Suzan Köcher (Pop, Folk)

Die Retro-Woche in Mainz geht weiter: Nach einem grandiosen Konzert der Jungs von Fooks Nihil ist jetzt Suzan Köcher dran. Sie gehört, wie auch Fooks Nihil, der Blackberries, Palace Fever und Okta Logue “Clique” an. Am Dienstag, den 21.11. um 21:30 (Einlass 20:30) spielt sie im schon schön in Mainz. Ihr Konzert wird uns auf eine Zeitreise in die 60/70er Jahre begeben. Im Interview mit Fauves erzählt sie uns, welche Bilder bei dieser Reise in ihrem Kopf entstehen.

Das Lied „Dandelion Fields“ handelt von Löwenzahnfeldern, „who cover up the sidewalks oft these dirty streets … and reminds us of our broken dreams.“ Welche Assoziationen bzw. Träume verbindest du mit Löwenzahnfeldern?

Löwenzahn hat mich als Kind schon immer beeindruckt. Wer hat es nicht geliebt Löwenzahn zu pflücken und den Blütenstaub wegzupusten? Ich finde es faszinierend wie lange der Prozess der Entstehung braucht und man ihn innerhalb einer Sekunde zunichte machen kann. Es ist einerseits traurig – andererseits ist es eine wunderschöne Erfahrung zu sehen, wie die kleinen „Regenschirme“ im Winde wehen und sich zu neuen Ufern aufmachen, um neues Leben zu werden.

Im Lied „Cinnamon“ benutzt du wie im Lied „Dandelion Fields“ einen Vergleich, um über eine Erinnerung, ein Gefühl zu singen. Diesmal ist es nicht der Löwenzahn, sondern Zimt. Es ist spannend, dass man bestimmte Gerüche oder Geschmacksrichtungen mit Personen assoziiert. Wie war der Entstehungsprozess von diesem Lied?

Ich schreibe Songs manchmal so, dass ich mir vor Entstehung schon überlege, was ein guter Songtitel wäre. Der Song entstand, nachdem schon einigermaßen klar war, in welche Richtung das Album gehen soll. Julian Müller, Sänger, Songwriter und Gitarrist der Blackberries hat mein Album produziert und er hatte die Idee einen Song zu schreiben, der „Cinnamon“ heißt. Wir mochten den Klang des Wortes beide und haben uns direkt hingesetzt und den Song geschrieben. Ich glaube, dass viele Menschen mit Zimt positive Erfahrungen, wie die Weihnachtszeit verbinden. Das hat mich dazu inspiriert mal die andere Seite auszuleuchten; „Was ist wenn jemand durch den Geschmack von Zimt an eine verflossene Liebe erinnert wird und durch das alljährliche Widerkehren des Gewürzes nicht von ihm loskommt?“

So wie wir es verstehen, sind wiederkehrende Themen des Albums Nostalgie und Verlust. Könntest du darauf näher eingehen?

Genau – man schreibt ja oft über Dinge, die einen beschäftigen – ich denke viel über den Tod nach. Man könnte eher sagen „Vergänglichkeit“ als „Verlust“. Deshalb benutze ich auch gerne Blumen als Stilmittel. Sie verkörpern Schönheit, Jugend und Fruchtbarkeit, doch wenn der Winter kommt, sterben sie. Bei mir geht es aber nicht nur um die „Angst“ vor dem Tod, sondern auch um die unerklärbare Schönheit, die sich (wenn man sich etwas länger mit dem Thema beschäftigt) darin offenbart.

Wie man an deinem (schönen) Kleidungsstil und dem Klang vereinzelter Lieder erkennt, lehnst du dich an Musik & Mode der 60/70er Jahre an. Wie ist deine Beziehung zu dieser Zeit?

Als Kind habe ich schon die Platten meines Vaters aus dem Keller gekramt und fand es spannend, wie Musik durch eine Nadel entsteht, die sich durch ein paar Rillen fräst. Unbewusst habe ich mich schon immer modisch an den 60er und 70ern orientiert – verspielte Muster oder Blumenkleider waren schon immer in meiner Garderobe präsent. Als ich mich aber irgenwann näher mit dem Thema beschäftigt habe und den „Wurzeln“ der Musik auf den Grund gegangen bin, habe ich festgestellt, dass ich mich darin nicht nur modetechnisch, sondern auch musikalisch und charakterlich wiederfinde. Ich liebe und stehe für Natürlichkeit und Individualität. Dadurch dass es noch nicht all die Möglichkeiten gab, die es heute gibt, musste man kreativ sein. Deshalb finde ich es teilweise schade, dass es heutzutage durch die technischen Möglichkeiten sehr einfach ist mit einem Programm irgendwelche Sounds nachzuahmen oder Töne geradezurücken. Mich fasziniert, wie man damals Musik aufgenommen hat und ich finde man hört, dass es purer und ehrlicher war, als viele heutigen Sachen, die bekannt sind. Aber natürlich höre ich mir auch gerne aktuelle Bands an – es gibt ja zum Glück viele Ausnahmen.

Könntest du uns zum Schluß noch etwas zu den Bands „Palace Fever“ und „Blackberries“ erzählen, in denen du auch spielst?

Julian Müller, der neben den Blackberries auch Kopf von Palace Fever ist, veranstaltet seit einiger Zeit zum Jahresende immer eine Show in unserer Heimatstadt Solingen. Vor drei Jahren hat er mich gefragt, ob ich dort als Gast auftreten möchte. Daraus hat sich dann mit der Zeit mehr entwickelt als anfängliche Gastauftritte und ich bin Teil der Band geworden und auf dem Album „Palace Fever sing about Love, Lunatics & Spaceships“ auch auf ein paar Songs zu hören. Aus den gemeinsamen Auftritten hat sich dann auch mein Solo Album entwickelt, weil wir angefangen haben live auch immer mehr Songs von mir zu spielen – Palace Fever ist jetzt auch bei allen Auftritten unter meinem Namen dabei, damit wir die Songs auch so umsetzen können, wie sie auf der Platte klingen. Julians Hauptprojekt sind die Blackberries mit denen er viel auf Tour ist und tolle Alben veröffentlicht. Ich bin da allerdings nicht dabei – vielleicht denken das manche Leute, weil ich im Video von „Flowers Paint The Sky“ zu sehen bin.

Vielen Dank für das Interview, Suzan! 

Photos: (1) & (2) Suzan Köcher Press

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