Psycho-Jones: Entertainer, DJ, Mainzer Urgestein

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Wenn man vor hat, über die Mainzer Musik- bzw. Nachtlebenzene zu schreiben, kommt man an Psycho-Jones nicht vorbei. So soll es auch nicht anders sein, als dass wir uns am Mittwoch von 22:00 bis 0:00 im Neustadt Dönerladen “Dönerstag” treffen. Wir sprechen über sein Biographie Projekt, das von seiner seltsame Liebe zu Depeche Mode handelt, seine DJ-Reisen um die Welt sowie seine Erfahrungen mit der Mainzer Musikszene. Außerdem: Ein exklusiver Ausschnitt aus seinem unveröffentlichten Buch: “A Strange Love – Initials PJ”

Der “Dönerstag”-Laden ist Psycho-Jones’ zweites Wohnzimmer. Das merke ich frühstens daran, dass er Speisekarte und Poster für den Laden gestaltet hat, alle Leute die raus und reinkommen ihn anquatschen … und spätestens, als ich die Nr.11 bestelle: Yufka Döner a la Psiko, mit Weichkäse, Tomaten, Petersilie, Zitronensaft und Chili. Anlass unseres Treffen sind jedoch nicht seine Döner-Kreationen (Nr. 13 mit Granatapfelsirup – sein Geheimtipp), sondern Psycho-Jones’ zahlreiche Projekte als Musiker, DJ, One-man Showmaster und Schriftsteller. Dieser Mann garantiert ausgefallene Unterhaltung pur – auch in diesem Interview.

Psycho, woher kommst du eigentlich?

Die Leute sagen, ich komme aus Berlin … ich lebe jedoch seit über 20 Jahren in Mainz, komme aber aus dem Westerwald.

Du hattest ja anfangs auch viel mit der Fiszbah in Mainz zu tun, oder?

Ja genau. Zuerst gab es eine Fiszbah in Limburg, die ich bereits als Gast kannte, weil ich aus der Nähe stammeDie Fiszbah 2.0 wurde schließlich vom Besitzer Gido Stenger nach Mainz exportiert. Dort habe ich fast von Anfang an viele Jahre an jedem Dienstag aufgelegt und später auch dann und wann in seiner Limburger Bar. 

Darauf wollte ich auch hinaus. Du bist dann nach Mainz gezogen … was für Clubs gab es zu der Zeit damals?

Als ich 1996 hier nach Mainz kam, gab es noch nicht so viel. Ich erinnere mich an das KUZ und den Lindenbaum.

Sollen wir gerade bestellen?

Ja, wir bestellen, sonst verquatschen wir uns. Nr.11, bitte …

… und die 13 für mich!

Was wolltest du denn dann hier in Mainz machen?

Ich wollte eigentlich Lehramt studieren, Bildende Kunst. Der Fachbereich war damals aber leider für meine Belange zu konservativ. Ich habe aber trotzdem als Gast studiert, und schließlich gemerkt, dass es für mich keinen Sinn macht. Daraufhin habe ich ein wenig später angefangen, Parties zu machen. Zunächst nur Fachschaftsparties, mein Zweitfach war Biologie – habe also auf Bio-Parties im Sommer aufgelegt. ’98 habe ich dann begonnen, im Kulturcafé (QKaff) was zu machen. Die hatten damals kaum Events, es war sehr nackt dort. Man musste viel machen, damit die Stimmung aufkommt, d.h. man musste viel Technik selbst mitbringen, es war sehr Lo-Fi. Von Anfang an habe ich schon viel mit Dekoration und Licht gearbeitet, so Vintage-Kram.

Photo: Ricardo De Larrea Remiro

So wie ja heute eigentlich auch.

Genau, nur eben weiterentwickelt.

Was für Musik hast du damals in Fiszbah und QKaff aufgelegt?

