbst Musik macht, ist die Sensibilität und das Interesse für andere Musik natürlich enorm groß.

Wenn ich zurückdenke an meine Schulzeit, dann mussten wir da auch so Noten erklären von irgendwelchen Arrangements, anstatt dass man sich mal selbst hingesetzt und so ’nen Akkord am Klavier gespielt hätte. Wenn ich als Tontechniker frei arbeite, arbeite ich hin und wieder für Musikschulen, wenn die so Konzerte machen,… und man weiß, dass das so für die Eltern präsentiert wird….

Eingeübt – das kenne ich auch aus meiner Kindheit.

— … und das ist so furchtbar, weil die Mädels alle singen, die Jungs alle Schlagzeug spielen oder E-Gitarre … es gibt keine Mädels die hier E-Gitarre spielen. Das gibt es nicht, … das ist ein strukturelles Problem. Piano-Geige-Cello-Singen: Das machen die Mädels, Bass-E-Gitarre-Schlagzeug: das machen die Jungs … sie singen z.B. fast garnicht. Das müsste man alles mal Gender-spezifisch aufbröckeln. Wo ist denn mal so ne Mädels Band, so vier Mädels, oder auch zwei, ganz egal, … die mal völlig auf die Kacke hauen.

Ich habe gehört, dass du mit Laura Carbone, die ja zufälligerweise auch E-Gitarre spielt, auf dem SXSW Festival ein Konzert gegeben hast. Kannst du da was drüber erzählen?

 In meinem ersten Jahr SXSW -letztes Jahr- bin ich mit Laura Cabone hingefahren und habe mit ihr dort gespielt. Dieses Jahr hat mich Laura dann auch wieder eingeladen um mit ihr zu spielen. Als ich dann dort war, bin ich auch für Joel Sarakula eingesprungen, weil er keinen Bassisten mitgebracht hatte.

Wie kommen die auf dich?

— Mit Joel hatte ich schon einmal zusammengearbeitet. Beim SXSW Festival lernt man aber tatsächlich auch neue Leute kennen und ist kreativ zusammen. Ich habe dort einige kennengelernt, mit denen ich immer noch regelmäßig schreibe und mich austausche. Das ist super. Ich kann nur empfehlen, mal nach Austin zu fahren.

Ich kenne Austin auch sehr gut. Hab da damals in so einer Hippiekommune auf der Couch geschlafen und die haben mich auf jedes einzelne Blues und Folk Konzert mitgeschleppt. 

— Ja diese Art von Leuten gibt es dort. Es ist verrückt, dass in Texas alle Leute von außen total spießig sind, sobald du aber ein bisschen kreativ oder links bist, gehst du halt nach Austin und da treffen sich alle … auch die ganze LGBTQ Community hängt dort ab.

Neben Austin warst du ja vor kurzem auch in Seattle. Was hast du dort gemacht? 

— Hab’ dort geschauspielert in einem Werbespot. Touri in Seattle.

Wie kam es denn dazu bitte?

— Einfach mal beworben. Ich mach so Statistenrollen öfters. War auch schon 2x im Tatort. In Seattle habe ich direkt am ersten Tag die Band Tacocat kennengelernt, die machen Indie-Rock, sehr feministische Band – bin großer Fan von denen. In Seattle gibt es auch so Radiosender wie KEXP, die für Künstler unglaublich viel machen: Live-Auftritte organisieren, 24/7 Radioprogramm, kein Top 40, DJs können selbst entscheiden, was sie spielen. Ausgewählte, abgefahrene Songs – kein Vergleich zu Rockland – und das geht natürlich auch in die Köpfe der Leute. Ich glaub Rockland hat gerade mal einen Musikredakteur. Spielen die ganze Zeit Billy Talent und AC/DC, total skurril.

So, jetzt hab ich erstmal genug erzählt.

Ja, ist genug für heute. Jetzt muss ich hier nur die richtige Taste drücken, um das zu speichern.

— Löschen!

Photo: Maxim Abrossimow (Von schlechten Eltern)

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