Track by track: Marion & Sobo

Marion & Sobo spielen am Mo, den 23.10 um 21:00 im Schick & Schön. Beim "Vor-"Hören des Albums „Migrateurs“ von Marion & Sobo begibt man sich auf eine Reise um die Welt, so vielfältig sind die Klänge, die einem von weit her in die Ohren fließen.

Wir gehen die vier Lieder durch, die es auf Spotify zum anhören gibt. Wir beginnen mit dem Titel „Migrateurs“ aus dem 2016 erschienenen Album von Marion&Sobo und  begeben uns auf eine Reise nach Afrika.

„Migrateurs“ ist eine Komposition von uns beiden. Migrateurs heißt Zugvögel. Das ist ein schönes Bild für uns. Bei uns geht es darum, wie du gesagt hat, eine Weltreise zu machen und musikalische Klänge aus aller Welt in einem Raum zu bringen. Wir wollen dem Publikum die Möglichkeit geben, egal ob in Mainz oder Mannheim, zu verreisen. Deswegen liege ich globale Musik. Also, im ersten Lied geht es um einen Zugvogel, der den grauen, kalten Winter in Europa verlassen möchte und in Richtung Afrika fliegt, über schöne Landschaften fliegt,…im Frühling aber zurückkommt ins warme Europa, da wo sein eigentliches Nest ist. Wir hatten Einflüsse aus Nordafrika, Algerien, Libyen.

Wenn du ein Zugvogel wärest, wo würde die Reise im Winter hingehen? Hast du ein Land, wonach du dich sehnst?

–Tatsächlich vereisen wir jeden Winter, aber es gibt nur ein Land, in das wir reisen. Ganz besonders freue ich mich auf eine Argentinien Reise im Dezember. Zurzeit bin ich großer Südamerika Fan.

Ja, ich auch total. Wir haben auch eine gemeinsame Freundin, die Laura Jimenez. Die hat euch ja damals im Goethe Institut in Bogotá, Kolumbien empfangen und ihr habt dort gespielt! 

— Ja genau, das war damals meine erste Reise nach Südamerika vor 4 Jahren. Kolumbien, Cuba.

Wieso nun Afrika?

— Ich finde den Kontinent sehr spannend, den ich aber leider noch nicht so gut kenne. Ich komme aus Frankreich, und da gibt es natürlich viele Leute aus unterschiedlichen Regionen Nordafrikas. Und in der französischen Musik gibt es eben auch diese Einflüsse im Rap z.B. aus Afrika. Das war eigentlich eine sehr vage Inspiration, ohne Bands.

Nr. 2. Paris?

Sehr typisch französische Klänge, Einfluss Gypsy Swing von Django Reinhardt. Zwei Gitarren, kein Schlagzeug. Geige, Kontrabass, sehr akustischer Sound. Musikalisch ist das Lied sehr von meiner Heimat, aber auch von Sobos, da er Pole ist, geprägt. Sobo hat auch schon als er mich noch garnicht kannte, Gypsy gespielt. Vom Text ist es ein sehr ironischer Text. Es geht um eine Frau, die sich über (s)einen Seemann beschwert. Der Mann hatte im Lotto gewonnen und er dachte sich: „ah, ich wollte immer am Meer sein, ich wollte immer Seemann sein – er ist kein Seemann, sagte sie, er mag noch nicht einmal Fisch, ich werde nicht auf dich warten,…das Meeresrauschen nervt. Also das ist eine nicht so zufriedene Frau, die sich immer beschwert. Kritisch geschrieben aber mit sehr viel Humor.

Wie geht es dann aus, zu was führt die Beschwerde?

Das habe ich nicht geschrieben, offenes Ende. Der Schluss sagt: „Ah, ich habe keine Lust auf dich zu warten bis morgen früh. War so viel besser, als wir noch in Limousin (Region in Frankreich) bei den Kühen gewohnt haben.“ In der Region gibt es wirklich eine bestimmte Art von Kühen.

Hast du da irgendwie eine eigene Erfahrung mit eingebaut?

Nein, garnicht. Ich finde es faszinierend, wenn man Lieder schreibt, Geschichten zu schreiben, sich aus dem Fenster zu lehnen, Geschichten zu schreiben mit unterschiedlichen Gefühlen und unterschiedlichen Perspektiven.

Verstehe, so ein bisschen Konstellationen testen, was geht…

— Wenn ich Lieder schreibe, gibt es kein Limit, du kannst alles schreiben.

Das 3. Lied ähnelt dem 2. Lied, muss aber sagen, dass ich das jetzt eher ins französisch-sprachige Südamerika stecken würde.

Wir definieren uns nicht nur durch Frankreich, ich komme ja auch halb aus den USA. Bei diesem Lied geht es darum, einen eigenen Sound zu suchen. Wir benutzen hier eine Loop-Station. Sobo nimmt normalerweise das Lied, was ich singe auf, und spielt die Sequenz wieder ab, live, direkt. Das ist schwierig und interessant zugleich.

Also du würdest sagen, beim 3. Lied müssen alle genau hinhören.

— Genau, beim dritten Lied loope nun ich selbst, ich begleite ihn mit meiner Stimme. Wir haben hier die Rollen getauscht. Wenn man uns kennt, wundert man sich, dass auf einmal ich, Marion an der Loop-Station ist.

Ist eine Prise Südamerika drinnen?

— Ein paar Sachen waren jetzt schon südamerikanisch, Salsa-Rhythmik z.B., Jazz.

Letztes Lied. Der Anfang des Liedes hat mich nach Spanien versetzt. Wie siehst du das?

Das Lied ist nun von Édith Piaf. In meiner Branche ist es aber kein Cover, sonder ein Arrangement. Bei uns im Jazz macht man dann durch Improvisation und anderer Ausführung fast schon ein eigenes Lied draus. Das Intro ist mit Gypsy Gitarre gespielt und definitiv vom Gypsy beeinflusst, und davon wurde ja auch der Flamenco geprägt. Interessant, ich analysiere das nie so richtig. Da sind gewiss viele Einflüsse im Spiel. In diesem Lied wollten wir die Tradition Frankreichs hochhalten.

Letzte Frage, wie würde ein Lied klingen mit einem Zugvogel, der nach Deutschland fliegt. Was wären das für Klänge?

— Oh…gute Frage. Spannend ist, dass die Musik in Deutschland sehr global ist. Iranische Musik, Gypsy Musik, das gibt es hier alles. Ich glaube, eine deutsche Musik lässt sich so nicht definieren. Schlager? Klassik? Rock?

Wusstest du, dass es eine deutsche Version von La vie en rose gibt? – Schau mich bitte nicht so an (singt). Der Text ist sehr witzig, sehr frech. So wie Comedian Harmonist, Vintage-Sachen. Das finde ich ziemlich typisch deutsch. Das hat viel Flair.

Photo: Marion & Sobo Press
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