Schwer zu sagen, breit gesteckt. Mischung aus Indie, 60s, Elektropop, Punk, Wave, Disco, Bigbeat … sehr aufwendig dekoriert …  in der Fiszbah hab ich immer die Schaufenster komplett zugeklatscht mit Aufstellern.

Gibt es ein Lied, worauf damals jeder abgefahren ist?

Ja, da gab es ein Lied von Stereo Total, “Touche-Moi”. Durch dieses Lied sind die Red Cat Besitzer kurz vor der Eröffnung auf mich aufmerksam geworden. Die haben es bei mir gehört und haben gesagt: “Hier, sowas musst du bei uns im Red Cat auch machen”. Das war ’99. Das Abspielen des Tracks war der Schlüsselmoment, als sie das erste Mal mit mir geredet haben.

Hattest du das Lied einfach nur abgespielt, oder auch ein bisschen modifiziert?

Nö nö, ganz Lo-Fi. Da gab es dort noch kein DJ Pult, nur einen Heim-CD-Spieler hinter der Bar in der Ecke zur Küche hin, mit dem Rücken zum Publikum.
Ich brachte immer meinen eigenen CD-Spieler und meinen Mixer mit, so ein Vintage Ding aus den 80ern. Schlechter Sound, hatte aber auch irgendwie seinen eigenen Charme dadurch. Zudem hatte der Mixer billige Effekte wie “Storm”,”Laser”, “Bomb”, “Gun”, die ich dann und wann mal einsetzte.

Die Fiszbah war also so eine Art Zentrum des Nachtlebens?

Die Fiszbah war definitiv der erste Laden in der Stadt, der es geschafft hat, mit Vintage-Look, blauem Kunstrasen an den Wänden, Discokugel an der Decke und Lava-Lampen so eine Atmosphäre herzustellen, wie man sie sich in Berlin, Tokyo oder NYC vorstellte. Das hat damals sonst keiner so gemacht. Auch musikalisch gab es in der Stadt und in der Region nichts vergleichbares. Das erste, was der Fiszbah auf gewisse Weise ähnelte, war die Stereobar in Frankfurt.

Deine nächste Etappe war also das Red cat.

Genau, September ’99 ging es dort los mit mir. Im Cat habe ich am Anfang einmal im Monat am Wochenende aufgelegt. Die Party hieß “The Pop Up Club”. Später habe ich dort zusätzlich jeden Mittwoch gespielt. Die Serie namens “Psycho’s Living Room” habe ich dann fast 13 Jahre gemacht, teilweise parallel zur Fiszbah. In der Fiszbah habe ich immer meine neueste Musik ausprobiert, mit aufwendiger Dekoration, Super-8 Dia Projektion, Beamerfilme … manchmal mit interaktiven Aktionen, wie Filmquiz z.B. Im Red Cat ging es mehr ums Tanzen. Dort gab es einen alternativen Achtziger Abend, einen Abend mit Sixties Soundtracks und einen Indie-Electro Abend. Die Konzepte hießen Pop Automatiques, Music to Watch Girls by und The New Pollution. Die Dekorationen und Visuals waren an diesen Abenden auf die Musik abgestimmt.

 

In wie fern stimmst du die Dekoration mit der Musik ab?

Ich bin gelernter Schauwerbegestalter und so mache ich es immer, wie es mir gerade gefällt. Stelle mal da was hin, mal dort. 
Es gibt aber auch Konzepte bei denen ich die Dekoration explizit zum Eventthema aussuche.

 

Ich habe deine Dekoration und Lichtkulisse im LOMO gesehen, genial! Wie ging es dann weiter mit dir?

Gerrit Schick und Norbert Schön (der auch keine Lust hatte auf sein Bio-Studium, d. Redaktion & Sensor) haben das Schick&Schön im damaligen Südbahnhof aufgemacht. Die haben mich gleich mit an Bord geholt. Die beiden kannten mich von allen Läden, wo ich gewirkt hatte, da sie dort auch Stammgäste waren. Gerrit wollte mich auf jeden Fall dabei haben. Norbert war anfangs noch nicht so überzeugt, was sich aber schnell änderte.

