Baby Kreuzberg (Road-Folk / Rock / Blues)

Am Montag, den 6.11. um 21:00 (Einlass: 20:00) kommt “Baby Kreuzberg” aka Marceese ins Schick & Schön in Mainz und spielt im Rahmen der Konzertreihe Klein aber Schick. Die Musik des Berliner Singer-Songwriters zeichnet sich durch Ausdrucksstärke und Vielfalt aus. Im Interview hat Fauves den Sänger ein wenig über seine sehr energischen und durchdachten Liedtexte ausgefragt.


In ”Ain’t No Texas Ranger” singst du über den Zustand deiner Stadt und sagst: “I don’t care about fucking hipsters, with all their beards and 80s jeans and I don´t even drink club mate, so I’m trying to make love my goal.” Da ist ja schon so eine Art Gentrifizierung- und Wertekritik, aber auch eine Absage an Kommerzialisierung und den Massen-Hype.

Wie stellst du dir vor, dass in der Stadt Berlin das von dir besungene Ziel (make love) erreicht wird und was hat das Ganze mit „Ain’t No Texas Ranger“, dem Titel zu tun?

Die Geschichte zu dem Song ist folgende. Es gibt im neuen Szene-Viertel Neukölln jetzt an jeder Ecke diese Hippster-Bars. In einer Gegend wo vor 15 Jahren niemand wohnen wollte, will jetzt jeder rumhängen. Zeit ändert sich, das ist ja auch gut so. In einer ganz bestimmten Eck-Kneipe spielen jeder Woche zwei Singer/Songwriter und ich habe denen 6 Jahre E-Mails geschrieben und gefragt, ob ich da auch mal spielen kann. Die Antwort war: „Nein, bei uns spielen nur Musiker aus New York, Seattle oder Detroit.“ Davon handelt der Song. Ich singe: „I get no job in my hometown“, eben weil ich nicht aus Amerika komme. Aber mir sind Herkunft, das Aussehen und das tolle Szene-Getränk egal. „I’m trying to make love my goal“. Darum sollte es gehen – nicht um Äußerlichkeiten … ich bin da ein bißchen old-school-mäßig.

In „Every dog has his day“ singst du vom Heimweh, wenn du länger unterwegs bist: „When I am travelling around, I get homesick all the time“. Wie lässt sich diese Strophe mit „Ain’t No Texas Ranger” vereinbaren bzw. worin besteht das Heimweh (schließlich warten ja die Hipster auf dich, wenn du in deine Heimatstadt Berlin zurückkommst)?

Hey, super, dass sich mal jemand mit den Texten beschäftigt. „Every Dog“ ist eine andere Geschichte. Berlin ist meine Heimat. Was auch immer sich hier verändert und was immer hier bleibt: Ich liebe Berlin, weil es einfach geil ist. Trotzdem und deswegen. Bei dem Song „Every Dog has his day“ geht es um meine Familie, die ich hier habe – meine Kids. Die vermisse ich ziemlich, wenn ich auf Tour bin. Bei den Background-Vocals hörst du übrigens meine Töchter.

Desto mehr Lieder man hört, desto mehr Spaß macht es, dein Album „Twang Twang“ zu hören. Das liegt wahrscheinlich vor allen Dingen an der Vielfalt der Musikstile – von Country bis Rock n’ Roll – an die du dich anlehnst. Ganz besonders fällt diese Vielfalt auf, sobald du nach anfänglich entspannten Liedern mit deiner Band mit den Liedern „She-Devil“ und „#Asshole“ so richtig Fahrt aufnimmst. In einem anderen Interview sagst du, dass es in der Mitte ein bisschen „nach vorne geht“.

Liegt das vielleicht daran, dass du im Lied „#Asshole“ diejenigen direkt ansprichst, die das Ziel „make love“ gefährden?

Dass „Twang Twang“ zur Mitte hin an Fahrt aufnimmt, liegt weniger an den Texten als vielmehr an der Reihenfolge wie ich die Songs gesetzt habe. So langweilig das jetzt auch klingen mag, aber ein Album muss ja auch eine gewisse Dynamik haben. „#Asshole“ ist gegen die Nazis. „Follow your leader to the underground“. Aber auch der fünfte Track „These three words“ äußert ähnliche Kritk. „These three words: go !@#$%^&* youself!“, nur dass es in diesem Song musikalisch eher schön und balladesk rüberkommt. Wenn man sich allerdings den Text genauer ansieht, hat der Song eine andere Wirkung. Und ja, diese Stimmung die hier in letzter Zeit aufkommt, sollte einem etwas zu denken geben – ich hätte schwören können, dass jeder aus unserer Geschichte gelernt hat. Tja, dem ist wohl nicht so.

Zum Schluss noch eine Frage zu deinem Musikgeschmack. Querverweise zu „Frankie goes to Hollywood“ sind ja schon beim Songtext von „Ain’t No Texas Ranger“ zu erkennen (make love your goal).

„Make love your goal“ fand ich einfach eine unschlagbare Zeile. Von Frankie goes to Hollywood habe ich aber ehrlich gesagt nichts zuhause. Ich bin hauptsächlich Gitarren-Junkie. Überall wo ne fette Gitarre zu hören ist, bin ich ganz Ohr. Von Pink Floyd bis Slayer, Hendrix, Cash, QOTSA, Hank Williams, Soundgarden, Buddy Holly, Pantera, KISS, JD McPherson, etc.

Vielen Dank für das Interview und bis Montag!

Photo: Baby Kreuzberg

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