Wie alt seid ihr damals gewesen?

Boah, so Mitte/Ende 20? Das Schick&Schön war dann erstmal ein Event-Ding. Einzelne Parties. Ihre Freunde haben Musik gemacht. Keine Werbung, nur Mundpropaganda. Das hat sehr gut funktioniert und sie haben als Konsequenz dann das Ding als Club aufgemacht. Es war ein eigenes Gebäude. Der alte Südbahnhofskomplex mit Warteraum. Das einzige was heute vom Originalbau im neuen Shoppingkomplex heute noch übrig ist, ist eine Backsteinmauer … sonst gibt es vom alten Gebäude nichts mehr.

Was ist denn deine Idee hinter dieser Kreativität und Ausgefallenheit deiner Dekoration?

Ich mach das einfach spontan, ergänze … ist vergleichbar mit dem Malen eines Bildes. Man hat ‘ne grobe Idee, möchte aber das gleiche Bild nicht immer wieder malen. Deswegen wird es immer verändert, mal mehr oder weniger stark.

Kannst du das an einem Beispiel festmachen, z.B. der Dekoration im Keller im Lomo?

Ja, da war es halt so, dass der Raum relativ klar ist, weiße Wände, die man gut beleuchten kann, wie eine weiße Leinwand. Ich konnte den Raum jedes mal anders einrichten, weil alles mobil und verschiebbar war. Das hat für mich den Reiz ausgemacht. Am Anfang des Abends gab es ein kulturelles Warm-Up, Improtheater, z.B. von Skriptlos glücklich, oder meine eigene Bingo-Show. Dann auch sowas wie Hairy-Chest, aber auch politische Sachen (Pulse of Europe, Gegenbewegung zu nationalistischen Tendenzen).

Wer ist das das eigentlich, dritter von rechts?

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Das ist einer meiner Stammgäste, “Gogo-Andi”. Er ist bzw. war immer einer der Stammgäste im LOMO und in der Dorett Bar, tanzt immer als erstes. Er tanzt sehr spirituell, verteilt seine Energien im Raum. Damit kann nicht immer jeder mit umgehen, er ist sehr flirty.

Aber schön, dass du ihn würdigst.

Ja, ich hatte vor daraus eine Serie zu machen. Originale aus dem Mainzer Nachtleben auf Flyern, Postern, Postkarten und Aufklebern. Die Fotos habe ich mit ihm zusammen gemacht, mit unterschiedlichen Posen, nicht nur mit umgekehrter Merkel-Raute, sondern auch mit Hantel und andere Motive.

Der andere ist “Hairy-Chest”, ein Künstler aus Berlin. Der macht ne Mischung aus Balkan Beats und Electro-Swing. Ist wie so ein großer Teddybär. Hat ne sehr tiefe, brummige Stimme und den hatte ich eingeladen in Zusammenarbeit mit KUZ unterwegs.

Abgefahren! Wie ging es dann noch weiter, wo bist du heute? Überall, oder hast du bestimmte Adressen?

Ich war bis zum Sommer im LOMO, damit ist zurzeit Pause. Ich mache gerade nur eine Serie, bei der ich auch nicht immer dabei bin, die sich Singleklub nennt, im Schick&Schön.
Das ist ein Pool von 7-8 DJs und Djanes aus dem Rhein-Main Gebiet, aber auch aus Bonn, Köln, Berlin. 2-3 DJs legen je Abend auf, nur mit 7-Inch Singles.

Ich habe gesehen, dass du in den nächsten Tagen in Amsterdam bist. Was machst du dort und wie unterscheidet sich das, was du dort machst von dem, das du hier in Mainz machst?

Gut, die Leute ticken ja überall ganz anders. Die Holländer sind anders drauf. Am Donnerstag bin ich im Kellerclub eines Hotels. Das ist abhängig von der Location, was ich mache. Im Kellerclub, Doka, sind immer abgefahrene Performances, interaktive Sachen, Stangentanz, selbstgemachte, skurrile Kostüme, und ich lege auf. Musikalisch spiele ich eine Mischung aus Triphop, EBM, Disco, New Wave, SynthPop.

Hast du irgend ein Lied, um dein Set zu veranschaulichen? Mit den Begriffen kann man das nicht so gut einordnen.

Sehr komplex. Das Partykonzept heißt Maison-Mirage. Die Idee ist ne geheime Party zu machen. Musik zum tanzen, aber auch ruhiges, psychadelisches ist mit dabei.

Wie ticken dann die Mainzer, was kommt da gut an?

In Mainz funktioniert aktuell fast nur kommerzielle Musik, 90er, Hiphop,Techno, Elektro, House. Wobei man nicht alles über einen Kamm scheren kann. Es gibt hier auf jeden Fall eine sehr ausgeprägte Techno-House-Elektro Szene hier in der Stadt. Es gibt viele lokale DJs.

Zwei gute Orte dafür, Planke Nord und Gebäude 27, brechen jetzt weg.  

Manche der Veranstalter und DJs suchen sich jetzt was neues. Ich glaub’, im LOMO wollen ein paar DJs jetzt was machen, z.B. Teenage Mutants, die u.a. an der Planke Nord was veranstaltet hatten.

An was für einem Projekt arbeitest du gerade?

Ich bin mich gerade tatsächlich am neu orientieren, schreibe eine Biographie. Ich hatte da drei verschiedene Ideen. 1: Ein Buch, das das Mainzer Nachtleben, die dunklen Seiten darstellt. Aber wenn ich das schreibe, kann ich in keinen Club von Mainz mehr gehen oder habe eine Bombe im Auto. 2: Ein Buch über das Auflegen an sich. Auf der seinen Seite, die Perspektive von mir zu beschreiben, wie ich mich beim Aufbau fühle, mit der Reaktion des Publikums klarkomme, Gespräche, Diskussionen mit dem Publikum. Auf der anderen Seite, hatte ich überlegt mich in die Köpfe des Publikums hinein zu versetzen, in die, die den Abend voll scheiße finden. Was geht bei denen im Kopf vor? Wenn z.B. ein 60s-Abend läuft und die kommen und wollen 90er hören. Man geht halt auch nicht in einen Burgerladen und bestellt Spaghetti.

Wie kamst du zu Idee 2?

Ich habe früher schon Satiren geschrieben, als ich an einer Tankstelle gearbeitet habe, über die Dialoge, die man da führt. Das ist sehr viel Inspiration. Die Leute schalten das Gehirn aus, kommen rein, legen das Geld hin und wissen nicht mehr, was sie wollen, sagen halt nur so was wie “Mercedes”. Am DJ-Pult ist es manchmal auch so. Man hat jetzt nicht so viel Kontakt, aber es kommt schon zum Gespräch, wenn sich z.B. jemand was wünscht. Manche Leute wünschen sich dann was, was doch gerade erst lief, oder schlagen was vor, was gar nichts mit dem Abend zu tun hat. Dann gibt es auch so Leute, die wollen, dass man was mit “Rhythmus” oder “Melodie” spielt. Ich meine, welche Musik hat keinen Rhythmus?

Idee 3?

Das ist ein Konzept, das auch mit Musik zu tun hat… und dafür habe ich mich dann entschieden. Es hat etwas mit dem Release des neuen Albums “Spirit” von Depeche Mode dieses Jahr zu tun, von dem ich sehr überzeugt war. Die Vorab-Single “Where’s the Revolution” z.B. ist schon sehr sozialkritisch und die Platte, die dann dazu kam war einfach ‘ne Runde Sache für mich.

Genau vor 30 Jahren zu Weihnachten hatte ich meine aller erste Platte von denen geschenkt bekommen und das hat alles so ein bisschen losgetreten, meine Leidenschaft für die Band. Mein erstes Konzert war 1990 bei Depeche Mode, mein erstes Jugendzimmer war mit Postern von denen zugeklebt. Ich war 2017 auf zwei Konzerten nacheinander. Die spielen ja im Jahr 100 Shows mit nur 1-2 Tagen Pausen dazwischen und jeweils einer 2-stündigen Sets, hüpfen in ihrem Alter auf der Bühne rum. Dieses Jahr war ich besonders begeistert. Hab mir daraufhin nochmal all die alten Sachen angehört. Dabei kam eine Art Kopfkino zustande. Ich habe überlegt, was in meinem Leben passiert ist, zu der Zeit in der ich ein bestimmtes Lied von einem älteren Album gehört habe. Mit der ersten Platte war es am intensivsten natürlich, aber mit jeder anderen Platte gibt es dann auch noch Verbindungen zu im Kopf.

Kannst du das an einem Lied konkretisieren?

Ich kannte schon das Video von “Never let me down again”. Gerade dieses Video von Anton Corbijn hat mich sehr inspiriert, weil es erstmal ein schönes schwarz-weiß Super 8-Video ist, die Aufnahme, der Sänger mit einer coolen Vintage Isetta rumfährt, verfolgt wird …und der Song an sich halt. Da ist eine Chemie zwischen Song und Video. Martin Gore spielt Akkordeon, ich habe früher auch Akkordeon gespielt. Das waren dann so Assoziationen, da war ich 14, 15 Jahre alt. All das war ein Grund, dass ich die CD damals gekauft habe. Ich hatte erstmal nur diese CD und habe nur die gehört, bis ich wieder Geld hatte, eine andere CD zu kaufen.

 

Depeche Mode ist die Band, die mich am längsten und am meisten in meinem Leben begleitet hat. Morrissey und The Smiths habe ich früher ebenso viel gehört, aber irgendwann wurde Morrissey für mich langweilig, da es bei ihm keinen Aha-Effekt mehr gab.

Was uns jetzt noch fehlt, ist über dein Musikwirken ein bisschen genauer zu berichten. In welchen Bands hast du früher gespielt? 

In den 90ern habe ich mit einem Kollegen Synthie Pop gemacht, Richtung Dark-Wave. Da gab es aber keinen Bandnamen für. Dann kam lange nichts … bis ich damit anfing, Orgel zu spielen. ’99 habe ich in Limburg mit einer Band gespielt, die hießen Budango 5, durch das Fiszbah Umfeld bin ich auf die Band gekommen. Habe dort Orgel, Perkussion und Background Vocals gemacht. Die Musik war so eine Mischung aus Garage, Punk, Indie.

Danach habe ich mit dem Schlagzeuger und Gitarristen eine neue Band gegründet: THE GO APES. Das war dann nochmal wilder, mehr Garage und 60s. Wir haben mit der Band richtig geile Shows gespielt, sind viel in Deutschland rumgefahren.

 

Das Nachfolgeprojekt hieß Theee Psycho-Jones Invasion. Das war eine Fortsetzung von THE GO APES. Hab da keine Orgel mehr gespielt, sondern den Frontmann gemacht und Perkussion gespielt. Invasion hieß es, weil wir auf Live-Shows wie ein Invasionskommando die Bühne gekommen sind, erst Nebel, wir kommen auf die Bühne, Nebel weg und machen dann eine wilde Show …am Ende wieder Nebel …und wir sind weg.

 

 

Die Band gibt es jetzt auch nicht mehr?

Richtig, sind ein paar Leute umgezogen und die Band hat sich aufgelöst. Wenn ich die richtigen Leute finde, gehts aber sicher weiter. Da ist das, was Kevin über die Mainzer Musikszene gesagt hat garnicht mal so falsch.  Es ist sehr schwierig hier Leute zu finden, die zur Musik passen, vor allen Dingen welche, die mit einer gewissen Kontinuität dabei sind. In Großstädten ist es insofern schon vernetzter.

Gerade deswegen schreibst du jetzt erstmal ein Buch?

Ja, das wird ein sehr dokumentarisches, ironisches, biographisches und satirisches Buch über Depeche Mode und meinem Bezug zu ihrer Musik als roten Pfaden. Parallel suche ich einen Verlag oder Label. Das Buch soll ein Multimedial-Projekt sein, nicht nur als Print, Hörbuch, Ebook was auch selbstgemachte Fanartikel, Kollagen, Fotos (Ich hatte früher die gleiche Frisur wie der Sänger Dave Gahan), Tickets und Postersammlungen von mir beinhalten soll.

Es wird auch einen Soundtrack geben, mit Liedern, die ich sonst im Buch nenne … all das, was ich außer Depeche Mode auch noch gehört habe. Ferner möchte ich auf Lesungen diese Depeche Mode Songs Live performen, mit Synthesizer und am besten auch mit vielen Künstlern Cover-Versionen zu Depeche Mode Liedern machen. Danach natürlich wird es noch eine After-Party mit Musik von Depeche Mode und vom Soundtrack geben.

Hast du schon einen Titel für dein Buch?

Das Buch wird “A Strange Love – Initials PJ” heißen. Es gibt einen Song von Depeche Mode, der so heißt. Angelehnt an den Song “Strangelove” von Depeche Mode. Und die Initialen P.J., das ist zum einen mein Künstlername, Psycho-Jones, zum anderen eine Abkürzung für den großen Hit von Depeche Mode, “Personal Jesus”.

 

Was denkst du eigentlich über die Ausgehmöglichkeiten hier in Mainz?

Es gibt hier genügend Plattformen dafür, dass auch alternative Sachen passieren können. Allerdings habe ich das Gefühl, dass das Publikum hier und auch überregional nicht mehr so viel Wert auf Anspruch bei der Unterhaltung legt – die meisten wollen einfach nur billige Unterhaltung – wie auch immer. Beschallung, Party, Halli-Galli. Das ist aber auch keine aktuelle Entwicklung, nur gerade ist da ein Tiefpunkt erreicht. Je billiger, desto besser. Das kann man auch auf Lebensmittel oder Elektronik übertragen. Alles wird billiger, die Qualität wird schlechter. Das liegt zum großen Teil am Konsumverhalten der Menschen.

Die Sache ist die: Da wo es nicht so viel gibt, kann man auch etwas bewegen. In den 90ern gab es die Locations für Alternative Sachen noch nicht, dafür gab es das Publikum. Heute ist das genau umgekehrt aus meiner Sicht. Auch wenn jetzt zwei Läden hier zugemacht haben, gibt es immer noch sehr viele Orte,  wo man hingehen kann. Das Problem ist, dass viele Leute dort hingehen, und Fast-Food essen wollen: Charts etc. Die Leute hätten die Wahl, weil sie auf alles Zugriff haben, aber dadurch sind sie so überfordert, dass sie garnicht mehr wählen.

Jetzt interessiert mich doch die Dönerladen Geschichte noch. Wie kam es dazu, dass du das hier alles gestaltet hast?

Dönerstag hat vor ca. 10 Jahren aufgemacht und ich habe mich von Anfang an sehr gut mit den Jungs verstanden. Damals war der jüngere Bruder Bilan immer auf meinen Parties und eines Tages fragte er mich, ob ich ihm denn nicht eine neue Karte gestalten kann. Die 13 bzw. Yufka Pomegranate ist z.B. von Griechenland & Kreta inspiriert, dort habe ich das Granatapfelsirup entdeckt und lieben gelernt.

Psycho, vielen Dank für das Interview. Es ist spät geworden. Gute Nacht! 

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